Hizbollywood?

Israel verteidigt sich gegen den antisemitischen Terror der Hizbollah und der Hamas. Um seines Überlebens willen muss es diesen Krieg gewinnen. Seine Feinde, die den jüdischen Staat lieber heute als morgen ausgelöscht haben würden, wissen um den existenziellen Charakter der jetzigen Situation. Und um ihrem Ziel näher zu kommen, setzen sie alle Mittel ein. Dazu gehören nicht nur Selbstmordattentäter und Katjuscha-Raketen, nicht nur Geiselhaft und menschliche Schutzschilde, sondern dazu gehört auch die Propaganda. Den Krieg der Bilder hat Israel bereits verloren, wie das Beispiel Kana anschaulich zeigt.

Denn was sich in dem libanesischen Ort am vergangenen Sonntag genau zutrug – das heißt: auf welche Weise dort zahlreiche Menschen starben, darunter nicht wenige Kinder –, ist längst noch nicht abschließend geklärt und wird es vielleicht auch nicht. Dennoch wurde das Urteil unmittelbar gesprochen: Israel ermordet kaltblütig unschuldige libanesische Zivilisten. Politiker zeigten sich „entsetzt“ vom „israelischen Angriff“, im Fernsehen liefen Sondersendungen mit chaotischen und dramatischen Bildern verzweifelter Menschen, und nicht wenige Kommentare in den Zeitungen waren eine Generalabrechnung mit Israel. Die Unschuldsvermutung und eine journalistische Sorgfaltspflicht – die in bürgerlichen Demokratien eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollten – mutierten zu unnötigem Ballast, wo sich die Gelegenheit bot, eine längst feststehende Überzeugung mit neuen Argumenten auszustatten.

Und so stellte kaum jemand Fragen, auch nicht, als es erste Ungereimtheiten gab, die die vermeintlich untrüglichen Beweise ins Wanken hätten bringen und an der scheinbaren Eindeutigkeit der Bilder aus Kana zumindest hätten zweifeln lassen müssen. Denn die israelische Luftwaffe gab an, zwischen dem Zeitpunkt ihres Angriffs auf das Haus, aus dem viele nur tot geborgen werden konnten, und der Explosion hätten sieben Stunden gelegen; zudem seien in dem Gebäude, von dem aus zuvor Raketen auf Israel abgeschossen worden waren, Waffen und Munition versteckt gewesen. Es könnte also eine israelische Rakete mit erheblicher Verspätung detoniert sein; möglich wäre jedoch auch, dass es Waffen der Hizbollah waren, die den Tod brachten. Man wird schon fragen dürfen, wie es eigentlich kommt, dass Menschen sich um halb acht Uhr morgens in einem Gebäude aufhalten, das um Mitternacht angegriffen wurde. Waren sie zu diesem Zeitpunkt schon dort? Wenn ja: Warum haben sie nicht da schon die Krankenwagen gerufen, die dann sieben Stunden später kamen – und mit der Evakuierung erst begannen, als die Kamerateams ebenfalls vor Ort waren? Und wieso hatten Rettungsmannschaften und Journalisten aus dem nahe gelegenen Tyre keine Probleme, binnen kürzester Zeit in Kana zu sein, während allenthalben beteuert wird, die libanesischen Bewohner könnten nicht fliehen, weil Israel Straßen und Brücken zerstört habe?

CNN berichtete, die Bergungsteams seien mit Kameras in das zerstörte Haus gegangen und hätten die Reporter energisch auf Distanz gehalten; das Monopol auf im getroffenen Gebäude produzierte Bilder lag also bei diesen Helfern, ohne dass das für die Journalisten Anlass gewesen wäre, Vorsicht bei ihrer Einschätzung walten zu lassen. Bei ihrer Arbeit außerhalb stellten die Rettungskräfte dann, wie im Internet zugängliche Videos zeigen, die Bahren immer wieder ab, damit die Fernsehjournalisten die Leichen filmen konnten. Einige der toten Kinder wirkten eigenartig starr und hatten eine nicht nur durch die Staubentwicklung erklärbare dunkelgraue Gesichtsfarbe, so, als ob sie nicht vor kurzem – oder um Mitternacht – gestorben wären, sondern bereits vor einiger Zeit. Die Helfer hingegen wirkten zu sauber dafür, dass sie im Schmutz der Trümmer nach Menschen gegraben hatten.

