Gustav Gans und die blaue Bandage

Wenn der Trainer Thomas Kraft am Samstag aufstellen sollte, ist das seine exklusive Entscheidung. Und damit Ende. Wir sind überhaupt nicht irritiert oder verärgert.“ (Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandvorsitzender der FC Bayern München AG, am 11. Januar dieses Jahres. Quelle: Süddeutsche Zeitung)

Kaum ein Medium widerstand der Versuchung, den anstehenden Tausch im Gehäuse des FC Bayern mit der mäßig originellen Schlagzeile „Kraft-Probe“ zu überschreiben. Mäßig originell zum einen deshalb, weil Namenswitze grundsätzlich verschmockt sind, und zum anderen, weil das Ganze in erster Linie von den Medien hochsterilisiert wurde, um es mal mit den Worten eines früheren Bayernprofis zu formulieren. Mag schon sein, dass der Vorstand insgeheim not amused war über van Gaals Entscheidung „Butt raus, Kraft rein“. Doch mit der offiziellen Rückendeckung durch „Killer-Kalle“ passt – zumindest offiziell – kein Blatt eitel Bütten mehr zwischen Vorstand und Vorturner. Und der Kaiser hat bekanntlich schon Werbung für Kraft gemacht, als der noch flüssig war wie eine Hühnersuppe.

Aber entscheidend ist ja ohnehin – wie man spätestens seit Adi Preißler weiß – auf’m Platz. Und damit zu einem kleinen, ausgewählten Formcheck kurz vor dem ersten Rückrundenspiel in Wolfsburg.

Franck Ribéry: Will jetzt wieder spielen wie unter Hitzfeld und, öhm, Klinsmann. Hat dem Kicker erzählt: „Isch ‚abe misch verändert.“ Stimmt: Statt Frauen schleppt er neuerdings Männer ab. Sogar mitten im homophoben Katar, in aller öffentlichkeit. Mutig, aber: no risk, no fun.

Arjen Robben: Hat weder unter Hitzfeld noch unter, öhm, Klinsmann gespielt und will deshalb wieder spielen wie unter van Gaal. Hat zu diesem Zweck seine graue Gábor-Király-Gedächtnishose gegen eine blaue Erich-Deuser-Gedächtnisbandage getauscht. Jede Wette: Das gibt wieder Stress mit den Dresscode-Vorschriften von DFB und DFL – und einen Boom in deutschen Sanitätshäusern.

Luiz Gustavo: Extrem effektiv schon vor seinem ersten Einsatz in München: Mit seinem Wechsel hat er nicht nur seinen neuen Klub verstärkt, sondern auch seinen alten ins Chaos gestürzt. Die stärkste Rückennummer 30 seit Christian Lell. Und jetzt schenkt ihm Oliver Bierhoff auch noch einen deutschen Pass, der auf den Namen „Gustav Gans“ ausgestellt wird. Kann es ein größeres irdisches Glück geben?

Holger Badstuber: Die Emo-Frisur is back! Wird jetzt wieder schambeinhart zu Werke gehen und darüber hinaus dem Kollegen Breno zeigen, was eine Spieleröffnung ist. Wären Namenswitze nicht so verschmockt, müsste man ihn glatt Goodstuber nennen.

Breno: Hat eine tierisch gute, ja, eine nachgerade animalische Vorbereitung absolviert. Das fand auch sein Trainer. Und wer würde dem widersprechen wollen?

Mark van Bommel: Im Alter lässt bekanntlich das Kurzzeitgedächtnis nach. Hat deshalb vergessen, dass man bei der Fifa-Wahl zum Fußballer des Jahres keine Landsleute mit Stimmen versorgen darf. Ergebnis: Platz 1 und 2 ungültig. Ein Wechsel zu den Alten Herren vom AC Mailand wäre daher nur konsequent.

Mario Gómez: Hat sich im SPOX-Interview als Klimaschützer geoutet. Wird nun die Nachfolge von Bixente Lizarazu als „Che Guevara der Umwelt“ antreten. Erster Schritt: den gegnerischen Verteidigern noch mehr als in der Hinrunde die Luft zum Atmen nehmen und so den globalen CO2-Ausstoß verringern. Ein löbliches Unterfangen, das ihm gleich zwei Preise einbringen wird: die Torjägerkanone und eine Ehrenmitgliedschaft bei Greenpeace.

Thomas Müller: Nennt sich jetzt „Raumdeuter“ und ist damit zum Sigmund Freud der deutschen Fußballprofis emporgestiegen. Noch nie hat jemand mit so dünnen Beinen so große Karrieresprünge gemacht. Respekt.

Bastian Schweinsteiger: Für den Kicker und Sarah Brandner der Mann des Jahres. Hach ja.

Fazit: Wolfsburg kann kommen. Bzw. daheim bleiben. Denn der FCB wird den VfL so nass machen, dass Steve McClaren selbst ein Ganzkörperkondom nicht hülfe. Mark my words.

Zum Bild: Bayerns Neuzugang Luiz Gustavo (rechts) leistet engagierten Widerstand gegen eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Webportal SPOX.

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