Kinderprogramm

Parteiprogramme, so heißt es nicht nur im Sozialkundeunterricht und in der Politikwissenschaft, seien im Grunde genommen nichts weiter als idealtypische Absichtserklärungen, die nicht wörtlich genommen werden dürften. Schließlich gelte es in einem demokratisch verfassten Staatswesen, Kompromisse zu schließen, also von Maximalforderungen abzurücken. Ergo wurde diese Schablone auch nach dem Wahlsieg der Hamas zu Beginn des vergangenen Jahres vielfach angelegt; allein: Sie wollte und will einfach nicht passen. Denn die Gotteskrieger denken selbstverständlich gar nicht daran, von den in ihrer Charta niedergeschriebenen Zielen auch nur ein Jota abzurücken. Und das ist alles, nur keine Überraschung: Alleiniger Sinn und Zweck der Hamas ist die Vernichtung Israels und die Beihilfe zum weltumspannenden Sieg des Islam. Daher sind die Aufforderungen europäischer Politiker an die Terrorbande, den jüdischen Staat doch endlich anzuerkennen, so sinnlos wie weltfremd.

Denn die Hamas demonstriert täglich in Wort und Tat, dass ihr Programm nicht bloß unverbindliche Leitlinien enthält; ihre Protagonisten bekräftigen den Wortlaut der Parteiprogramms ein ums andere Mal. „Die seherische Grundlage ist die Botschaft des Propheten Muhammad, dass der Islam in jedes Haus Eingang finden und auf der ganzen Welt verbreitet sein wird“, unterstrich beispielsweise der Hamas-Führer Mahmud Al-Zahar Ende März neuerlich den islamischen Weltherrschaftsanspruch, und Ahmed Bahar, der Sprecher des palästinensischen Legislativrates, führte aus: „Das ist der Islam, der bezüglich der Behandlung der Gefangenen und der Menschenrechte vor seiner Zeit war, doch unser Volk wurde befallen von einem krebsartigen Geschwür, das sind die Juden, im Herzen der arabischen Nation. Mache uns siegreich über die Ungläubigen. Allah, ergreife die Juden und ihre Verbündeten, Allah, ergreife die Amerikaner und ihre Verbündeten, zähle sie und töte sie bis zum letzten und lass nicht einmal einen einzigen am Leben.“

Ismail Radwan wiederum, ein Sprecher der Hamas, bestätigte, „dass seine Bewegung keine Existenz Israels auf einem Zentimeter palästinensischen Landes anerkennen wird“, und er machte deutlich: „Wir werden Palästina, ganz Palästina befreien. Palästina wird nicht durch Verhandlungen, Komitees und Entscheidungen befreit werden, es wird nur durch das Gewehr und durch ‚Al-Kassam’[-Raketen] befreit werden. Daher bereitet euch vor.“ Sein Kamerad Yussuf Al-Sharafi, Abgeordneter im Legislativrat, beschwor Mitte April in der Hamas-Zeitung Al-Risalah den Djihad, „um die Diebe der Besatzung“ aus der Welt zu schaffen, „die sich danach sehnen, das Blut unseres massakrierten Volkes zu trinken. Weil der jüdische Glaube weder Frieden noch Stabilität will, denn es ist ein Glaube der auf Mord gründet. ‚Ich töte, daher bin ich.’ Israel gründet nur auf Blut und Mord, um zu existieren, und es wird verschwinden, so Allahs Wille, durch Blut und Shahids [Märtyrer]“.

Da gibt es also nichts misszuverstehen, und dieses Vernichtungsprogramm bekommen schon die Kleinsten eingeimpft. Karl Pfeifer hat festgestellt, dass diese Einsicht manchen jedoch nach wie vor abgeht, obwohl die Propaganda der Hamas überall nachzulesen und an Deutlichkeit nicht zu überbieten ist.

Karl Pfeifer

Der Zynismus des Hannes Swoboda und die Realität der Hamas

Man muss entweder sehr naiv oder sehr zynisch sein, um zu der Ansicht zu gelangen, die Hamas lehne Gewalt ab. Da der Europaparlamentarier Hannes Swoboda wohl kaum als naiv eingeschätzt werden kann, muss Zynismus im Spiel gewesen sein, als er dem Kurier kürzlich erklärte: „Neben einer militärischen Antwort muss es aber auch eine Stärkung aller politischen Kräfte geben, die Gewalt ablehnen. Dazu gehört die palästinensische Regierung.“ Der Gipfel ist es schließlich, wenn dieser Kreiskyschüler, der am Staat Israel kein gutes Haar lässt, sich auch noch als Vertreter der Interessen des jüdischen Staates aufspielt, wenn er sagt, der „Zerfall“ der von der Hamas geführten Regierung sei „nicht im Interesse Israels“. Palestinian Media Watch (PMW) veröffentlichte unlängst ein Bulletin, das anschaulich zeigt, was die Hamas auf Arabisch propagiert, während sie europäischen Politikern auf Englisch erklärt, sie lehne Gewalt ab. Hier ist die Übersetzung dessen, was Itamar Marcus und Barbara Crook für PMW berichteten.

