Djihad als Hauptfach

Wer Menschen indoktrinieren will, beginnt damit am besten, solange sie noch klein sind. Und wenn es ein Staat ist, der diese Indoktrination übernimmt, wird man die entsprechende Propaganda bereits im Kindergarten und anschließend in der Schule finden. Bereits vor einigen Jahren gab es heftige Kritik an Lehrbüchern, für die die Europäische Union Gelder gab und mit denen palästinensische Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden: Sie verbreiten antisemitische Klischees – etwa indem „Profitgier“ und „Illoyalität“ als Merkmale der Juden bezeichnet werden – und negieren die Existenz Israels, das auf Landkarten dementsprechend gar nicht erst verzeichnet ist.

Lange Zeit handelte es sich dabei um Material, das aus Ägypten und Jordanien stammte, doch auch die neuen Bücher sind nicht besser. Zwar werden nun manche antijüdische Anfeindungen vermieden, doch auch im aktuellen Unterrichtsmaterial geht es um den „wirtschaftlichen Einfluss“, die „Intriganz“ und die „Gerissenheit“ der Juden. Und damit ist das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht.

Auf die Problematik aufmerksam gemacht hatte zuerst das Center for Monitoring the Impact of Peace (CMIP), eine Nichtregierungsorganisation, mit einer kritischen Studie über die in den palästinensischen Gebieten benutzten Schulbücher. Das CMIP trat nun mit einem neuen Report an die Öffentlichkeit, der sich diesmal mit den iranischen Lehrplänen und -materialien beschäftigt. Seine Ergebnisse sind nicht weniger alarmierend – im Gegenteil. Mehr dazu weiß Karl Pfeifer.

Karl Pfeifer

Menschenverachtende iranische Schulbücher

Genau zu der Zeit, als die Konferenz der Holocaustleugner in Teheran stattfand, besuchte Alaeddin Broujerdi, Vorsitzender des Ausschusses für nationale Sicherheit und Außenpolitik des Islamischen Rats der Republik Iran, das österreichische Parlament, wo er vom Außenpolitischen Ausschuss des Nationalrates unter der Leitung von Caspar Einem empfangen wurde. Der Holocaust ist nach Meinung Brojerdis „ein wirklich beachtliches Ereignis der Geschichte“, und er wolle Rassismus und Antisemitismus deshalb auf das Schärfste verurteilen. Der Abgeordnete Reinhold Lopatka (ÖVP) stellte in Richtung des iranischen Gastes klar, der Holocaust sei „keine Glaubensfrage“, und die Faktenlage sei bei diesem singulären historischen Ereignis so eindeutig, „dass wir das ganz anders sehen als Sie“. Schließlich merkte der außenpolitische Sprecher der ÖVP noch an, dass Modalitäten zur Aufnahme von Gesprächen zwischen der EU und dem Iran in Bezug auf Menschenrechtsfragen vereinbart worden seien, dieser Dialog bis heute aber nicht stattfinde.

Sollte der Iran bereit sein, ein solches Gespräch zu führen, dann könnte sich die EU – wenn nicht dort gerade die Beschwichtigungspolitiker Rücksichtl und Hinsichtl das Sagen hätten – einmal mit den iranischen Schulbüchern beschäftigen. Das wäre eigentlich auch ein Thema für die Menschenrechtskommission der Uno, ja für deren Sicherheitsrat. Als Unterlage könnte der am 1. Februar dieses Jahres im Wiener Pressklub Concordia den Medien präsentierte Bericht des Center for Monitoring the Impact of Peace (CMIP) über „Die Haltung gegenüber dem ‚Anderen’ und gegenüber dem Frieden in iranischen Schulbüchern und Lehrplänen“ dienen. Arnon Groiss, der diesen Bericht für das CMIP verfasste, hatte 115 iranische Schulbücher und Lehrpläne aller Klassenstufen überprüft und war über deren Inhalt schockiert. Hier nur ein kurzer Auszug aus dem Bericht, der von der Website des Zentrums heruntergeladen werden kann.

