Nasrallahs willige Helfer

Wer immer noch – und sei es in bester Absicht – ernsthaft geglaubt hat, der Waffenstillstand im Libanon inklusive UN-Resolution 1701 könne etwas zur Sicherheit Israels beitragen oder sei gar ein Meilenstein auf dem Weg zu so etwas wie Frieden im Nahen Osten, sollte durch die Entwicklungen der letzten Wochen und Monate eigentlich bereits eines Schlechteren belehrt worden sein: Das ganze Unternehmen ist nichts anderes als eine von den Vereinten Nationen organisierte Atempause für die Hizbollah, verbunden mit einer Schwächung und Behinderung des jüdischen Staates auf allen Ebenen. Und die jüngsten Ereignisse unterstreichen diese traurige Wahrheit noch: Während eine neuerliche Resolution gegen Israel nur durch das Veto der USA im UN-Sicherheitsrat – bei Enthaltungen von Großbritannien, Dänemark, Japan und der Slowakei – verhindert werden konnte, moserte der Kommandeur der UN-Truppe im Südlibanon, General Alain Pellegrini, zum wiederholten Male, Israel solle seine Flüge über den Libanon endlich einstellen, widrigenfalls man das „letzte Mittel“ nicht ausschließen wolle. Die Begründung des Franzosen – dessen Landsleute bei der UNIFIL es ohnehin kaum erwarten können, ein israelisches Flugzeug abschießen zu dürfen – ist einmal mehr bemerkenswert: Die Hizbollah könne diesen Flügen „nicht lange gleichgültig“ zusehen.

Ein Persilschein fürs Nasrallahs Truppen, nichts anderes. Und das auch noch zu einer Zeit, in der diese sich nicht nur von den israelischen Militärschlägen erholt haben, sondern sogar gestärkt aus der Konfrontation hervorgehen: „Seit dem Waffenstillstand haben zusätzliche Raketen, Waffen und militärische Ausrüstung die Hizbollah erreicht“, sagte ein israelischer Nachrichtenoffizier der Sunday Times. „Wir schätzen, dass sie jetzt etwa 20.000 Raketen aller Stufen haben – ein bisschen mehr als vor dem 12. Juli“, dem Tag also, als Israel mit den militärischen Verteidigungsmaßnahmen gegen die Hizbollah begann. Nasrallah selbst spricht sogar von 30.000 Raketen, die für einen fünfmonatigen Krieg reichen sollen. Allein 5.000 davon vermutet das israelische Militär in Verstecken entlang der Grenze des Libanon zu Israel; diese seien nicht rechtzeitig vor Inkrafttreten des Waffenstillstandes Mitte August gefunden und zerstört worden – im Unterschied zu iranischen Zelzal-Raketen, die bis nach Tel Aviv reichen und von der israelischen Armee bereits frühzeitig unschädlich gemacht wurden. „Wir befinden uns nun in einem Wettlauf, um die neuen Raketen zu lokalisieren“, sagte ein Mitarbeiter des Geheimdienstes Mossad; „wir glauben, dass die Hizbollah ihre Lektion gelernt hat und dass es beim nächsten Mal schwieriger sein wird, sie zu finden“.

Wie berechtigt die Befürchtungen Israels sind, zeigt auch das Muskelspiel der Hizbollah gegenüber der libanesischen Regierung: Alle fünf schiitischen Minister reichten ihren Rücktritt aus dem Kabinett des Premierministers Fuad Siniora ein, nachdem ihr Anliegen gescheitert war, die Regierung um prosyrische Kräfte zu erweitern, um eine Sperrminorität bilden zu können. Nasrallahs Terrororganisation kündigte zudem Massenproteste an und verwies zur Legitimation ihrer Bestrebungen darauf, Israel im letzten Krieg erfolgreich widerstanden zu haben. Logisch, dass da auch der UNIFIL-Kommandeur der Ansicht ist, die Hizbollah könne Israels Aufklärungsflügen „nicht lange gleichgültig“ zusehen: Seine Einheiten haben in den vergangenen drei Monaten die jetzige Situation erst heraufbeschworen. Dass sie auf ein israelisches Flugzeug schießen, ist daher erheblich wahrscheinlicher, als dass sie auch nur ein einziges Waffenversteck der Islamisten ausheben. Das jedoch wird Israel „nicht lange gleichgültig“ mitansehen.

Zum Cartoon (Zeichnung: Gary Varvel): „Was heißt ‚Waffenstillstand’ auf Arabisch?“„Nachladen“

Hattip: barbarashm

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