Vernichtende Logik

Es hätte zwar nicht der Aussagen eines islamischen Terroristen bedurft, um zu erkennen, warum auch das jüdische Chabad-Haus in Mumbai als Ort vernichtender Anschläge ausgewählt wurde. Schließlich hätte offensichtlicher nicht sein können, dass es den Mördern dort ausschließlich darum ging, Juden zu töten. Aber um den notorischen Zweiflern, Abwieglern und Verharmlosern jedweder Couleur sowie den Freunden und unerschütterlichen Verteidigern der selbst ernannten Religion des Friedens ihren Job so gründlich wie möglich zu versauen, ist das, was der 21-jährige Pakistaner Azam Amir Kasav der Times of India zufolge zu Protokoll gab, doch einigermaßen hilfreich: Man habe die israelischen „Gräueltaten“ gegen die Palästinenser „rächen“ wollen, erklärte Kasav im Verhör, und deshalb als malaysische Studenten getarnte „Kämpfer“ in das Gästehaus des jüdischen Zentrums eingemietet, um es erst auszukundschaften und dann zur Tat zu schreiten.

Es folgte ein neunfacher Mord; sechs Leichen sind bislang identifiziert. Es handelt sich um Rabbi Gavriel Holtzberg (den Leiter des Chabad-Hauses), seine Frau Rivka, Rabbi Aryeh Leibish Teitelbaum (den Kashrut-Prüfer des Zentrums), seinen Assistenten Bentzion Chroman, Yocheved Orpaz (eine Touristin aus Givatayim bei Tel Aviv) sowie Norma Shvarzblat Rabinovich, die aus Mexiko stammte und gerade nach Israel reisen wollte, um dort den 18. Geburtstag ihres Sohnes zu feiern und sich anschließend einbürgern zu lassen. Vor ihrer Ermordung wurden die Opfer von den Terroristen bestialisch gefoltert. Der zweijährige Sohn der Holtzbergs überlebte, weil ihn das Kindermädchen des ermordeten Paares, Sandra Samuel, wie durch ein Wunder an den Mördern vorbei aus dem Haus bringen konnte.

Die israelische Außenministerin Tzipi Livni fand treffende Worte für das, was sich in Mumbai zugetragen hatte: „Die Ereignisse der letzten Tage in Indien beweisen abermals, dass Extremisten danach trachten, anderen ihre Rechte zu nehmen, und nicht danach, Rechte für sich selbst zu gewinnen. Ihr Ziel war es, denjenigen Schaden zuzufügen, die die freie Welt repräsentieren, und sie trafen ein Symbol des Judentums. Israel und das jüdische Volk haben erneut einen schweren Preis gezahlt.“ Und in der israelischen Tageszeitung Haaretz kommentierte Amos Harel: „Dass global agierende djihadistische Organisationen Israelis und Juden ins Visier nehmen, ist nicht neu. Nun ist darüber hinaus klar, dass die Islamisten auch dann Israelis und Juden zu Zielen ihres Terrors machen, wenn der Hintergrund ihrer Angriffe ersichtlich ein regionaler Konflikt (in diesem Fall zwischen Indien und Pakistan) ohne Verbindung zu uns ist.“

Noch einmal: Offenkundiger antisemitisch motiviert als die Mordorgie im Chabad-Haus kann ein Terrorangriff kaum sein. Die Opfer eint ausschließlich, dass sie Juden waren – und damit in den Augen ihrer islamischen Mörder qua Sippenhaftung verantwortlich für alles, was Israel tut und lässt. Also traf es den antizionistischen Rabbi Teitelbaum, der den jüdischen Staat dezidiert ablehnte, genauso wie eine israelische Touristin oder eine mexikanische Jüdin. Es ist dies die gleiche antisemitische Logik, durch die auch die suicide attacks in Bussen, Cafés und Supermärkten, die Angriffe der Hamas mit Kassam- und der Hizbollah mit Katjuscha-Raketen sowie die Vernichtungsdrohungen des iranischen Mullah-Regimes Israel gegenüber gekennzeichnet sind. Und keine noch so – angeblich oder tatsächlich – missliche Lebenslage von Muslimen, keine einzige wie auch immer geartete Handlung des jüdischen Staates taugt da im Entferntesten zur Rechtfertigung oder auch nur zur Erklärung. Die Mordbrennerei von Mumbai hat das eindrücklich gezeigt – zum wiederholten Male.

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