Kriegslehrplan

Das iranische Schulsystem bereitet seine Schüler auf einen globalen Krieg gegen den Westen im Namen des Islams vor. Obwohl sämtliche Schulbücher und ein Großteil der Lehrpläne unter dem als gemäßigt geltenden früheren Präsidenten Mohammed Khatami veröffentlicht wurden, spiegeln sie alle die Lehren des Ayatollah Khomeini, Gründer des revolutionären Irans, wider. Nach Khomeinis Überzeugung sollten Moslems – und die unterdrückten Nationen im Allgemeinen – einen globalen Krieg auf Leben und Tod gegen die ungläubigen Unterdrücker, insbesondere die USA, führen:

„Oh, Moslems aller Länder dieser Welt! Weil ihr unter ausländischer Herrschaft einen langsamen Tod erleidet, sollt ihr die Furcht vor dem Tod überwinden, und euch der leidenschaftlichen Jugend bedienen, die den Märtyrertod sucht, die bereit ist, die Grenzen der Ungläubigkeit zu durchbrechen. Denkt nicht daran, den Status Quo beizubehalten. Sondern denkt an ein Entkommen aus der Gefangenschaft, die Befreiung aus der Sklaverei und den Angriff gegen die Feinde des Islam. Kampf bedeutet Ruhm und Leben, und der erste Schritt im Kampf ist [die Existenz von] Wille. Dann folgt die Entscheidung, dass du dir selbst die [Ergebenheit in die] Vorherrschaft der Ungläubigkeit und des Polytheismus in der Welt verbietest, insbesondere die Amerikas.“

„Entweder schütteln wir einander die Hand in der Freude über den Sieg des Islams über die Welt, oder wir werden alle in ein ewiges Leben und in den Märtyrertod übergehen. In beiden Fällen sind Sieg und Erfolg unser.“

„Wir sind die ewig Unterdrückten der Geschichte. Beraubt und barfuß haben wir niemanden außer Gott. Selbst wenn wir tausend Mal zerstückelt werden, werden wir nicht aufhören, gegen die Unterdrücker zu kämpfen.“ (Imam Khomeini, Islamischer Standpunkt, 11. Klasse, 2004, S. 29)

In Khomeinis Sichtweise ist der Iran dazu bestimmt, den weltweiten Kampf gegen die Unterdrücker im Namen des Islams anzuführen. Diese Rolle ist fester Bestandteil der Islamischen Revolution, und der Sieg über die Unterdrücker werde auch der Sieg des Islams in dieser Welt sein. Demzufolge solle die iranische Bildung darauf abzielen, die Schüler auf die Teilnahme am Krieg vorzubereiten, wie es in der Einleitung eines der Bücher dargestellt wird:

„Während der acht Jahre der Heiligen Verteidigung [im Krieg mit dem Irak 1980-88, K.P.] wurden mehr als 500.000 Schüler an die Front geschickt. 36.000 Märtyrer, Tausende im Kampf Vermisste, Invaliden und Befreite [Kriegsgefangene] dieser Einheit wurden der Islamischen Revolution geopfert.“ (Bereitschaft zur Verteidigung, 10. Klasse, 2004, S. 9f.)

Die Haltung gegenüber Amerika und dem Westen

Die Studie des CMIP konzentrierte sich auf zwei wesentliche Themen, nämlich die Haltung gegenüber dem „Anderen“ und die Haltung gegenüber dem Frieden. Es wird in iranischen Schulbüchern auf zahlreiche „Andere” hingewiesen – religiöse und ethnische, innerhalb und außerhalb des Irans, in geschichtlichem und aktuellem Kontext. Doch zwei bestimmten „Anderen“ – den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Westen im Allgemeinen sowie dem jüdisch-zionistisch-israelischen „Anderen“ – wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Amerika ist der „Große Satan“, der „Weltverschlinger“, der „Überhebliche“, kurz: das Ziel der Indoktrination zum Hass:

„Das Herz der Schüler soll vor Hass auf Überheblichkeit überquellen.“ (Bereitschaft zur Verteidigung 1 – Richtlinien für Lehrer, Oberschulklassen, 2002, S. 3)

Die Einstellung zu Israel und den Juden

Das Material, das von Israel, Zionismus und den Juden handelt, ist weniger umfangreich als das über den Westen. Dieses macht etwa vierzig Prozent des gesamten, im Report zitierten Stoffes aus. Dennoch hat es etwa den gleichen Umfang wie das gesamte Material, das von den restlichen „Anderen“ handelt – im und um Iran, in der Gegenwart und der Vergangenheit. Mit anderen Worten: Israel zieht bei den iranischen Bildungsbeauftragten – und konsequenterweise bei den iranischen Schülern – mehr Aufmerksamkeit auf sich als etwa Saddams Irak. Die Juden werden hauptsächlich im Zusammenhang mit ihrer Beziehung zum islamischen Propheten in Arabien genannt, wo sie negativ dargestellt werden:

„Nach einiger Zeit kamen die Ausflüchte, die Feindschaft und der Verrat der Juden ans Licht.“ (Geschichte des Iran und der Welt, 10. Klasse, 2004, S. 109)

Zionismus wird als eine Idee beschrieben, „die auf der Gründung eines größeren Heimatlandes der Juden und der Herrschaft dieser ethnischen Gruppe über die Welt basiert“ (Sozialstudien [Geisteswissenschaften], 12. Klasse, 2004, S. 41) – dies erinnert an antisemitische Texte wie die Protokolle der Weisen von Zion. Israel, das in keiner Weise anerkannt wird und auf keiner Landkarte erscheint, wird als Gefahr für die gesamte islamische Welt und als ein Werkzeug in den Händen des Feindes – Amerika nämlich – dargestellt:

„Ein weiteres Problem [dem sich muslimische Länder ausgesetzt sehen] ist das Regime, das Jerusalem (Israel) besetzt, das in dieser Region als eine Basis für Amerika und andere aggressive Mächte geschaffen wurde mit dem Ziel, die muslimischen Länder zu übernehmen.“ (Geographie [Geisteswissenschaften], 11. Klasse, 2004, S. 25)

Weiterhin wird Israel als Eindringling, Besetzer der heiligen Stätten der Moslems, Unterdrücker der Palästinenser und Mörder von palästinensischen Kindern dämonisiert:

„Damals hat der israelische Offizier den Kopf des [dreijährigen] Muhammad mit dem Griff seines Gewehrs eingeschlagen, und sein warmes Blut rann über Khaleds Hände [sein sechsjähriger Bruder].“ (Persisch: Wir wollen lesen, 3. Klasse, 2004, S. 113)

Israel wurde von Ayatollah Khomeini immer als direkter Feind des Irans dargestellt, so auch in einer seiner Ansprachen 1963 nach dem Massaker von Studenten des religiösen College Feyziyeh in Qom durch Sicherheitskräfte des Schahs:

„Israel will nicht, dass es einen Koran in diesem Staat gibt [Iran]. Israel will nicht, dass es muslimische Geistliche in diesem Staat gibt. Israel will nicht, dass es islamische Gesetze in diesem Staat gibt. Israel will nicht, das es Gelehrte in diesem Staat gibt. Israel hat das Feyziyeh [religiöse] College durch die Hände seiner Agenten zertrümmern lassen. Es zerschlägt uns. Es zerschlägt dich, das Volk. Es will unsere Wirtschaft übernehmen. Es will deinen Handel und deine Landwirtschaft zerstören. Es will von deinem Vermögen Besitz ergreifen. Israel will, dass diese Dinge, die es behindern – diese Dinge, die eine Hürde auf seinem Weg sind – durch die Hände seiner Agenten beseitigt werden.“ (Geschichte, 8. Klasse, 2004, S. 76)

Initiative Djihad

„Der Islam hat nie den Auftrag erteilt, [in den] Djihad zu gehen und zu kämpfen, um [für den Zweck] Staaten zu erobern, Land wegzunehmen, Menschen auszubeuten und Glauben und Kulturen zu unterdrücken. Aber wenn die Völker ungebildet sind, in Armut und Unterdrückung leben, und die Unterdrücker und Überheblichen die Früchte ihrer Arbeit plündern – in dieser Situation kennt die Armee des Islam ihre Pflicht, nämlich den Unterdrückten zu helfen und sie aus den Klauen der Überheblichen zu retten.“

„Wenn die Überheblichen den Weg zur Predigt und Vernunft versperren und Führung und Predigt verhindern, wird der Befehl zum Djihad nach dem Ermessen des Propheten oder Imams oder des muslimischen Führers erteilt, damit die Armee des Islams die Überheblichen, in einem heiligen Djihad und unter schwerem Angriff, zu Fall bringt und den Weg für Predigt und Erleuchtung der Menschen und ihrer Erlösung bereitet. Die Initiative Djihad ist dann eine Form der Verteidigung, Verteidigung der Rechte der benachteiligten Menschen, Verteidigung der Ehre der Menschen und Verteidigung der Rechte der Unterdrückten.“ (Islamische Kultur und religiöse Anleitung, 8. Klasse, 2004, S. 69f.)

