Und täglich grüßt das Murmeltier

Für ein paar Monate hatte Walter Herrmann, als ihm justizielles Ungemach drohte, die antiisraelischen Exponate seiner notorischen Kölner „Klagemauer“ abgehängt und sich mit der Ausstellung vorübergehend von der Domplatte entfernt. Inzwischen ist jedoch alles wieder beim Alten, wie Henryk M. Broder bei einer Stippvisite festgestellt und fotografisch dokumentiert hat.


VON HENRYK M. BRODER


Neulich hatte ich in Köln zu tun. Da ich vorher in Dortmund war, kam mir die Stadt nicht ganz so hässlich vor wie bei früheren Besuchen. Um diesen Eindruck nicht zu beschädigen, blieb ich die meiste Zeit im Hotel und verließ es nur, um mir bei Merzenich am Wallrafplatz Mandel-Brezen zu holen. Die Mandel-Brezen von Merzenich sind das Beste, was Köln zu bieten hat, abgesehen vom Ortsende-Schild hinter Rodenkirchen an der Straße nach Bonn.

Der Wallrafplatz seinerseits ist, im Gegensatz zum Neumarkt, Heumarkt und Rudolfplatz, die völlig versaut wurden, eine der netteren Ecken der Stadt. Hier wurde eine der frühen TV-Serien produziert, hier hat Klaus der Geiger die Nerven der Passanten so lange strapaziert, bis sie sich seiner erbarmten und ihm einen „halven Hahn“ im Brauhaus Früh spendierten. Dort, wo der Wallrafplatz aufhört und die Domplatte anfängt, stolperte ich dann über die „Klagemauer“, jene antisemitische Installation, die ein Kölner Staatsanwalt vor kurzem für halal und koscher erklärt hat.

Während ich mir die Bilder und Tafeln anschaute, kam mir eine Idee: Wie wäre es, wenn der Clochard, der die „Klagemauer“ jeden Tag auf- und abbaut, für ein paar Tage mit dem Staatsanwalt tauschen würde? Der eine käme endlich mal an die frische Luft und zum Durchatmen, und der andere könnte mittags in der Justizkantine ordentlich speisen, statt in einer Ecke zu hocken und Chappi aus der Dose zu löffeln. So wäre beiden gedient, und am Ende würden sie sich dann auf ein Kölsch treffen und einander zuprosten: „Jedem Tierschen sing Pläsierschen“.




Um nicht zu sagen: Wie die Nazis mit den Juden. Denn…

…aus ihrer Geschichte haben die Deutschen derart gründlich gelernt, dass sie Israel jetzt „als Bewährungshelfer moralisch beistehen, damit das Opfer nicht rückfällig werde“ (Wolfgang Pohrt)…

…und pflichtbewusst, wie sie außerdem nun mal sind, ermahnen sie die Juden bei jeder sich bietenden Gelegenheit so laut wie möglich, den Holocaust nicht zu wiederholen. Schließlich…

…sind aus den Opfern von damals längst Täter geworden (was die Guten unter ihnen sogar selbst so sehen)…

…die sich den Globus zudem mit den gewohnt perfiden Methoden unterwerfen…

…und die sich deshalb nicht zu wundern brauchen, wenn sich die Belegschaft des gesamten Planeten gegen sie wendet. Umso schlimmer…

…dass die Mächtigen hierzulande dieses mörderische Treiben aus lauter schlechtem Gewissen auch noch unterstützen. Dabei…

…müssten zumindest die Ostdeutschen doch aus eigener Erfahrung wissen, wie es ist, im größten Freiluftgefängnis der Welt zu leben. Aber…

…mit der ihnen eigenen Leidenschaft werden die Palästinenser ihre grausamen Unterdrücker schon in die Knie zwingen. Und dann muss auch…

…Walter Herrmann nicht mehr jeden Tag auf die Domplatte. Inschallah!

Bildtexte: Lizas Welt

%d Bloggern gefällt das: