Das Double

Das womöglich schönste Fußballlied aller Zeiten ist eine mit viel Selbstironie versehene Hommage an das Team mit dem Drei-Löwen-Trikot. Es hätte so nicht entstehen können, wäre da nicht das legendäre Wembley-Tor (Foto unten) gewesen, das England bei der Weltmeisterschaft 1966 im eigenen Land beim Endspiel gegen die Deutschen auf die Siegerstraße brachte – es blieb der bislang einzige WM-Titel. Football’s coming home heißt diese wunderbare Hymne, die 1996 kreiert und deren Text zwei Jahre später modifiziert wurde. In ihr wird liebevoll dem Namensgeber des Pokals für den Weltmeister gehuldigt:

„Three Lions on a shirt,
Jules Rimet still gleaming.
No more years of hurt,
No more need for dreaming.“

Der so besungene Franzose Rimet war FIFA-Präsident von 1921 bis 1954; in seine Amtszeit fiel auch die allererste Weltmeisterschaft, die im Jahre 1930 in Uruguay ausgetragen wurde. Der nach ihm benannte Pokal (Foto links) ging genau vierzig Jahre später in den Besitz Brasiliens über, als Belohnung für den dritten Weltmeisterschaftsgewinn. Vier Jahre zuvor, im März 1966, war die Trophäe aus den Räumen einer Briefmarkenausstellung in London gestohlen worden. Kurz vor den Titelkämpfen sorgte das natürlich für einen peinlichen Skandal. Der Cup wurde schließlich noch rechtzeitig aufgespürt – vom Hund eines Werftarbeiters.

Als Konsequenz daraus ließ England eine Kopie des Kelchs mit der griechischen Siegesgöttin Nike anfertigen. Nobby Stiles hielt dieses Double als erster Spieler in der Hand – er hatte nach dem siegreichen WM-Finale riskante Freudentänze mit dem Original vollführt; Polizisten drückten ihm dann diskret das Abbild in die Hand, um Schlimmeres zu verhüten.

Von da an nahm das Unheil seinen Lauf. Schon bei der nächsten Weltmeisterschaft vier Jahre später rätselte man, was nun echt und was nur nachgebildet war. Und es machte die Runde, dass Brasilien möglicherweise gar nicht das Original zu seinem Eigentum rechnen konnte, sondern bloß eine auch noch deutlich billigere Kopie. 1983 wurde der Pokal dann zu allem Überfluss erneut gestohlen – aus einer Vitrine im Hauptsitz des Brasilianischen Fußballverbands. 1997 ersteigerte ihn jedoch plötzlich die FIFA – wie das? Und den richtigen oder den falschen?

Dieser Geschichte ging Simon Kuper für die Weltwoche nach. Herausgekommen ist ein brillanter, spannender und höchst unterhaltsamer Beitrag, der hiermit ausdrücklich zur Lektüre empfohlen sei. Und wer nicht lesen mag, kann sich auch die zehnminütige Audio-Datei anhören (etwa 9 MB).

Hattip: David Harnasch

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