Keeping the dream alive

Es gibt Geschichten, die schreibt tatsächlich, wie man so schön sagt, nur der Fußball. Als unlängst das Rückspiel im Viertelfinale der Champions League zwischen Manchester United und dem FC Bayern abgepfiffen worden war und der Münchner Klub nach neun Jahren wieder die Vorschlussrunde erreicht hatte – gegen ein klar favorisiertes Premier-League-Team, wohlgemerkt, und nach einem frühen, deutlichen Rückstand –, da wartete die Stadionregie im „Theater der Träume“ genannten Old Trafford mit einer so ungewöhnlichen wie passenden Idee auf: Sie spielte „Keeping the dream alive“ ein, gesungen von der deutschen Popgruppe Münchener Freiheit. Die angesehene Londoner Tageszeitung The Daily Telegraph staunte nicht schlecht: „Alle Gästefans stimmten mit ein und sangen euphorisch den Refrain in perfektem Englisch. Wenn schon keine englischen Vereine im Halbfinale stehen, dann zumindest einige, die die englische Sprache gut beherrschen.“

Man darf das durchaus als Respektsbezeugung betrachten, als bemerkenswerte Geste, die besagt: Wer uns aus dem Wettbewerb wirft, hat das Weiterkommen auch verdient und feiert zu Recht. Der Song, zu hören im „Theatre of dreams“, war in diesem Sinne ein Tribut. Sein englischer Text ist geradewegs ein Spiegelbild der Bayern-Saison, und wohl genau aus diesem Grund haben die Münchner Anhänger das Stück auch so inbrünstig mitgesungen: „The game will never be over, because we’re keeping the dream alive“ – „Das Spiel wird nie zu Ende sein, weil wir den Traum am Leben erhalten“. Die Auswahl des Titels zeugt darüber hinaus von musikalischem Sachverstand, denn die Pop-Combo Münchener Freiheit ist nicht unbedingt das, was man einen Global Player nennt. Hierzulande hat es die Gruppe mit der deutschen Ursprungsfassung von „Keeping the dream alive“ – „Solang’ man Träume noch leben kann“ – auf Platz zwei der Hitliste geschafft. Die englische Version – die gemeinsam mit dem London Symphony Orchestra aufgenommen worden war – errang 1988 in den britischen Charts immerhin einen beachtlichen vierzehnten Platz. Aber das blieb ein One-hit-wonder.

Jetzt ist der Song aus gutem Grund wieder ausgegraben worden: Weil zu einer nachgerade kitschigen Spielzeit ein kitschiges (Liebes-)Lied gehört, kommt dieses 22 Jahre alte Exemplar gerade recht. Fußball ist nun mal Pathos – und wem das als Begründung nicht genügt: Das Mitfiebern von Fußballfans ist Sublimation, ist Übertragung, ist die Suche nach einem privaten Glücksmoment, projektiv aufgehoben in der berauschenden Teilnahme am Erfolg einer Mannschaft (und zugleich stets verbunden mit der Gefahr, bitter enttäuscht zu werden). Der FC Bayern bietet in dieser Saison eine betörende Mischung aus großer Spielkunst und unbändiger Leidenschaft; so wird Fußball zum Kulturgenuss, zum Spektakel auf großen Bühnen. Das Publikum bildet dabei nicht bloß den Rahmen, sondern es ist Teil der Performance, wovon besonders markant die vom Club Nr. 12 organisierte und inszenierte gigantische Choreografie in der Allianz Arena vor dem Halbfinalhinspiel gegen Olympique Lyon zeugt (Foto oben).

Aus allen diesen Gründen ist es – kurz vor den beiden Finalspielen der Bayern im DFB-Pokal und in der Champions League – an der Zeit, den Münchner Fußball mit der Münchener Freiheit zu verschmelzen. Ein Klick hierhin führt zum Ergebnis dieses von Lizas Welt unternommenen Versuchs. In diesem Sinne – „Keeping the dream alive“ means: Pack ma’s!

Foto: © Club Nr. 12

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