Mies gemacht (VII)

Lieber Philipp Lahm! Dass Sie den Verdammten dieser Erde „breit gefächert“ helfen wollen, auf der Autobahn Ihrem Namen stets die Ehre erweisen und auch ansonsten der Traum aller Schwiegermütter sind, wissen wir schon länger. Dass Sie nun aber auch noch unter die Veget-Arier gegangen sind und in letzter Sekunde mit einer Art finalem Rettungsschuss einen Massenmord an unschuldigen Vierbeinern verhindert haben – das war uns dann doch neu. Sehen wir Sie demnächst auch auf den Plakaten von „PETA Deutschland e.V.“?

Liebe Sachsen! Da bemühen sich nicht zuletzt die TV-Anstalten vor dem Spiel eurer Landsleute gegen die Türkei mit betriebsamer Hektik um Deeskalation – und dann haucht ihr der alten Zote aus Zonenzeiten – „Zentrales Deutsches Fernsehen Außer Raum Dresden“ (ZDF/ARD) – neues Leben ein. Hat der Bildausfall im Tal der Ahnungslosen eine Woche früher eingesetzt als im Rest der Republik? Oder habt ihr am Ende nur den gleichen Ernährungsberater wie Oliver Bierhoff?

Liebe Deutschlandfans! „Wien ist das Ziel unserer Reise“, verkündete ein unbescheiden großes Transparent vor dem Halbfinalkick eurer Eleven in Basel; „Ein Land, ein Team, ein Ziel“, kannte dort eine etwas kleinere Stoffbahn von euch keine Parteien mehr, sondern nur noch die Fußballvolksgemeinschaft. An welches historische Spiel hat uns das bloß erinnert?

Lieber Béla Réthy! Wir wollen gar nicht lange drum herum reden: Als Wahrsager auf dem Jahrmarkt würden Sie mutmaßlich eine weitaus bessere Figur abgeben denn als Kommentator von Fußballspielen. Auch wenn Semih Sentürk das 2:2 nicht, wie von Ihnen Sekunden vorher prophezeit, „durch die Unterhose“ von Jens Lehmann erzielt hat, sondern an dessen linkem Knie vorbei.

Liebes Zentralkomitee des Zweiten Deutschen Fernsehens! Euer Kommuniqué zum „Abschneiden des ZDF bei den Übertragungen von der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz“ hat uns sowohl hinsichtlich der Sprache als auch mit Blick auf den Wahrheitsgehalt schwer an die historischen Leistungen des längst verblichenen Genossen Erich Honecker erinnert: „Mit einer hervorragenden Aufstellung, glänzender Technik, mit Herz und Verstand hat der Sender alles gegeben“, lässt sich euer Generalsekretär Nikolaus Brender zitieren, bevor er resümiert: „Rekordzahlen bei den Einschaltquoten, viel Lob und Anerkennung für Moderatoren, Reporter, Experten und Kommentatoren und eine Bildschirmpräsentation auf hohem Niveau zeichnen die Euro 2008 im ZDF aus.“ Kurzum: Das Zweite in seinem Lauf hält weder Ochs’ noch Esel auf. Dafür ein recht herzliches Rot Front!

Liebe „Bild“-Zeitung! „Schlagt die Spanier in der Luft“, gebt ihr die Taktik für die finale Offensive vor. Und wir dachten immer, die Deutschen seien auch im Felde unbesiegt. Aber nix da: Mythen in Tüten.

Lieber Günter Netzer! Alle Schmerzen zu vergessen, wenn das Vaterland ruft – das haben Sie in Ihrem Plädoyer für den Exportschlager „deutsche Tugenden“ doch glatt zu fordern verabsäumt. Letzte Chance: am Sonntagabend.

Liebe Uefa! 24 Länder sollen also künftig an der EM-Endrunde teilnehmen dürfen. Die Älteren unter uns erinnern sich noch an Zeiten, da waren es gerade mal überschaubare vier. Andererseits: So hat auch Berti wieder eine Chance. Sofern er seine Spieler dazu bringt, vorwärts schneller zu laufen als die Russen rückwärts.

Liebe Erika Holbein und lieber Günther Kleiner! Sie wissen schon, was Sie Ihrem „EM-Baby“ („Bild“) da angetan haben, oder? Den frisch geschlüpften Nachwuchs zu Ehren der Herren Schweinsteiger und Podolski „Bastian Lukas“ zu benamsen, wird dereinst von den Mitschülern nämlich ohne jeden Zweifel und ohne jede Nachsicht mit dem in der Regel wenig freundlich gemeinten Kürzel „Balu“ bestraft werden. Und das dürfte noch die harmloseste Hänselei sein.

Mies gemacht ist die EM-Kolumne von Lizas Welt.

%d Bloggern gefällt das: