Chill out in Vancouver

Raucher haben es schwer. Allenthalben wachen der Staat und seine Organe über die körperliche Unversehrtheit ihrer Bürger, warnen großflächige Tafeln und kleine Aufkleber vor den Gefahren von allem, was qualmt. In immer mehr Ländern wird den Schmökern untersagt, in der Öffentlichkeit – und dazu zählen Verwaltungsgebäude genauso wie Taxis, Bahnhöfe und sogar Kneipen – ihrem Bedürfnis nachzugehen. Im kanadischen Vancouver ist das nicht anders – zumindest für die meisten. Denn der Stadtrat hat kürzlich eine Ausnahmegenehmigung beschlossen, nach der in den Wasserpfeifen-Etablissements weiterhin gepafft werden darf. Diese seien schließlich, so hieß es zur Begründung, ein „wichtiger kultureller Raum“ für Muslime. Emad Yacoub, ein Restaurantbetreiber in Vancouver, freute sich über die Entscheidung: Solche öffentlichen Räumlichkeiten seien „essenziell für Immigranten aus Kulturen, in denen Wasserpfeife geraucht wird, weil ihnen das hilft, mit den unter Neuankömmlingen verbreiteten Depressionen fertig zu werden und sich wie zu Hause zu fühlen“.

Nun hat es bereits eine Menge Sonderregelungen für Anhänger des Islams gegeben, von muslimischen Fußbädern auf dem Flughafen von Kansas und nach Geschlechtern getrennten Schwimmbädern in Deutschland und Frankreich über die Streichung der Schweinefleischgerichte von den Karten australischer Restaurants bis hin zum Verbot für belgische Polizisten, während des Ramadan Donuts zu essen. Aber die Außerkraftsetzung der Nichtraucherbestimmung für eine ausgewählte Personengruppe in einer kanadischen Großstadt hat ihre ganz eigene Qualität, zumal mit ihr dem nämlichen Kreis gewährt wird, was anderen strikt untersagt ist, wiewohl diese sich auch zu Hause fühlen wollen und deshalb mit einigem Recht auf ihr Recht pochen: „England war eine Zigaretten- und Pfeifenkultur“, bemerkte der bekannte kanadische Blogger Jay Currie. „Das Kanada der Arbeiterklasse war eine Zigarettenkultur. Viele griechische Restaurantbesitzer in Vancouver, die ich kenne, kommen aus einer Zigarettenkultur. Punkrocker sind eine Zigarettenkultur. Aber hey, sie sind keine Muslime und jagen nicht mitten in ihrer Depression irgendwas in die Luft.“

Doch das war nicht der einzige Einwand gegen den Erlass, den Currie hatte; vielmehr verwies er auch auf das, sagen wir, kulturrelativistische Flair der Stadtratverfügung: „Eines der Probleme mit der multikulturellen Haltung und der kulturellen Sensibilität besteht darin, dass diese zu solch rassistischen Ergebnissen führen“, schrieb er. „Indem man eine spezielle Ausnahme für Muslime macht – die die einzige Immigrantengruppe zu sein scheinen, die aktiv diese Art ‚kultureller Gefälligkeiten’ fordert –, erklärt man die muslimischen Bürger grundsätzlich einer speziellen Behandlung für würdig und gleichzeitig der Gesundheitsbelange für unwürdig, die angeblich die Basis der generellen Rauchverbote darstellen.“ Der kanadische Journalist Mark Steyn wiederum stellte darauf ab, dass Islamgläubige durch den Beschluss de facto für mündiger erklärt werden als die übrige Gesellschaft: „Der Staat, in anderen Worten, behandelt Muslime als frei geborene Erwachsene, die den ‚kulturellen Wert’ (das heißt: das Vergnügen) des Rauchens gegen die Gesundheitsrisiken abwägen können. Aber nicht den Rest von uns.“

Dieser Rest hat nun jedoch – zumindest in Vancouver – die Möglichkeit, dem Gesundheitsterror zu entkommen: Er kann einfach zum Islam konvertieren. Vielleicht ist das aber auch nur eine besonders ausgefallene Strategie der lokalen Behörden, Menschen von der Kippe fern zu halten.

Übersetzungen: Lizas Welt – Hattips: barbarashm, Niko Klaric

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