Palästinensische Werbekampagnen für den Märtyrertod von Kindern

Am vergangenen Sonntag strahlte das Hamas-Fernsehen ein neues Video aus, das die Erziehung von Kindern zu Selbstmordattentätern propagiert. Hamas-TV setzt die an Kinder gerichtete Werbekampagne für das Märtyrertum (Shahada) damit fort. Der neue Videoclip verfolgt das Heranwachsen eines palästinensischen Jungen, bis er zum Shahid der Hamas, ein Märtyrer für Allah also, wird. Das Video zeigt, wie der Junge in die Moschee geht, dort betet und aus dem Koran liest, um dann ein automatisches Gewehr zusammen mit dem Koran zu halten, so, wie er sich seine Zukunft in der Beteiligung an Gewaltakten vorstellt. [Zum Video]

Das Kind reift dann zu einem Hamas-Kämpfer heran, der im Kampf gegen Israel gezeigt wird, um schließlich als Shahid zu sterben, während ein Chor singt: „Das reine Blut wird Ruhm und Ehre hervorbringen.“ Dieses Video leitet palästinensische Kinder zur Shahada an, indem es einen sieben Jahre alten Musik-Videoclip wiederholt, in dem es heißt, das Märtyrertum werde von Kindern erwartet. „Ruhm und Ehre“ und „Shahada ist süß“, lauten einige dieser Botschaften, die von Hamas-TV und vom Fernsehsender der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA-TV), der von der Fatah kontrolliert wird, speziell auf Kinder zugeschnitten werden.

Doch auch Schulbücher der Autonomiebehörde werben bei den Kleinen für den Shahada-Tod. Ein Beispiel: „Oh Helden… Redet euch nicht die Flucht ein. Eure Feinde begehren das Leben, während ihr den Tod begehrt. Diese Bluttropfen, die aus euren Körpern fließen, werden morgen in flammende rote Meteoren umgewandelt, die auf den Kopf eurer Feinde fallen werden.“ (Lesebuch und Texte Teil II, 8. Klasse, Seite 16, 2002) Es folgt ein Auszug aus dem neuen Clip von Hamas-TV: [Zum Video]

Wir sind gekommen!
Maschinengewehr und Koran in unseren Händen.
[man sieht ein Kind, das eine Maschinenpistole und den Koran hält]
Wir sind gewachsen und damit auch das Recht
in den Augen der unrecht Behandelten.
[man sieht ein Kind, das zum Erwachsenen wird und Israel angreift]
Wir haben geschworen, das Land wiederzuerlangen,
das reine Blut wird produzieren
Ruhm und Ehre.
[man sieht das Kind, das nun erwachsen ist und als Shahid erschossen wird]

Überblick über die Geschichte der Werbekampagnen für die Shahada von Kindern

Shahada für Kinder ist eine wiederkehrende Botschaft sowohl des von der Fatah kontrollierten PA-Fernsehens als auch von Hamas-TV.

1. Hamas-TV strahlte von März bis Mai 2007 regelmäßig die Geschichte der vierjährigen Tochter der Selbstmordattentäterin Reem Riyashi aus, die ihre tote Mutter besingt und gelobt, in ihre Fußstapfen zu treten. Das Video endet mit dem Bild, wie das kleine Mädchen Sprengstoff aus der Schublade seiner Mutter nimmt. [Zum Video]

2. Ein anderes Video der Hamas, das für die Teilnahme von Kindern am Terror wirbt, stellt Ahmed Yassin in den Mittelpunkt, den Begründer der Hamas und religiösen Führer, der von Israel getötet wurde. Das Video porträtiert junge Kinder als die Fortsetzung von Yassins Vermächtnis. Diese Kinder werden in Uniform gezeigt; sie halten Gewehre und nehmen an militärischem Training teil. Das Video betont die Verbindung zu Yassin: „Obwohl sie unseren [Ahmed] Yassin getötet haben, werden im Land Tausende Ahmeds wachsen.“ [Zum Video]

3. In einem anderen Video, das im PA-Fernsehen in den Jahren 2001 bis 2004 mehrere hundert Male ausgestrahlt wurde, hinterlässt ein Junge einen Abschiedsbrief an seine Eltern und macht sich zur Shahada auf, den Tod als etwas „Süßes“ beschreibend. Dieser PA-Clip soll die natürliche Angst eines Kindes vor dem Tod kompensieren, indem es die Shahada als heroisch und ruhig ausmalt. [Zum Video]

4. Zwischen 2000 und 2003 strahlte PA-TV Musikvideos aus, die das herrliche Shahid-Paradies von Mohammed Al-Dura bebildern, der im Kreuzfeuer starb. Es wird gezeigt, wie der Kinderschauspieler einen Drachen fliegen lässt, sich am Meeresstrand tummelt und sogar in einem Vergnügungspark. Das Video beginnt mit einer Einladung von Al-Dura an andere Kinder, nach der Shahada zu streben: „Ich winke euch nicht zum Abschied, sondern um euch zu sagen: ‚Folgt mir’.“ Dieses Video, das Kinder anweist, Al-Dura als Märtyrer ins Paradies zu folgen, wurde im Juni 2006 gesendet, als israelische Truppen sich nach der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Shalit an der Grenze zum Gazastreifen versammelten. [Zum Video]

5. Das Ergebnis einer solchen virulenten Propaganda ist offensichtlich, wenn man ein Interview des PA-Fernsehens mit zwei elfjährigen Mädchen hört, die über die Shahada sprechen und sie als vorrangiges Ideal und persönliches Ziel beschreiben. Sie erklären, dass „alle palästinensische Kinder“ die Shahada für lohnender als das Leben halten, wegen des versprochenen großartigen Lebens nach dem Tod. [Zum Video]

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