Know your enemy

Man kann nicht sagen, dass Mahmud Ahmadinedjad auf seine Reise nach New York schlecht vorbereitet war. Sein Auftritt bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen ist für ihn ohnehin schon Routine; zudem lässt sich schwerlich behaupten, dass er die Columbia University als Verlierer verlassen hat, und das nicht nur deshalb, weil die Tickets für seine Rede das Preisniveau eines Konzertes von Bruce Springsteen erreichten oder die versammelten Studenten ihn gleich einundzwanzigmal beklatschten. Ganz zum Schluss seines Trips war der iranische Regimeführer dann allerdings doch noch sprachlos: Karnit Goldwasser, die Ehefrau des von der Hizbollah am 12. Juli letzten Jahres entführten Ehud Goldwasser, hatte Ahmadinedjad bei einer Pressekonferenz im UN-Gebäude eine Frage gestellt. Und die ließ er unbeantwortet.

„Während der Fragerunde hatten wir mehr als einmal Blickkontakt“, sagte Goldwasser der israelischen Tageszeitung Yediot Ahronot. „Sein Gesichtsausdruck veränderte sich ab dem Moment, in dem er realisierte, wer ihn da anguckt und was ich von ihm will.“ Bis dahin hatte er sein obligatorisches gefrorenes Grinsen präsentiert – er wusste, dass er nicht als Diktator, sondern vielmehr als Star behandelt werden würde. Karnit Goldwasser hingegen war überrascht von der freundlichen Behandlung, die die versammelten Journalisten Ahmadinedjad angedeihen ließen: „Er kam herein und lächelte jeden an. Die Reporter zollten ihm großen Respekt. Als er an mir vorüberging, begrüßte er mich, weil er immer noch nicht wusste, wer ich bin. Er dachte, dass ich zu den Journalisten gehöre, die ihn unterstützen, und dass er einen Raum betritt, in dem ihn jeder liebt. Er sah sehr erfreut aus.“

Das änderte sich jedoch, als Goldwasser an der Reihe war und sich direkt an Ahmadinedjad wandte: „Hallo, mein Name ist Karnit. Ich bin die Ehefrau von Ehud Goldwasser, des Soldaten, der seit über einem Jahr gefangen gehalten wird. Ich frage Sie als den Mann, der hinter der Entführung steht, weil Sie die Hizbollah unterstützen: Warum erlauben Sie dem Roten Kreuz nicht, die beiden Soldaten zu besuchen?“ Der Angesprochene ignorierte die Frage einfach und ging zur nächsten über. Karnit Goldwasser wurde schließlich mit der Begründung, sie habe keinen geeigneten Presseausweis, vom Sicherheitspersonal aus dem Raum gebracht; zum Verteilen von Informationen über die drei entführten IDF-Soldaten an die anderen Journalisten kam sie nicht mehr. Dennoch war sie nicht unzufrieden: „Jetzt weiß er, dass auch die Frau eines gekidnappten Soldaten an ihn herankommt. Er weiß, dass er uns nicht einschüchtern kann.“

Hierzulande hat von Goldwassers bemerkenswerter Aktion übrigens kaum jemand Notiz genommen. Und deshalb gab es auch keine Diskussion darüber, was man eigentlich von Journalisten zu halten hat, die es zulassen, dass eine vom islamistischen Terror unmittelbar Betroffene – nach einer nur allzu berechtigten Frage an einen Hauptverantwortlichen für eben diesen Terror – des Saales verwiesen wird. Aber das setzte eine gewisse Empathiefähigkeit voraus. Und an der fehlt es gewohnheitsmäßig immer dann, wenn es um Juden geht.

Video: Karnit Goldwassers Frage an Mahmud Ahmadinedjad (Channel 2)
Übersetzungen: Lizas Welt – Hattips: Samuel Laster, Spirit of Entebbe

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