Gotteskrieger im Sommerregen

In der Politik und den Medien Old Europes ergeht man sich, wie gehabt, in einer vermeintlichen Äquidistanz gegenüber Israel und den Staaten und Terrorvereinigungen, die den jüdischen Staat auslöschen wollen – und die tagein, tagaus genau das demonstrieren. Man prangert die angebliche „Unverhältnismäßigkeit“ der israelischen Maßnahmen an und klagt Verhandlungen ein – ignorierend, dass es gerade das Appeasement war, das die Mordbanden etwa der Hamas und der Hizbollah, aber auch den Iran und Syrien erst stark gemacht hat, und dass Kompromissbereitschaft und Gespräche auf islamistischer Seite als untrügliches Zeichen für Schwäche gewertet werden. Man beweint die Zerstörung der libanesischen Infrastruktur und das Töten von Zivilisten; man behauptet wider jeden Verstand – mal explizit, mal implizit –, Terror resultiere aus „Besatzung“.

Die angebliche Äquidistanz Europas war aber noch nie eine, sondern schon immer eine Parteinahme gegen Israel, verbunden mit einer Einmischung zu seinen Ungunsten. Demgegenüber gibt es, in der Vergangenheit wie in der Gegenwart, nur wenige europäische Stimmen, die Partei für Israel ergreifen. Eine davon gehört dem Publizisten und WADI-Mitarbeiter Thomas von der Osten-Sacken. In einem Kommentar erläutert er, warum eine möglichst rasche Zerschlagung der Hizbollah auch im Interesse Beiruts liegen müsste, wogegen sich das militärische Eingreifen Israels richtet und worin die Hoffnung bei alledem besteht. Der Beitrag sollte ursprünglich in der Wochenzeitung Jungle World erscheinen, wird dort nun aber „aus redaktionellen Gründen“ nicht gedruckt. Lizas Welt dokumentiert den Text.

Die letzte Einheit
Gotteskrieger isolieren sich

Von Thomas von der Osten-Sacken

Ginge es nicht um so viel, fast müsste man Hamas und Hizbollah dankbar sein. Denn mit der Entführung israelischer Soldaten eskalieren beide einen Krieg, den sie selbst nur schwer mit jenen in Europa so beliebten Phrasen von „Unterdrückung“ und „verletzter Ehre“ zu rechtfertigen vermögen. Israel hat sich sowohl aus dem Libanon wie aus dem Gazastreifen zurückgezogen. Diese einseitigen Schritte wurden aber von den Gotteskriegern, die keinerlei Ambitionen hegen, im Diesseits für bessere Lebensbedingungen auch nur eines Arabers zu sorgen, lediglich als weiterer Ansporn gesehen, ihren Djihad zu intensivieren. Seit Monaten schon schlugen aus dem Südlibanon Katjuscha-Raketen und aus dem Gazastreifen Kassams in Israel ein, ohne dass die israelische Armee zu nennenswerten Gegenmaßnahmen griff. Während zeitgleich schiitische und sunnitische Killerkommandos im Irak Moscheen der jeweils anderen Glaubenrichtung samt den sich darin aufhaltenden Gläubigen in die Luft sprengen, versuchen Hizbollah und Hamas erneut, die einzige noch funktionierende islamische Einheit zu mobilisieren – im gemeinsamen Kampf gegen den jüdischen Staat.

Seit vergangener Woche ist Israel nun offiziell in den War on Terror eingetreten. Der jüngste Krieg unterscheidet sich grundsätzlich von seinen Vorgängern: Es ist keiner um Territorium, er richtet sich nicht gegen einzelne arabische Staaten, sondern, wie Yossi Klein Halevi in der New Republic richtig bemerkte, gegen einen „genozidalen Islamismus“, dem es um die Zerstörung alles „Westlichen“ im Nahen Osten geht. Völlig zu Recht sagte deshalb der israelische UN-Botschafter seinem libanesischen Amtskollegen, die Zerschlagung der militärischen Infrastruktur der Hizbollah – eine per UN-Resolution den Libanesen verordnete Aufgabe – läge eigentlich ganz im Interesse Beiruts. Denn so lange diese Partei über tausende Raketen aus dem Iran verfügt und de facto die Hoheit über den Südlibanon ausübt, sind alle Versuche, den Libanon aus dem Griff von Syrien und dem Iran zu befreien, zum Scheitern verurteilt.

Die Zedernrevolution hat so lange keine Chance, wie der Libanon als Schauplatz von Stellvertreterkriegen missbraucht wird. Entsprechend äußern sich auch unzählige Libanesen, die zwar den israelischen Angriff verurteilen, sich aber keineswegs blind hinter die Hizbollah stellen. Die führende englische Zeitung in Beirut, der Daily Star, kritisiert offen Syrien und den Iran. Bislang ist die Rechnung der Islam-Krieger nicht aufgegangen. Die Mobilisierung der arabischen Straße fiel äußerst dürftig aus. Und jene als „gemäßigt“ geltenden arabischen Regierungen, vor allem die Jordaniens und Ägyptens, aber auch die Saudi-Arabiens, hielten sich bislang mit Verurteilungen Israels bemerkenswert zurück. Sechs arabische Regierungen haben die Hizbollah offen verurteilt.

Ob dies so bleiben wird, wenn der Konflikt sich verschärft und mehr Tote im Libanon fordert, ist fraglich. Klar allerdings ist, dass die Europäer keinerlei Konzepte anzubieten haben und das antiisraelische Gekläffe aus Paris und Rom nur einmal mehr vom völligen Versagen europäischer Nahostpolitik zeugt. Bleibt zu hoffen, dass es eine wachsende Zahl von Menschen im Nahen Osten gibt, die genug von heiligen Kriegen haben und endlich begreifen, dass die Parteien Gottes ihnen weit mehr schaden als dem jüdischen Staat. Den Israelis dagegen ist zu wünschen, dass es ihnen gelingen möge, innerhalb einer kurzen Zeitspanne und ohne allzu große Opfer auf beiden Seiten, die militärische Infrastruktur der Hizbollah nachhaltig zu zerschlagen.

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