Mies gemacht (III)

Liebe „Bild“-Zeitung! Was eure deutschen Lieblinge da am Donnerstag geboten haben, nanntet ihr schwer zornig eine „Kroatastrophe“. Jetzt sind wir auf eure ostmarkerschütternde Schlagzeile gespannt, wenn Jogis Jungs am Montagabend cordobaden gehen und gegen die Ösis das Vorrundenaustria kommt. Sollte aber doch der Einzug ins Viertelfinale gelingen, ist da halt Ende Gelände gegen Ronaldo & Co. Und mal ehrlich: Wäre das nicht portugeil?

Lieber Oliver Fritsch! „Das war nicht Rammstein, das war Pur. Oder Silbermond“, lasen wir auf Ihrer sonst so formidablen Seite „Indirekter Freistoß“ über den letzten Auftritt der DFB-Elf. Also nicht Leni Riefenstahl, sondern Hans W. Geißendörfer. Oder Hans-Jürgen Tögel. Andererseits: Mit denen ist natürlich kein Krieg zu gewinnen. Und, scheint’s, noch nicht mal ein Fußballspiel.

Lieber Bastian Schweinsteiger! Für „Rammstein“ reicht das, was Sie da in der Nachspielzeit mit Ihrem Gegenspieler veranstaltet haben, vermutlich nicht ganz. Aber wenigstens ein Solopart bei den „Böhsen Onkelz“ sollte schon drin sein. Vielleicht als Schlagzeuger?

Lieber Waldemar Hartmann (ARD) und lieber Ingolf Lück (ZDF)! Dass die Polacken klauen, die Käsköppe Wohnwagen fahren und die Spagettifresser durchtriebene Halunken sind, weiß man hierzulande zwar auch ohne „Waldis EM-Club“ und „Nachgetreten“. Aber na gut: Die Wiederholung ist die Mutter der Weisheit. Die eigentliche Erkenntnis aus euren allabendlichen Stammtischen ist allerdings eine andere: Die Krauts sind immer noch die guten alten Herrenmenschen.

Lieber Franz-Josef Wagner („Bild“)! Beim „Fußball-Volleyball am Strand“ – was für eine Sportart das auch immer sein soll – sind Sie nach eigenen Angaben eine Niete. In Rassenkunde hinwiederum macht Ihnen so schnell keiner was vor. Damit beeindrucken Sie am Strand von Rimini zwar niemanden. Aber Ihre Kollegen von „Nachgetreten“ halten Ihnen beim nächsten Turnier bestimmt ein Plätzchen frei.

Liebes Deutsches Sport-Fernsehen (DSF)! Wenn andere die EM zeigen, muss man sich halt was einfallen lassen, um Quote zu machen, nicht? Und für eure Idee, eine nackte Blondine mit einer Volltrottelhalskrause zu behängen und sie anschließend stundenlang Automarken mit „O“ suchen zu lassen, seid ihr dann ja auch von euren Zuschauern belohnt worden. Am besten gefallen haben uns übrigens die Vorschläge „Cabrio“, „Renault“ und „Motorrad“.

Liebe Torhüter! Eure Ausrede mit dem Flatterball ist widerlegt. Und zwar wissenschaftlich. Jetzt hilft nur noch Beten – vielleicht ein Flatterunser?

Liebe „Großbrauerei Ottakringer“! Lebenslänglich Freibier habt ihr jedem österreichischen Spieler versprochen, der in den letzten beiden Vorrundenpartien ein Tor schießt. Ein Werbegag ohne großes Risiko, wie der Kick gegen Polen gezeigt hat: Hickersbergers Truppe besteht nämlich fast durchweg aus Abstinenzlern. Und nicht mal der Elfmetertreffer kommt euch besonders teuer zu stehen: Ivica Vastić ist immerhin schon 38.

Liebe Fußballfans in Israel! Das mit dem Sport und der Völkerverständigung – na gut. Aber müssen es wirklich ausgerechnet iranische Pistazien sein, die ihr während der Spiele konsumiert?

Liebe deutsche Hooligans! Faschissen, wa?

Mies gemacht ist die EM-Kolumne von Lizas Welt.

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