Bombenkind

Sage niemand, deutsche Schauspieler(innen) hätten bei ihrer Familienplanung kein historisches Gespür. Felicitas Woll, 26 Jahre alt und Darstellerin der Lolle in der TV-Zumutung Berlin, Berlin, hat „in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar“ Nachwuchs in die Welt gesetzt – „exakt 61 Jahre nach der Bombennacht von Dresden“, wie ihr Agent mit dem klangvollen deutschen Namen Frank-Oliver Schulz der Kölner Boulevardzeitung Express ausrichten ließ.

Warum er das so betont? Weil Woll am 5. und 6. März dieses Jahres im zweiteiligen „ZDF-Filmereignis des Jahres“ namens Dresden eine Hauptrolle spielt. Als Anna verliebt sie sich in den abgeschossenen britischen Bomberpiloten Robert, den sie irrtümlich für einen deutschen Deserteur hält:

„Annas Bedürfnis, dem verletzten Mann zu helfen, siegt über ihr Misstrauen und ihre Angst. Heimlich versorgt sie ihn mit Essen und pflegt seine Wunde. Was sich Anna noch nicht eingestehen mag: Robert hat etwas in ihr berührt. Ohne ein Wort mit ihm gewechselt zu haben, fühlt sie sich von ihm als Frau verstanden und akzeptiert.“

Die tiefe Zuneigung gerät zwar noch einmal ins Wanken, als Anna herausfindet, wer dieser Robert in Wirklichkeit ist, aber was ein echtes Rührstück ist, das hält auch solcherlei Feindberührung aus. Da lässt man schon mal einen Oberarzt stehen, wenn der sich mit seinem Heiratsantrag allzu tapsig anstellt, obwohl man sich mit ihm bis dato „um die täglich wachsende Zahl an verwundeten und schwerverletzten Frontsoldaten“ gekümmert, ja zuvor sogar sein „Medizinstudium wegen des Krieges aufgegeben“ hat.

Und so betrauert man sich schließlich gegenseitig, gleichrangig und gemeinsam als Opfer eines schrecklichen Krieges, gerade so, als ob nicht die eine mit ihrer Tätigkeit Kriegsmaschinerie und Auschwitz am Laufen gehalten hätte, während der andere damit befasst war, Vernichtung und Wahnsinn ein Ende zu bereiten. Doch mit dem Zweiten sieht man bekanntlich besser, und so kommt es zum Finale Grande:

„Anna, hin und hergerissen zwischen ihren Gefühlen für Robert und ihrer Familie, weiß nichts davon, dass einige tausend Kilometer entfernt im Süden Englands knapp 800 Lancaster-Bomber starten und die Stadt nur wenige Stunden später in ein Flammeninferno verwandeln werden. In dem von unzähligen Bomben entfachten Feuersturm werden Anna, Robert und Alexander mit allen Bewohnern Dresdens eine ganze Nacht lang verzweifelt um ihr Leben kämpfen…“

Wer will es der guten Felicitas Woll da verdenken, dass sie ihr Kind als lebendes Mahnmal zur Welt bringen möchte? Immerhin bringt das die Hormone so richtig zum Tanzen:

„Ich bin überglücklich und hoffe, dass unser Kind angesichts des Datums ein Kind ist, das Hoffnung und Mut macht.“

Ein Bombenbaby also, fürwahr. Und weil bereits die Trümmerfrauen damals nicht viel Tamtam gemacht haben, geht auch Woll gleich wieder an die Arbeit. „Schon in zwei Wochen will sie als Gast zu ‚Wetten, dass…?‘ kommen“, freut sich der Spiegel. Dort ist sie vermutlich Patin für die Wette, dass die renovierte Frauenkirche einen neuerlichen britischen Luftangriff diesmal unbeschadet übersteht.

Hattip: Clemens

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