Hinsichtlich des Märtyrertodes wurde ein neues Ideal entdeckt – das kollektive Sterben. Krieg sei unvermeidlich und selbst ein Teil der Islamischen Revolution:

„Jetzt, um die Islamische Revolution fortzuführen, ist es unsere Pflicht, unsere Revolution mit all [unserer] Kraft gegen die Überheblichen und die Unterdrücker fortzusetzen.“ (Islamische Kultur und religiöse Anleitung, 7. Klasse, 2004, S. 29)

Was Israel und seine jüdischen Einwohner angeht, werden Bilder von Säuberung und Müllbeseitigung herangezogen. In einer Bildergeschichte für Schüler der dritten Klasse beispielsweise werden die Bewohner einer ordentlichen, sauberen Stadt von einer abscheulichen Kreatur vertrieben, die Abfall entlang ihres Weges verteilt (Bilder links und unten). In einem der Bilder ist das jüdische Symbol des Davidsterns als Teil des Abfalls zu erkennen. In zwei anderen Bildern ist der Davidstern über den rechten Arm der Kreatur gezogen (Himmelsgeschenke – Arbeitsbuch, 3. Klasse, 2004, S. 13ff.). Soweit der Bericht.

Interessant war die iranische Reaktion auf diese Studie. An der Wiener Pressekonferenz nahmen mehrere junge iranische Frauen teil; eine stellte sich als Mitarbeiterin der iranischen Nachrichtenagentur IRNA vor. Sie und eine andere Iranerin versuchten, den Bericht mit unpassenden Vergleichen zu entwerten. Der langatmige Beitrag der IRNA-Mitarbeiterin erinnerte dabei an eine Anekdote, die man häufig erzählte, als es noch die Sowjetunion gab: 1943 besuchte eine Delegation amerikanischer Luftwaffenoffiziere einen sowjetischen Flugplatz. Als sie eine Reihe von amerikanischen Flugzeugen sahen, deren Motor entfernt wurde, fragten sie, warum dies geschieht. Die sowjetischen Betreuer antworteten darauf: „Und was geschieht mit den Negern in den USA?“

Die IRNA-Mitarbeiterin verglich tatsächlich die Erziehung von Kindern zum Märtyrertum mit dem Widerstand gegen die Nationalsozialisten und meinte, dass doch auch die Pädagogen der Evangelikalen und Neokonservativen in den USA Hass verbreiteten. Eine andere Iranerin versuchte es mit semantischen Spitzfindigkeiten, etwa der, dass Aufrufe an die Kinder, sich auf den Selbstmordterror vorzubereiten, ja nur „metaphorisch“ gemeint seien. Ein Journalist des Kurier fragte, ob denn der Holocaust in den Schulbüchern überhaupt erwähnt werde – was durchweg nicht der Fall ist, obwohl in den Geschichtsbüchern der Zweite Weltkrieg behandelt wird. Johanan Manor, Vorsitzender des CMIP, erläuterte, was die Nichtbehandlung dieses zentralen Verbrechens des Naziregimes bedeutet.

Barbara Ladinser vom ORF wiederum wollte wissen, wie diese Schulbücher auf die iranische Gesellschaft wirkten. Sie erhielt die Antwort, dass die totalitäre Indoktrination von Jugendlichen in Berlin und Moskau, die aus wohlhabenden gebildeten Familien kommen, zuweilen mit Skepsis aufgenommen wurden und dass dies natürlich auch in Teheran und vielleicht auch in Tabris der Fall sei – wo sich an den Universitäten sich schon einige Male Widerstand gegen den gegenwärtigen Präsidenten formierte –, dass sich aber für die große Mehrheit eine solche Propaganda verheerend auswirke.

Ob und wie über diese Studie im österreichischen Rundfunk und im Fernsehen berichtet wurde, ist mir nicht bekannt; sicher ist jedoch: Politisch korrekte Journalisten, die dem Kulturrelativismus huldigen, kehren aus dem Iran zurück und haben in der Regel außer einer leisen Kritik an Kopftuchzwang und Ähnlichem nichts Negatives bemerkt. Von Steinigungen tatsächlicher und vermeintlicher Ehebrecherinnen und Ehebrecher, von der Verfolgung der Bahai und der blutigen Unterdrückung von ethnischen Minderheiten hört man in unseren Medien ganz wenig. Johanan Manor machte die Zuhörer darauf aufmerksam, dass die heutige iranische Führung keineswegs einheitlich sei, sondern mehrere Strömungen aufweise, und dass – was das Wichtigste ist – die sunnitischen arabischen Staaten die Entwicklungen im Iran mit Sorge betrachteten.

