Fußbollah

Ein sardisches Freizeit-Fußballteam hat bei der Gestaltung seines neuen Mannschaftsnamens einen ganz besonderen Einfallsreichtum an den Tag gelegt: Es heißt nun „Zassbollah“ – und vereint damit den Namen seines Kapitäns mit dem der Terrororganisation Hizbollah. Zur Begründung für diesen bizarren Schritt hieß es, man sei „vom starken Kampf- und Widerstandsgeist beeinflusst worden“, der Nasrallahs Truppe auszeichne. Mit einer politischen Positionierung habe diese Idee gleichwohl rein gar nichts zu tun, versicherte ein Spieler der Elf. Doch der Propagandasender der vom Iran gesteuerten Islamistenpartei feiert die Kicker als Helden.

Hobby- und Thekenmannschaften sind bei der Wahl ihres Teamnamens zumeist verzweifelt bemüht, den Beweis dafür anzutreten, dass sie jenseits des Fußballplatzes kreativer sind als auf ihm und deshalb besser dichten als kicken können. Das gelingt ihnen allerdings nur selten, und daher bringt die Ideensuche oft wenig originelle Konstruktionen hervor – wie hierzulande etwa „Juventus Urin“, „Rektal Madrid“ oder „Glasbier Rangers“. Doch auch andernorts ist man in dieser Hinsicht nicht übermäßig innovativ: Die Teams etwa, die auf Sardinien alljährlich den Carioca Cup ausspielen, heißen beispielsweise „Spartak Nelo“, „Infiammibili“ und „Atletico Anglo Sarda“ – oder neuerdings auch „Zassbollah“. Genau so nennt sich nämlich eine Truppe, die schon seit 15 Jahren an diesem Turnier teilnimmt und dabei alljährlich ihren Namen ändert. Zuletzt firmierte sie unter „Zasso“ – so heißt ihr Mannschaftskapitän –, bevor sie kürzlich den Namen der Gotteskriegerpartei Hizbollah hinzufügte und die beiden Bestandteile zu „Zassbollah“ verschmolz. Auf dem neuen Trikot prangt jetzt folgerichtig auch das Logo der islamistischen Vereinigung.

Wie die Feierabend-Squadra auf diesen Einfall kam, erläuterte ihr Spieler Davide Volponi (Foto) in einem Interview* mit dem libanesischen Fernsehsender Al-Manar, der vor allem für seine Hizbollah-Propaganda bekannt ist: „Die Idee, das Team ‚Zassbollah’ zu nennen, rührte von der Situation im Libanon her. Wir haben diesen Namen nicht als Ausdruck irgendeiner politischen Position gewählt, sondern weil wir vom starken Kampf- und Widerstandsgeist [der Hizbollah] beeinflusst worden sind. Deshalb ist das keine politische Angelegenheit, denn wir beobachten die Dinge ja nur aus der Distanz. Aber auf dem Platz müssen wir Widerstand aufbauen und die Gegner bekämpfen.“ Und da ist Nasrallahs Terrorbande natürlich in der Tat ein nachgerade leuchtendes Vorbild. Al-Manar freute sich denn auch über die unerwartete Solidarisierung: „Am vergangenen Samstagmittag erzielte der Widerstand der Hizbollah – wenn auch in einer anderen Sprache und auf andere Weise – im Amiscoara-Stadion auf Sardinien einen weiteren Treffer ins Netz derjenigen, die an seiner Moral zweifeln. Dieser Widerstand ist zu einer Quelle der Inspiration für Fußballspieler geworden, bewundert von Millionen auf der ganzen Welt.“

Die Hobbyteams, die gegen „Zassbollah“ antreten müssen, könnten diesem Team natürlich fürderhin durch einen geschlossenen Boykott zeigen, was sie von der bizarren Idee halten, einer Judenmördertruppe zu huldigen. Aber so viel Konsequenz ist wohl kaum zu erwarten. Und so darf man gespannt sein, wie Zasso, Volponi und Kameraden ihre Freizeitelf nächstes Jahr taufen, wenn wieder die turnusmäßige Namensänderung ansteht. Vielleicht würdigt man dann ja einen bekannten Israelhasser, der sich vorgestern mit führenden Hizbollah-Funktionären im Südlibanon traf, für seinen unbändigen Kampfeswillen und nennt sich „Forza Finkelstein“. Der Namenspatron hätte jedenfalls gewiss nichts dagegen.

* Die Transkription stammt von Memri; dort ist der Beitrag auch als Videoclip zu sehen.
Übersetzungen: Lizas Welt – Hattips: barbarashm, Karl Pfeifer, Wind in the Wires

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