Notdürftige Helfer

Undank ist der Welt Lohn: Da versuchen es die Palästinenser zur Abwechslung mal mit Demokratie, indem sie ihrer favorisierten Partei bei den Wahlen die satte Mehrheit verschaffen, und dann drehen Israel, die USA und sogar die bisher nibelungentreue Europäische Union einfach den Geldhahn zu, bloß weil es ihnen nicht passt, dass die Hamas auch in der Regierung die Vernichtung des jüdischen Staates propagiert und (Selbst-) Mordanschläge von Minderjährigen in israelischen Restaurants sozusagen als conditio sine qua non ihrer Verteidigungspolitik begreift. Nicht wenige deutsche Kommentatoren haben da großes Mitleid und glauben genau zu wissen, dass das Wahlvolk doch bloß die Korruption beseitigt und mehr Suppenküchen haben wollte, die Hamas also als gemeinnützigen Wohlfahrtsverband betrachtet und nicht als Judenmörderbande. Dummerweise besteht zwischen diesen beiden Eigenschaften aber ein ganz ähnlicher Zusammenhang wie zwischen dem NS-Winterhilfswerk, deutsch-völkischem Antikapitalismus und eliminatorischem Antisemitismus. Bloß kommt da nicht drauf, wer partout Israel für eine vorgeblich drohende Hungersnot in den palästinensischen Gebieten verantwortlich machen will, die sich – sollte es sie denn geben – vermeiden ließe, wenn sich dort die Erkenntnis durchsetzen würde, dass das Töten von Juden doch keine Lebensversicherung ist und auch den Bauch nicht voller macht.

Darauf dürften zumindest die Hauptfinanziers der Palästinensischen Autonomiebehörde letztlich setzen, wenn sie jetzt aus gutem Grund ihre Gelder zurückhalten. Aber es muss doch noch Menschen auf dieser Welt geben, die echte Solidarität zeigen! Und nicht bloß bei den notorischen Judenhasservereinen in Europa wie der Antiimperialistischen Koordination (AIK) in Wien, die die Hamas zu so etwas Ähnlichem wie bilateralen Verhandlungen einladen will. Sondern auch bei den arabischen Brüdern und Schwestern, die doch bei jeder Gelegenheit wortgewaltig beteuern, wie sehr sie auf der Seite des palästinensischen Volkes stehen. Aber in punkto „Alternativ-Hilfszusagen“ (Deutsche Welle) sieht es bei denen gerade ziemlich schlecht aus:

„Die arabischen Außenminister einigten sich kürzlich bei der Arabischen Gipfelkonferenz in Khartum (Foto oben) auf monatliche Hilfen in Höhe von 55 Millionen Dollar. Qatar hat nun 50 Millionen im Monat zugesagt, hierbei aber seinen Anteil an der in Khartum vereinbarten Summe eingerechnet. 50 weitere Millionen (möglicherweise gar 100 Millionen) will der Iran beisteuern, sonst aber fehlt es an offiziellen Zusagen aus den arabischen und islamischen Ländern der Region.“

Die Betteltour des palästinensischen Außenministers Mahmud Sahar (Foto links) war also von nur mäßigem Erfolg gekrönt, weil monatlich mindestens 170 Millionen Dollar benötigt werden. Doch in Syrien beispielsweise erreichte Sahar lediglich die Ankündigung seines Amtskollegen, ein Spendenkonto einzurichten; Jordanien lud ihn gar wieder aus – und auch andernorts gab es kaum etwas zu holen. Doch selbst die wenigen Zusagen sind nicht verlässlich:

„Viele Versprechen bleiben Papier und werden nicht in klingende Münze umgewandelt. Sie werden in erster Linie aus propagandistischen Gründen gemacht, so wie der Aufruf in Algerien, das Land solle eine Tagesproduktion an Erdöl den Palästinensern zur Verfügung stellen. Oder die Aufrufe an die Bevölkerungen der arabischen und islamischen Staaten, für die Palästinenser zu spenden.“

Ein Fünkchen Hoffnung glimmt aber trotzdem noch, und zwar – hätt’ man’s gedacht? – in Europa. Während sich alles noch darüber erregt – oder auch amüsiert –, dass der abgewählte italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine Niederlage einfach nicht hinnehmen will, klingelt sein Nachfolger gleich mal bei den Freunden durch, von Wahlsieger zu Wahlsieger sozusagen:

„Als erster hochrangiger Politiker der Europäischen Union hat der künftige italienische Ministerpräsident Romano Prodi (Foto rechts) mit dem palästinensischen Regierungschef Ismail Hanija von der radikal-islamischen Hamas-Bewegung telefoniert. […] Das Büro Hanijas teilte mit, der palästinensische Regierungschef habe Prodi für das Telefongespräch gedankt und ihn gebeten mitzuhelfen, dass die Kontakt- und Finanzsperre des Westens gegen die neue palästinensische Regierung aufgehoben wird.“

Wenn der Oskar Lafontaine das mitbekommt, wird er sicher auch gleich zum Hörer greifen. Zumal jetzt, da er seinen geplanten Iran-Besuch verschieben musste, „nachdem aus Teheran bis zum Osterwochenende keine konkreten Vorschläge für ein Besuchsprogramm vorlagen“. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und vielleicht ist später sogar „ein Gespräch mit Irans Präsident Mahmud Ahmadinedjad“ drin. Mit dem kann der Oberlinksparteinik dann sicher auch ganz intensiv „Informationen über die ‚verschiedenen Kräfte’ im Iran sammeln“. Einstweilen muss es der Austausch mit der Hamas tun.

Die jedenfalls würde sich darüber gewiss einen Sprengstoffgürtel um den Bauch freuen. Und dass Lafontaine kneift, ist nicht zu erwarten; schließlich gilt es ja, Schnittmengen zwischen seiner Linken und dem Islam zu eruieren, dessen Anhänger so gebeutelt sind. Ein Silberstreifchen für sie ist jedoch auch aus einem anderen Teil Europas zu vermelden:

„Ein britisches Gefängnis baut seine neuen Häftlingstoiletten künftig so, dass moslemische Gefangene auf dem Klo nicht Richtung Mekka sitzen müssen. Das Londoner Brixton-Gefängnis erhalte zwei neue Toilettenblocks, bei deren Bau ‚alle Religionen berücksichtigt’ würden, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums am Donnerstag. Geistliche Führer hätten den Behörden zuvor mitgeteilt, dass es für moslemische Gefangene nicht zumutbar sei, in Richtung der heiligen islamischen Stätte zu sitzen, während sie das Örtchen benutzen.“

Ein echter Friedensdienst also. Der außerdem gute Chancen auf Platz drei bei den Wahlen zum Parolenparlament hat: Nach „Ficken für den Frieden“ und „Saufen gegen Rechts“ käme dann „Kacken für Mekka“. An die Urnen!

Hattips: Gesine, Doro & Jonny

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