Magic Mexico

Der Fußballgott wollte es, dass sich der Iran und Mexiko bei der Weltmeisterschaft in einer Vorrundengruppe wiederfinden. Die Mittelamerikaner dürften dabei für die iranische Auswahl eine ziemlich harte Nuss sein, wenn es am 11. Juni in Nürnberg gegeneinander geht. Und sollte es nicht gelingen, sie zu knacken, könnte das auch andere Gründe haben als rein sportliche:

„Angst macht den Profis die angebliche psychologische Kriegsführung von Gruppengegner Mexiko. Die Iraner glauben, dass mexikanisches Voodoo an den Verletzungen der Bundesligaspieler Ali Karimi (FC Bayern München), Vahid Hashemian (Hannover 96) und Mehdi Mahdavikia (Hamburger SV) in dieser Saison schuld sei. Das Trio gehört zum WM-Kader Irans.“

Hat so ein niedliches Zauberpüppchen also beispielsweise dafür gesorgt, dass sich Bayern-Profi Ali Karimi beim Spiel seines Klubs gegen den Hamburger SV das Syndesmoseband riss? Nicht auszudenken – aber auch nicht auszuschließen:

„‚Die Mexikaner sind Meister der psychologischen Kriegsführung und setzen vielleicht Magie ein’, sagte Ali Pour, der Kulturbeauftragte des iranischen Fußballverbandes (FFI) der iranischen Nachrichtenagentur ISNA.“

Doch dagegen ist, sagen wir, ein Kraut gewachsen. Oder so ähnlich:

„Pour betonte, dass der tiefe religiöse Glaube des Teams bei der WM ‚wie eine uneinnehmbare Festung’ wirken werde.“

Der Glaube als Festung – das ist fast wie ein Brief, der Mauern durchbricht. Manchmal benötigt man dafür aber kleine Hilfsmittel, klärt die Deutsche Presse-Agentur auf:

„In Iran ist Aberglaube allgegenwärtig. Viele Menschen dort haben zum Beispiel Angst vor dem so genannten bösen Blick – und schützen sich dagegen mit einem blauen Stein.“

Den können die iranischen Kicker allerdings nicht mit aufs Feld nehmen, um sich etwa gegen finster dreinschauende Mexikaner zur Wehr zu setzen. Denn da sind die von der FIFA verfügten Fußballregeln vor, in deren viertem Paragrafen („Ausrüstung der Spieler“) es unmissverständlich heißt:

„Ein Spieler darf keine Kleidungsstücke oder Ausrüstungsgegenstände tragen, die für ihn oder einen anderen Spieler gefährlich sind (einschließlich jeder Art von Schmuck).“

Was nun? Möglicherweise hülfe ein Eilantrag an die Fußball-Uno zwecks Erteilung einer Sondererlaubnis, um die Chancengleichheit mit Magic Mexico wiederherzustellen. Bei der FIFA hätte man gewiss ein offenes Ohr für die Sorgen der Lieblingsmannschaft Mahmud Ahmadinedjads.

Dessen ungeachtet wäre es ja gar zu schön, stimmte denn der Unsinn mit dem Voodoo tatsächlich. In diesem Falle müsste man die Mexikaner unbedingt konsultieren, wie der Spaß eigentlich genau funktioniert. Es gäbe da nämlich so einen anderen, nicht spielberechtigten Iraner, der auch mal ganz gut einen Syndesmosebandriss vertragen könnte. Mindestens.

Hattips: Mona Rieboldt & Spirit of Entebbe

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