Djihad gegen Klimawandel

Gelegenheit zum Durchatmen und damit zur Erhöhung der globalen Kohlendioxid-Werte: Live Earth – dieser Anschlag auf das Zentrale Nervensystem, der den Begriff Umweltterror mal in einem ganz anderen Licht erscheinen ließ – ist vorbei. Wenigstens für den Moment haben blasierte Fernsehmoderatoren („Eins geht mir tierisch auf den Sack. Ich weiß, dass ihr tierisch viel macht, aber Amerika und China blasen weiter ihren Scheiß in die Luft!“), bräsige Comedy-Nervensägen („Husch! Husch! Sonst hau’n wir auf den Bush!“), nölige Deutschpop-Quälgeister („Schreibt SMSe an Ole von Beust, dass ihr keinen Bock auf dieses Kohlekraftwerk habt!“) und ihre menschelnde Anhängerschar nun Sendepause. Zum Glück erwies sich die Klimakatastrophe wenigstens in Hamburg als zuverlässig und sorgte mit Dauerregen und kühlen Temperaturen für angemessenes Wetter. Yusuf Islam schienen die Umstände allerdings eher noch zu beflügeln, als er dem geneigten Publikum seine Weltuntergangsfantasien in die Ohren trällerte. Was er ohnehin immer gerne tut, wenn er nicht gerade Frauen den Handschlag verweigert, Homosexuelle für pervers hält, die Todesstrafe für Blasphemie begrüßt oder Beifall für die Fatwa gegen Salman Rushdie klatscht.

Apropos Islam: In dem ganzen Live Earth-Getöse wäre fast untergegangen, dass der (gescheiterte) Anschlag auf den Glasgower Flughafen vor Wochenfrist gewissermaßen das Warming-Up für das Planetenrettungskonzert war. Khalid Ahmed hatte sich im Eingangsbereich des Airports bekanntlich mitsamt seinem Jeep in Flammen aufgehen lassen – und wozu das gut war, stand jetzt in einer Mitteilung der Nachrichtenagentur AFP zu lesen: „‚Ich bin in ein groß angelegtes vertrauliches Projekt involviert. Es geht um die globale Erwärmung. Ich kann keine Details preisgeben’, sagte Ahmed seiner Familie im südindischen Bangalore, bevor er sich im Mai nach Großbritannien aufmachte, berichtete die ‚Times of India’. ‚Das bringt viele Reisen mit sich. Das Projekt muss im Vereinigten Königreich begonnen werden’, wurde er zitiert. ‚Viele Leute aus vielen Ländern machen mit.’“ Möglicherweise war Ahmed aber auch gar nicht im Auftrag der Gruppe Djihadisten gegen den Klimawandel unterwegs, sondern wollte nur an Yusuf Islams Background-Chor teilnehmen und vorher noch seine Spritschleuder fachgerecht entsorgen.

Wie auch immer: Dass „der Muslim“ nachgerade „zum Umweltschützer prädestiniert“ ist, findet auch Andrea Saleh, die Frauenbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Schließlich habe schon der Prophet verkündet: „Reinheit ist der halbe Glaube.“ Und daher gelte: Umweltschutz, ein gedeihliches Miteinander in sozialem Bewusstsein und Tierschutz sind islamische Anliegen.“ Jetzt weiß man endlich auch, warum Yusuf Islam sich dereinst Cat Stevens nannte. Nur das mit dem gedeihlichen Miteinander bedarf noch etwas der Pflege. Aber das nächste Coming together zum Schutze des Erdballs lässt garantiert nicht lange auf sich warten.

Hattips: Niko Klaric, Franklin D. Rosenfeld

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