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Er stand seit Mitte der achtziger Jahre in den Fahndungsbüchern diverser Geheimdienste, allen voran in denen des Mossad und der CIA. Nach dem 11. September 2001 setzten ihn die USA auf die Liste der meistgesuchten Männer. Ihm wird eine Beteiligung an ungezählten Morden, Anschlägen und Entführungen zugeschrieben, und er war das wohl wichtigste Scharnier zwischen der Hizbollah und dem Iran. Die Bezeichnung „Top-Terrorist“ verdiente er wie kaum ein Zweiter. Wo er sich aufhielt, blieb allerdings stets ein Rätsel. Nun hat die Suche nach Imad Fayez Mugniyah ein Ende: Am Dienstag wurde er in der syrischen Hauptstadt Damaskus von einer Autobombe getötet.

Für die Hizbollah war erwartungsgemäß sofort klar, dass Mugniyah (Foto) „von der Hand zionistischer Israelis zum Märtyrer“ gemacht wurde, weshalb die Terrortruppe sofort ihren obligatorischen Racheschwur folgen ließ. Doch die israelische Regierung dementiert, für das vorzeitige Ableben des 45-Jährigen verantwortlich zu sein. Gleichwohl ist die Erleichterung im jüdischen Staat wie auch in den USA groß: Danny Yatom etwa, ehemaliger Leiter des israelischen Geheimdienstes Mossad, bezeichnete die Tötung Mugniyahs als „großen Erfolg der freien Welt in ihrem Kampf gegen den Terror“ und als „ernsten Schlag für die Hizbollah“. Wer auch immer Mugniyahs Beseitigung organisiert habe, habe jedenfalls gezeigt, dass er „operativ sehr gut aufgestellt“ sei. Und Sean McCormack, Sprecher des US-Innenministeriums, befand bündig: „Er war ein kaltblütiger Killer, ein Massenmörder und Terrorist, der unzählige Unschuldige das Leben gekostet hat.“

Wahre Worte, denn Imad Fayez Mugniyah führte im Wortsinn ein Leben für den Terror. Seine diesbezügliche Karriere begann er wahrscheinlich in Yassir Arafats Leibgarde, bevor er zu einer der entscheidenden Figuren bei der Hizbollah wurde und maßgeblich an deren Ausbau zur internationalen Terrororganisation beteiligt war. „Seine offizielle Rolle dort ist unklar“, schrieb Dan Darling im FrontPage Magazine, „verschiedene Quellen beschreiben ihn als Kopf der Sicherheitsabteilung der Hizbollah, als Mitglied des Djihad-Rates der Gruppe, als Chef ihres Geheimapparats oder als Verantwortlicher für externe Operationen“. Möglicherweise habe er sogar sämtliche dieser Funktionen bekleidet, „aber eines ist klar: Mugniyah war das Herz aller bedeutsamen Terrorangriffe der Hizbollah in den letzten 25 Jahren“. Er war gewissermaßen ihr Architekt, Koordinator und Spezialist. Und er unterhielt allerbeste Beziehungen zu den Mullahs, deren besondere Protektion er genoss; er bildete sozusagen das Scharnier zwischen ihnen und der Gotteskriegerpartei im Libanon. Noch im Januar traf er sich mit Mahmud Ahmadinedjad in Damaskus.

Die Liste der Morde, Anschläge und Entführungen, für die Mugniyah verantwortlich gemacht wird, ist schier endlos. Sie umfasst unter anderem die Bombenanschläge auf die amerikanische Botschaft im Libanon 1983 (63 Tote), auf ein Camp der US-Marines in Beirut im Oktober 1983 (über 200 Tote), auf die israelische Botschaft in Argentinien 1992 (29 Tote), auf ein jüdisches Kulturzentrum in Buenos Aires 1994 (95 Tote) und auf die Türme der saudischen Stadt Khobar 1996 (20 Tote). Zudem wird Mugniyah die Verantwortlichkeit für die Entführung zahlreicher Bürger westlicher Staaten in den achtziger Jahren, einer Maschine der Trans World Airlines (TWA) auf dem Weg von Athen nach Rom 1985 (inklusive der bestialischen Ermordung des US-Navy-Angehörigen Robert Stethem), der israelischen Soldaten Benny Avraham, Adi Avitan und Omar Souad im Südlibanon sowie des IDF-Colonels Elchanan Tennenbaum im Jahr 2000 und der IDF-Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser am 12. Juli 2006 zugeschrieben. Nach dem 11. September 2001 setzten ihn die USA auf die Liste der meistgesuchten Männer und schrieben eine Prämie von fünf Millionen Dollar für Informationen aus, die zu seiner Ergreifung führen.

Doch Imad Fayez Mugniyah schien fast fünfundzwanzig Jahre lang unauffindbar, zumal er ständig sowohl sein Äußeres als auch seinen Aufenthaltsort wechselte. Bis er am vergangenen Dienstag durch eine Autobombe in Damaskus doch noch zur Strecke gebracht wurde. „Es wird lange dauern, bis die Hizbollah einen Erben finden wird“, umriss Ex-Mossad-Chef Danny Yatom die unschätzbare Bedeutung dieser Operation. Denn Mugniyah ist für Nasrallahs Bande vorerst unersetzlich, und hinzu kommt, dass sein Ende den Gotteskriegern ihre Verwundbarkeit an einer entscheidenden Stelle gezeigt hat: „Wer ihn töten kann, kann jeden innerhalb der Hizbollah töten“, urteilte Yatom. Das wird diese zwar nicht von der Planung und Durchführung weiterer Terrorattacken abhalten, aber ihr fehlt nun ein strategisch und operativ ausgesprochen wichtiger Kopf. Und auch den Iran dürfte der Verlust nicht unwesentlich schmerzen. Das sind zweifellos gute Nachrichten, die Sean McCormack trefflich auf den Punkt brachte: „Die Welt ist ein besserer Ort ohne diesen Mann.“

Hattips: Franklin D. Rosenfeld, Wind in the Wires

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