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Am 20. September des vergangenen Jahres starb in Wien, 96-jährig, Simon Wiesenthal. Durch seine mehr als 50 Jahre währende, nimmermüde Arbeit kamen über 1.100 Nazi-Kriegsverbrecher vor Gericht. „Ich möchte, dass die Menschen wissen, dass die Nazis nach der Ermordung von Millionen Menschen nicht einfach so davonkommen können“, sagte Wiesenthal einmal, der zurzeit des Nationalsozialismus 89 Angehörige verlor. Sein Lebenswerk begann er nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Mauthausen im Mai 1945 durch die USA. Zuvor hatte er weitere vier Vernichtungslager überlebt; als die Alliierten den deutschen Wahn beendeten, wog Wiesenthal nur noch 45 Kilogramm. Er habe schnell begriffen, „dass es keine Freiheit ohne Gerechtigkeit geben“ könne, und sich daher entschlossen, „ein paar Jahre lang“ Gerechtigkeit zu suchen. „Es wurden Jahrzehnte“, resümierte er – nicht zuletzt deshalb, weil die juristischen Instanzen im Nachkriegsdeutschland oft genug von alten Nazis durchsetzt waren, die keinen besonderen Elan bei der Verfolgung ihrer alten Kameraden an den Tag legten, um es zurückhaltend zu formulieren.

Am vergangenen Freitag nun wurde in Herzliya der Grabstein enthüllt, den Simon Wiesenthal mit seiner 2003 verstorbenen Frau Cyla teilt. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert würdigte Wiesenthal dabei als einen „geliebten Mann, der sein Leben vom ersten Tag seiner Befreiung aus den Todeslagern an der Erfassung derjenigen widmete, die die schlimmsten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit begangen hatten. Er verdient ewigen Ruhm“. Olmert ergänzte: „Dem Ansatz treu, dass ein Rachefeldzug nicht die Art und Weise ist, Gerechtigkeit auszuüben, brachte Wiesenthal die Nazi-Verbrecher vor autorisierte Gerichte. Sein Vermächtnis wird immer den Staat Israel begleiten.“

Rabbi Marvin Hier, Gründer und Vorsitzender des Simon Wiesenthal Center in Los Angeles, erzählte in seiner Rede im Rahmen der Zeremonie eine Geschichte, die Wiesenthal vielleicht besser charakterisiert als ganze Bücher. Es waren die Schlussworte einer bemerkenswerten Eloge:

„Eines Tages rief Simon an und sagte, er würde seinen 90. Geburtstag gerne mit ein paar Freunden in Wien feiern. Das war zu der Zeit, als er nicht mehr reisen konnte und seine Frau bettlägerig war. Ich fragte ihn, wo er gerne feiern wolle. Er sagte: ‚Ich habe einen unerfüllten Wunsch: eine Party im Imperial Hotel zu feiern.’ Bevor ich die Gelegenheit hatte, zu fragen, warum er gerade das ‚Imperial’ ausgesucht habe, erzählte er mir, dass es sich um Hitlers Lieblingshotel handle und dass sowohl Hitler als auch Himmler dort ständige Suiten gehabt hätten. Sie bauten riesige Bunker nahe beim Hotel, die immer noch existieren, weil Hitler dachte, dass sie die idealen Hauptquartiere sein würden, von denen aus er den Zweiten Weltkrieg führen könne. Während des Dritten Reiches sei es undenkbar für Juden gewesen, im Imperial Hotel zu verkehren, sagte Simon. Und ich möchte sicherstellen, sagte er, dass alle Tabus des Dritten Reiches gebrochen werden und dass es amtlich wird, dass Simon Wiesenthal seinen 90. Geburtstag dort mit einem kosheren Mahl feierte. Am Abend des Dinners, als die Band ein beliebtes jiddisches Lied spielte, ‚Belz, Mein Shtetele Belz’, schaute er zur Decke auf, wandte sich zu mir und sagte: ‚Du siehst sogar die Kronleuchter erzittern, weil dies das erste Mal überhaupt ist, dass sie solche Musik hören. Lass es amtlich werden’, sagte er, ‚dass Hitler nicht mehr hier ist, aber dass sogar im Imperial Hotel Juden immer noch leben und immer noch singen.

Wer Wiesenthals Vermächtnis fortsetzen und die vorzügliche und unverzichtbare Arbeit des Simon Wiesenthal Centers unterstützen möchte, kann dies hier tun.

Übersetzung: Liza; Hattips: Hardy & Franklin D. Rosenfeld

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