Das Manifest

Philippe Val, Publikations- und Redaktionsdirektor der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo – die die dänischen Cartoons aus Solidarität veröffentlichte –, hat einen bemerkenswerten Appell initiiert und publiziert, der sich gegen die globale Bedrohung durch den Islamismus wendet und vehement für Universalismus und Aufklärung plädiert. Zwölf europäische Autoren, Journalisten und Intellektuelle – darunter Ayaan Hirsi Ali, Salman Rushdie und Ibn Warraq – haben ihn als Erste unterzeichnet. In englischer Sprache erschien das Manifest in der gestrigen Ausgabe der Jyllands-Posten. Hier wird es auf Deutsch dokumentiert (Übersetzung: Liza).

Manifest: Gemeinsam gegen den neuen Totalitarismus

Nachdem sie den Faschismus, den Nazismus und den Stalinismus überwunden hat, sieht sich die Welt nun einer neuen totalitären, globalen Bedrohung gegenüber: dem Islamismus.

Wir – Autoren, Journalisten, Intellektuelle – rufen zum Widerstand gegen religiösen Totalitarismus und zur Unterstützung von Freiheit, Chancengleichheit und säkularen Werten für alle auf.

Die jüngsten Geschehnisse, die sich nach der Veröffentlichung von Zeichnungen von Mohammed in europäischen Zeitungen zutrugen, haben die Notwendigkeit des Kampfes für diese universellen Werte deutlich gemacht. Dieser Kampf wird nicht durch Waffen gewonnen werden, sondern auf dem Gebiet der Weltanschauung. Wir sind weder Zeugen eines Clash of Civilizations noch eines Gegensatzes zwischen Ost und West, sondern eines globalen Kampfes, der Demokraten und Theokraten miteinander konfrontiert.

Wie alle Totalitarismen, wird auch der Islamismus von Ängsten und Frustrationen genährt. Die Hassprediger setzen auf diese Gefühle, um ihre Bataillone zu formieren, die dazu bestimmt sind, eine freiheitsvernichtende und auf Ungleichheit bedachte Welt zu erzwingen. Aber wir sagen es klar und deutlich: Nichts, nicht einmal Verzweiflung, rechtfertigt die Wahl von Obskurantismus, Totalitarismus und Hass. Islamismus ist eine reaktionäre Ideologie, die Gleichheit, Freiheit und Säkularität tötet, wo immer sie präsent ist. Ihr Erfolg kann nur zu einer Welt von Beherrschung führen: der Beherrschung von Frauen durch Männer, der Herrschaft von Islamisten über alle anderen. Um dem entgegenzutreten, müssen wir unterdrückten oder diskriminierten Menschen universelle Rechte gewährleisten.

Wir weisen einen Kulturrelativismus zurück, der darin besteht, es hinzunehmen, dass Männern und Frauen aus der muslimischen Kultur im Namen einer Rücksichtnahme auf Kulturen und Traditionen ihr Recht auf Gleichheit, Freiheit und säkulare Werte vorenthalten wird. Wir weigern uns, unseren kritischen Geist aus Furcht zu verleugnen, der Islamophobie angeklagt zu werden – ein unglücklicher Begriff, der die Kritik des Islam als Religion mit der Stigmatisierung seiner Gläubigen verwechselt.

Wir setzen uns für die Universalität der freien Meinungsäußerung ein, damit ein kritischer Geist auf allen Kontinenten walten kann, gegen jeden Missbrauch und alle Dogmen.

Wir appellieren an Demokraten und Freigeister aller Länder: Unser Jahrhundert sollte eines der Aufklärung sein, nicht des Obskurantismus.

Erstunterzeichnerinnen und -unterzeichner:

Ayaan Hirsi Ali
Chahla Chafiq
Caroline Fourest
Bernard-Henri Lévy
Irshad Manji
Mehdi Mozaffari
Maryam Namazie
Taslima Nasreen
Salman Rushdie
Antoine Sfeir
Philippe Val
Ibn Warraq

Dank an Nasrin Amirsedghi und Gudrun Eussner.

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