Allahs Merchandising

Bevor das noch ganz in Vergessenheit gerät: Heute ist – besser gesagt: war – Antirassismustag. Genauer gesagt: der Internationale Tag für die Beseitigung der Rassendiskriminierung. So heißt der ganz offiziell bei den Vereinten Nationen respektive deren Hochkommissar/in für Menschenrechte (OHCHR), und zwar seit 1966. Klingt ganz ernst, ziemlich entschlossen und vor allem schwer offiziell. Nun kann man über Sinn und Unsinn derartiger Aktionstage, offizieller zumal, ohnehin schon trefflich streiten; zumeist werden bloß ein paar mahnende, staatstragende Worte betroffen dreinschauender Figuren des öffentlichen Lebens durch den virtuellen Raum gejagt, und damit hat sich die Sache.

Im Falle des Antirassismustages ist es allerdings noch ein bisschen ärger. Denn das Hochkommissariat – das Leon de Winter treffend „einen der schlechtesten Witze der jüngeren Geschichte“ nennt und einen „Klub, der […] die Ehre und den Stolz der schlimmsten Tyranneien und Diktaturen verteidigt“ – liegt ganz auf der prinzipiellen UN-Linie, und die war seit eh und je proarabisch und antizionistisch. Als Rassismus gilt bei den Vereinten Nationen in erster Linie daher das, was Israel mit den erdverbundenen Autochthonen veranstaltet, und auf die Uno-Resolution 3379 aus dem Jahr 1975, bei der Zionismus allen Ernstes als Rassismus verurteilt wurde, verweisen die arabischen Brüder und Schwestern genauso inbrünstig wie ihre europäischen, bevorzugt bei der Linken anzutreffen Fans.

Gegen Israel gerichtete UN-Beschlüsse gibt es sonder Zahl, aber selbst für eine Tischvorlage zum Thema Antisemitismus reicht es selbstverständlich nicht. Einen unnachahmlichen Beleg dafür, wie es bei dieser Vereinigung zugeht, lieferte etwa die Antirassismuskonferenz im südafrikanischen Durban Anfang September 2001. Dort beschimpften die Teilnehmer Israel als „rassistischen Staat“ und „Apartheidsregime“; eine Demonstration gegen Rassismus am Konferenzort hielt nicht am Rathaus, sondern zog bis zur Synagoge weiter, „wo dann von Demonstranten die ‚Protokolle der Weisen von Zion’ verteilt wurden und Plakate zu sehen waren, auf denen Hitler gezeigt wurde, der sagt: ‚Wenn ich gewonnen hätte, gäbe es heute kein Israel und kein palästinensisches Problem!’“, wie Shimon T. Samuels vom Simon-Wiesenthal-Center berichtete. Vier Tage nach dem Ende der Versammlung wurde solcherlei Antirassismus übrigens so richtig aktiv: zwei Flugzeuge ins World Trade Center, eins ins Pentagon und noch ein weiteres, das sein eigentliches Ziel verfehlte. Durban dürfte die Verantwortlichen und Exekutoren dieses Massenmordes noch einmal zusätzlich gepusht haben.

Was soll man von der Untergliederung einer Organisation wie der UN also schon erwarten, wenn der Antirassismustag ansteht? Dieses: ein Plakat (Foto oben), in dem uns auf Englisch zunächst mitgeteilt wird: „Rassismus nimmt viele Formen an“. Und dann sehen wir ein schwarzes Puzzle – könnte ein Völkergeflecht symbolisieren sollen – sowie einen kleineren roten Legostein, der aber recht aggressiv daherkommt (vom Dunkeln ins Licht übrigens) und das arme Geduldsspiel zu bedrohen scheint. Die Assoziationen, die dieser Appell hervorrufen soll, sind so offensichtlich, dass man den Urhebern dieses Druckwerks noch nicht einmal unterstellen möchte, sie hätten vielleicht zumindest subtil handeln wollen. Wenn das also mal keine Antwort auf den Cartoon-Jihad sein soll: Rassistische Dänen haben die Umma beleidigt (was die Islamische Glaubensgemeinschaft kürzlich auch der Hohen Kommissarin für Menschenrechte per offizieller Beschwerdeeingabe gegen Dänemark schriftlich gab). So mutiert ein harmloses Kinderspielzeug zum Symbol für einen kleinen, aber mächtigen Aggressor, der die friedliche muslimische Welt – noch aus Einzelteilen bestehend, aber schon beim Zusammenfügen – attackiert. „Ich hab es so satt mit den politischen Eliten der UN, der EU und des Restes der Dhimmi-Welt“, schilderte Leon de Winter in diesem Zusammenhang nachvollziehbar sein Gefühlsleben.

So viel also zum Thema Antirassismustag. Mit einem gewissen Hohn könnte man noch auf die Ähnlichkeit des OHCHR-Logos mit dem arabisch geschriebenen Wort Allah hinweisen. Wer das jetzt albern findet, sei an zwei jüngere Fälle erinnert, in denen Produkte vom Markt genommen wurden, weil sie grafische Elemente enthielten, die nach just diesem Schriftzug ausgesehen haben sollen und daher von Muslimen als Beleidigung ihrer Religion betrachtet wurden: Vor sechs Jahren musste Nike ein Paar Schuhe zurückrufen (links im Foto), weil auf der Fersenseite ein Logo zu sehen war, das angeblich dem Wort Allah (rechts im Foto) ähnelte*. Und im vergangenen Jahr stellte Burger King den Verkauf einer Eiskremsorte ein, weil die Umrisse des Produkts auf der Verpackung (Fotomitte) den Namen des Herrn verschriftlichten, wie beklagt wurde. Wenn man das schon so sehen will, hätte man auch im OHCHR-Signet einige frappante Übereinstimmungen zu konstatieren. Es ist unwahrscheinlich, dass das in der arabisch-muslimischen Welt wirklich noch niemandem aufgefallen ist. Eher schon wird man dort diese Symbolik begrüßen. Sie ist ja schließlich: antirassistisch.

* Leser Aram Ockert weist in diesem Zusammenhang auf eine Boykott-Kampagne der hinlänglich bekannten Website Muslim-Markt gegen das US-amerikanische Unternehmen hin: „Die kalligrafische Schrift lässt keinen Zweifel daran, dass hier der Eigenname der Prächtigkeit Allahs mit Füßen getreten werden soll.“ Was zu beweisen war.

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