Abschließende Bemerkungen

Die iranischen Schulbücher bieten ein Beispiel für einen Lehrplan des Hasses und lassen ein Bildungssystem erkennen, das Schulkinder auf den Märtyrertod sowie den Krieg gegen den Westen im Allgemeinen und gegen die Vereinigten Staaten und Israel im Besonderen vorbereitet. Die Fortführung dieser Denkweise und Indoktrination innerhalb dieses Systems – die unter der Präsidentschaft von Mahmud Ahmadinedjad beinahe sicher scheint – sollte alle Menschen und Regierungen alarmieren, die an die Prinzipien von Frieden und internationaler Kooperation glauben. Es ist zu hoffen, dass die Staaten der EU nicht wegen kurzfristiger ökonomischen Interessen auf Prinzipien des Friedens und der Menschenrechte verzichten.

Doch gelegentlich bringt man sogar Verständnis für die Holocaustleugnung auf, etwa wenn ein österreichischer Nahostexperte des Österreichischen Instituts für Internationale Politik (OIIP) erklärt, den „Muslimen und Arabern“ gehe es dabei „primär um eine Ent-Legitimierung des Staates Israel“. Wundern darf man sich darüber nicht. Die Tatsache, dass in Teheran unter der Ägide des iranischen Staates eine Konferenz von Holocaustleugnern stattfand, hinderte das OIIP schließlich nicht daran, kurze Zeit später gemeinsam mit der iranischen Botschaft eine Veranstaltung unter dem Titel „Peaceful Nuclear Policy and Activities of the Islamic Republic of Iran“ abzuhalten, auf der der iranische Botschafter die Gelegenheit erhielt, der Welt die atomare Friedensliebe seines Landes zu verkünden. Professor Bernd Marin protestierte daraufhin beim Institut und erhielt die Auskunft, man wolle schließlich nicht den Holocaust in Zweifel ziehen. Er antwortete schließlich unter anderem:

„Bin ja schon beruhigt – warum eigentlich? –, dass man bei der Veranstaltung nicht über den Holocaust diskutieren will – warum eigentlich nicht? –, sondern nur über Irans Beteuerungen, keinen nuklearen Holocaust anzustreben. Auch mit Hitler gab es ja sehr interessante Debatten über seine ständig beteuerten Friedensabsichten, und viele damals, die ihnen keinen Glauben schenkten, wurden als ‚Kriegshetzer’ gebrandmarkt – mit den bekannten Resultaten. Und trotz oft allzu billiger Dämonisierung unliebsamer Tyrannen als ‚neuer Hitler’: Noch nie seit Hitler hat ein Staatschef so offen und unverhüllt dem jüdischen Volk in Israel mit Vernichtung gedroht. Ob man darüber als renommiertes Institut ‚in guter nationaler wie internationaler Gesellschaft’ in aller Ruhe diskutieren kann, wage ich weiterhin zu bezweifeln.“ (Der Standard, Print-Ausgabe, 8. Januar 2007)

Das Österreichische Institut für Internationale Politik führte die Veranstaltung trotz Protesten durch. In einem Land, dessen Politiker – für das Versprechen guter Geschäfte – vor ein paar Jahren iranische Mörder mit Polizeibegleitung bis zum Flugplatz in Schwechat hat bringen und anschließend ausfliegen lassen, darf man sich über nichts mehr wundern.

Bildlegende (von oben nach unten): (1) Offizielle Karte der Palästinensischen Autonomiebehörde. (2) Straßenszene mit Ayatollah, Teheran. (3) „Es ist auch für muslimische Frauen und Mädchen gut, die militärischen Künste und Pflichten zu lernen.“ Aus einem iranischen Religionsbuch für die 5. Klasse, 2004. (4) und (5) „Der Verschmutzer“. Antisemitische Bildergeschichte, Arbeitsbuch für die 3. Klasse, 2004 (für eine vergrößerte Ansicht aufs jeweilige Bild klicken). Quelle für die Bilder 3 bis 5: Studie des CMIP.

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