Das befreiende Gelächter über das Allerheiligste

Würde man in diesen Breitengraden Monty Pythons kongeniale antichristliche Invektiven als rassistisch geißeln? Oder die der Titanic? Wohl kaum. Wenn aber ein skandinavisches Provinzblatt ein paar Zeichnungen des Propheten abdruckt und Monate später eine islamistische Meute unter Verweis auf sie zu marodieren beginnt, ist das diesbezügliche Geschrei auch in der nichtmuslimischen Welt gar groß. Allenthalben übt man sich dort günstigstenfalls in abgeschmackter Äquidistanz und zollt dem wütenden Mob ansonsten ein gerüttelt Maß an Verständnis für seine Empörung. Die Zeitschrift Bahamas konstatiert hierzu:

„Es ist schon seltsam: Während im Judentum seit Jahrhunderten allerlei Schabernack mit dem Erhabenen im eignen Glauben getrieben wird und der Herr Jesus in Bayern Brettlsepp genannt wird und etwas weiter nördlich Lattenjupp, soll einem frühmittelalterlichen Räuberhauptmann und seinem Buch nur Ehrerbietung widerfahren, obwohl man doch spätestens mit Salman Rushdies Satanischen Versen weiß, was für ein hochkomischer Stoff gerade das Leben Mohammeds ist. Darf Witze über den Propheten nur reißen, wer zu seiner Gebetsmeute gehört? Das wäre ähnlich sinnvoll, wie eine Humorkongregation des Vatikans über die Vereinbarkeit von ‚Das Leben des Brian’ mit der katholischen Glaubenslehre entscheiden zu lassen.“

Warum Religionskritik ohne das befreiende Gelächter über das Allerheiligste nicht auskommt, weshalb dieser Spott konstitutiv für die Säkularisierung einer Gesellschaft ist und wieso gerade deswegen in der derzeitigen Situation das Einklagen eines allgemeinen Rechts auf Blasphemie die Verfasstheit des Islams eher aus dem Blick verliert, als diesen zu schärfen, wird in der neuen Ausgabe der Bahamas zu lesen sein. Ein Auszug daraus kann bereits jetzt auf ihrer Website abgerufen werden.

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