Mies gemacht (II)

Liebe ARD! „Lukas Podolski: In Polen geboren, gegen Polen zurückgeschlagen“, hieß es am Montag in einem eurer ansonsten sterbensöden „Berichte“ zur deutschen Mannschaft. Darf man erfahren, wann der polnische first strike erfolgt ist? Vielleicht am 1. September 1939? Mit dem Überfall auf einen Sender in Podolskis Geburtsstadt?

Lieber Miroslav Orzechowski (Liga polnischer Familien, LPR)! Was die ARD da erzählt hat, stimmt nicht. Echt. Außerdem hat Poldi gar keinen polnischen Pass.

Liebe „Bild“-Zeitung! 2002 hieß eure Parole: „Rudi haudi Saudi!“ Und jetzt: „Poldi putzt die Polski!“ Womit dürfen wir anlässlich des Kroatien-Spiels rechnen? Vielleicht „Jogi, jag die Jugos!“? Dann lasst mal stecken.

Liebe „11 Freunde“! „Nach Invasion der Niederländer: Bern richtet dritten Public-Viewing-Bereich ein“, lesen wir in eurem „Newsticker“. Ein bisschen genauer hätten wir’s dann aber schon gerne gewusst: Peace through superior firepower? Oder eher eidgenössisches Appeasement?

Lieber Thomas Wark (ZDF)! Beim Fußball gibt es keinen „Tempogegenstoß“. Lassen Sie sich das von Heiner Brand erklären. Oder von Jürgen Klopp.

Lieber Steffen Simon (ARD)! Wie Sie das mit dem Nicht-Abseits beim einsnull der Holländer durchschaut und erklärt haben – chapeau! Aber was war das vorher bitte? „Ein Tor würde dem Spiel gut tun!“, faßbenderte es aus Ihnen. Schon die bei solchen Phrasen obligatorische Konventionalstrafe gezahlt?

Lieber Rapper von „Blumentopf“! Dass ihr euch für die Fremdscham verursachende „RAPortage“ der alten Tante ARD hergebt – geschenkt. Aber wenn ihr noch mal „Chance“ auf „Klose“ reimt, gewinnt ihr nicht nur nicht mal das, was euer Name verspricht, sondern kriegt: das nämliche Gefäß / gleich auf den Dez. Das ist mal ein Reim, was? Nichts zu danken.

Lieber Joachim Löw! Ihr „Ordnung, Ordnung, Ordnung“-Ruf am Spielfeldrand – nice try. Aber wir würden Sie trotzdem lieber wieder „högschde Diszipliiin“ badeln hören. Hat eindeutig mehr Drive. Und Unterhaltungswert sowieso.

Lieber Otto Rehhagel! Vor vier Jahren fanden es alle irgendwie süß, dass man mit einem Libero und reichlich Beton tatsächlich Europameister werden kann. Aber da waren Sie auch noch jünger und gingen glatt als Taktikfuchs durch. Heute heißen Sie nicht mehr „Rehhakles“, sondern „Zementidis“, und gelten inzwischen als altersstarrsinnig. Und zu was? Zu Recht!

Lieber Herbert Fandel! Die Turnhose bis unter die Achseln zu ziehen, sieht voll scheiße aus. Und die kleine Plautze macht man so auch nicht unsichtbar.

Liebes Team Oranje! Hat euer Ausrüster vergessen, euch die Rückennummern auf die Trikots zu flocken? Und habt ihr das dann selbst gemacht, mit dem Tapeband aus dem Koffer eures Mannschaftsarztes? Ihr Ärmsten. Noch schlimmer: eure hellblauen Strümpfe. Oder war das alles bloß Taktik, um die Italiener auf Distanz zu halten?

Liebe Volksgenossen beim StudiVZ! Hunderttausende von euch tauschen gerade ihr Profilbild gegen eine schwarz-rot-goldene Fahne aus. „Virtuelle Stadionchoreografie“ nennt ihr das. Selten einen schöneren Euphemismus für freiwillige Selbstgleichschaltung gehört.

Und noch einmal, liebe Freunde des Private Public Viewing! Das Beispiel des bedauernswerten Mitglieds von Union Berlin möge euch Warnung und Mahnung sein: „Andreas Freese, 47 Jahre alt und seit beinahe 30 Jahren im Verein, war in der Nacht zu Dienstag vom Balkon seiner Wohnung im vierten Stock an der Adlershofer Dörpffeldstraße gestürzt. Laut Polizeiangaben war er alkoholisiert auf einen Bierkasten gestiegen, um auf den Hof zu schauen. Dabei verlor er das Gleichgewicht und stürzte hinunter. Er starb noch am Unfallort.“ Falls einem der euren Vergleichbares passiert, dann nehmt euch für den Nachruf einfach Dirk Zingler zum Vorbild, den Präsidenten von Union: „Andreas Freese war ein echter Unioner, einer, der die Tugenden des Vereins verkörperte und lebte“, fand der nämlich. „Und in Erfüllung seiner Vereinspflicht ist er ja dann auch gestorben.“ Fand die Titanic.

Mies gemacht ist die EM-Kolumne von Lizas Welt.

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