In den letzten Tagen machten darüber hinaus die Blogger von Confederate Yankee und EU Referendum auf sich aufmerksam, als sie Agenturbilder miteinander verglichen und unter anderem entdeckten, dass vor allem eine Rettungskraft – von ihnen „Green Helmet“ genannt* – zu teilweise mehrere Stunden auseinanderliegenden Zeitpunkten die immer gleichen toten Kinder auf den Armen oder in die Kameras hielt. Ein weiteres Indiz für eine Inszenierung der Hizbollah, der Grünhelm einer der Ihren? Es nähme nicht einmal Wunder, wäre dem so; die Terrororganisation hat oft genug unzweideutig klar gemacht, dass ihr an menschlichem Leben nichts liegt und dass sie für ihre Ziele alles einzusetzen bereit ist – dazu gehört auch eine gut geölte Propagandamaschinerie. So sieht es auch das täglich erscheinende Nachrichtenmagazin Israelinsider, das einen Ablauf der Ereignisse in Kana vermutet, der außerhalb Israels ganz offensichtlich undenkbar erscheint:

„Die Betrachter können selbst entscheiden. Aber die wachsenden Beweise legen eine andere Erklärung für das nahe, was in Kana passierte. Dieses Szenario wäre ein abgekartetes Spiel, in dem die Zeit zwischen der ursprünglichen israelischen Bombardierung in der Nähe des Gebäudes und den morgendlichen Berichten von seinem Einsturz genutzt worden wäre, um bereits in früheren Kämpfen Getötete einzuschleusen – Berichten der vergangenen Tage zufolge wird das benachbarte Tyre vorübergehend als Leichenschauhaus genutzt –, sie in den Keller zu bringen und dann eine ‚kontrollierte Zerstörung’ einzufädeln, um einen weiteren israelischen Angriff vorzutäuschen.“

Zumindest nicht gegen diese These spricht, dass das libanesische Rote Kreuz bereits am Sonntag – und nicht, wie die Süddeutsche Zeitung behauptet, erst am Dienstag – eine Meldung veröffentlichte, in der von 28 Toten die Rede war, darunter 19 Kinder, während die Medien am gleichen Tag von 54 bis 58 Toten ausgingen. „Wieso [geben] die arabischen Medien nicht einmal die Zahl der Toten, wie sie den Rettungsorganisation im Libanon und dem IKRK in Genf vorliegen, korrekt wieder?“, fragte daher Ulrich Sahm. Wie also erklärt sich diese nicht unwesentliche Differenz? Waren die offiziellen Angaben einfach nur falsch – und wenn ja, warum? –, oder wurden tatsächlich Leichen von der Hizbollah nach Kana gekarrt, um die Zahl der Opfer sozusagen künstlich zu erhöhen und Israel noch grausamer erscheinen zu lassen? Haben westliche Medien also an einer Legende mitgestrickt? Die Süddeutsche Zeitung hält das für eine „Verschwörungstheorie“ und verweist auf die Auskunft der Fotoagenturen:

„AP wehrt sich gegen den Vorwurf, Teil einer Hisbollah-Inszenierung zu sein. Aufgrund von ‚Kommunikationsproblemen’ seien mehrere AP-Fotografen in Kana gewesen, ohne voneinander zu wissen. Dass dabei mehrmals die Bergung des selben Kindes fotografiert werde, ‚liegt in der Natur der Sache’, sagt Barbara Bylek von AP Deutschland. Die Bilder seien zu unterschiedlichen Zeiten nach Beirut und London geschickt worden. Aus diesen Zeiten die Theorie einer Inszenierung zu konstruieren, sei ‚nicht möglich’. Die Agentur Reuters verweist darauf, dass auf seinen Bildern ‚ganz unterschiedliche Kinder’ zu sehen seien.“

Ob es wirklich „Kommunikationsprobleme“ waren, die zum Eintreffen gleich mehrerer Mitarbeiter eines Nachrichtenproviders führten, darf man wohl zumindest bezweifeln, und um „ganz unterschiedliche Kinder“ handelte es sich auch nicht, sondern ziemlich eindeutig um die immer gleichen. Dass aber Fotos, die kurz nacheinander geschossen werden, erst mit Verzögerung auf den Weg gebracht worden sein könnten und so die zeitlichen Abstände ihrer Veröffentlichung erklärbar würden, ist sicher nicht abwegig. Der eindeutige Nachweis für ein durchweg arrangiertes Szenario gelingt also nicht, und man sollte sich in dieser Angelegenheit auch vor allzu viel Hartnäckigkeit hüten: Dass die Hizbollah Unschuldige als menschliche Schutzschilde missbraucht, ist unabhängig von der Aussagekraft der Agenturfotos ein Faktum, und es gibt auch in Bezug auf Kana genügend andere Zweifel an dem angeblichen „israelischen Massaker“.

Dennoch sei die Frage erlaubt, warum etwa die Süddeutsche Zeitung die Version der Blogger ins Reich der Fabel verweist, sich um die Widersprüche zur auch von ihr kolportierten Version vom mörderischen Angriff Israels auf kleine Kinder jedoch nie geschert hat. Dabei könnte sie selbst wissen, dass ein Hizbollywood nicht auszuschließen ist; schließlich hatte sie vor nicht allzu langer Zeit selbst über dessen Vorbild Paliwood berichtet, nachdem die offizielle Erklärung zu den sieben Toten am Strand von Gaza dermaßen zum Himmel stank, dass schließlich die Explosion einer palästinensischen Mine weitaus wahrscheinlicher schien als die einer israelischen Bombe. Darüber hinaus hätten dem Blatt – wie etlichen anderen – beispielsweise auch die Fälschungen rund um den Tod des Jungen Mohammed Al-Dura und das angebliche Massaker von Djenin noch in Erinnerung sein können, beides Paradebeispiele für medienwirksame Inszenierungen der Feinde Israels mit modernsten Mitteln.

Auch die Hizbollah beherrscht diese Techniken, die die Moral ihres Gegners schwächen sollen. Wo man den Tod mehr liebt als das Leben, erscheinen die, die (über-)leben wollen, als jämmerliche Weichlinge. Die Judenmörderbande weiß, dass ihr Bilder wie die aus Kana in die Hände spielen; sie weiß, dass in Europa das Bedürfnis, Israel an den Pranger zu stellen, groß ist und dass sie daran anknüpfen kann; sie weiß, dass auch ihre arabischen Kontrahenten beeindruckt sein werden – und sie weiß, dass ihr die Öffentlichkeit nicht das zutraut, was sie seit jeher tut: Menschliche Schutzschilde? Geiselhaft? Völlig übertrieben. Raketen auf Israel? Ein Randthema. Ermordung von Zivilisten, von Kindern, von so genannten Kollaborateuren? Kaum der Rede wert, wenn überhaupt. Man könnte wohlwollend annehmen, dass europäische Journalisten und Politiker sich gar nicht vorstellen können oder wollen, dass es auf diesem Planeten Menschen gibt, die eine Tragödie wie in Kana nicht bloß für sich nutzen, sondern sie sogar selbst verursacht haben, an den eigenen Leuten sozusagen.

Doch die Verve, mit der Israel hernach ins Visier genommen wurde, spricht eine andere Sprache: Wo die Welt Wille und Vorstellung ist und der jüdische Staat daher als ständiger Aggressor gegen die friedlichen Völker des Nahen Ostens vor Gericht zu stehen hat, sieht man das, was man sehen will. Das erhöht, vorsichtig formuliert, nicht gerade die Bereitschaft, Diskrepanzen und Unklarheiten zu benennen und ihnen nachzuspüren. Denn das Ergebnis könnte der Intention widersprechen, mit dem eigenen antisemitischen Impetus mal ausführlich Gassi zu gehen. Passend dazu die druckfrischen Schlagzeilen zweier deutscher Periodika, die auf ihre je spezifische Art unnachahmlich sind und schließlich doch zusammenfinden: „Israel – Was das Land so aggressiv macht. Die Geschichte des Judenstaates“, gibt der Stern den Goebbels, während Die Zeit das Ganze oberstudienratkompatibel ausdrückt: „Um noch legitim zu sein, sind die Angriffe zu langandauernd“.

Noch Fragen?

* Siehe beispielsweise die drei hier abgebildeten Fotos
Übersetzung der Passage aus Insider: Liza – Hattips: Sebastian, Rolf, Jost, Gudrun Eussner

%d Bloggern gefällt das: