Soundtrack des Terrors

Auf den ersten, flüchtigen Blick ist es schwierig, die Bilder aus Gaza und Beirut voneinander zu unterscheiden. Seit Tagen eskaliert hier wie dort die Situation: Während im palästinensischen Gazastreifen einmal mehr Hamas und Fatah aufeinander losgehen und dabei seit dem vergangenen Freitag 25 Menschen starben, veranstaltet die Hizbollah in der libanesischen Hauptstadt – unterstützt von der palästinensischen PFLP und dem Islamischen Djihad – neuerliche Riots, auch wenn sie den vollmundig angekündigten Generalstreik gegen die libanesische Regierung abgesagt hat. Selbst Libanons Premierminister Fuad Siniora bezeichnet die Gotteskriegertruppe inzwischen als terroristisch und nicht mehr, wie bisher, als Widerstandsorganisation. Der Journalist Michael Totten schrieb, Hizbollah-Führer Hassan Nasrallah habe die Kontrolle über seine Gefolgschaft verloren: „Das macht die Angelegenheit für ihn und den Libanon sogar noch schlimmer. Die Hizbollah und ihre Fans wissen nicht, wann sie aufhören müssen. Ihre Wahnvorstellungen von Überlegenheit, Stärke und Popularität könnten ihr das Genick brechen. Sie haben diesen Fehler mit den Israelis begangen und aus dieser Erfahrung überhaupt nichts gelernt.“ Abgesehen davon wird man konstatieren müssen, dass es tatsächlich etwas noch Schlimmeres gibt als Mordbanden mit Anführern wie Hanija oder Nasrallah: zersplitterte und völlig außer Rand und Band geratene Killertruppen ohne diese Figuren nämlich.

In jedem Fall hat die Hizbollah seit Freitag letzter Woche zwei Bunker weniger: Die israelische Armee sprengte die in unmittelbarer Nähe zur israelischen Grenze gelegenen Verstecke, die offenbar dazu dienten, israelische Soldaten zu beobachten. Einige Wochen zuvor hatte die IDF bereits Waffen und militärisches Gerät gefunden und zerstört, das augenscheinlich der Hizbollah-Einheit gehörte, die die beiden israelischen Soldaten Eldad Regev and Ehud Goldwasser entführt hatte. Die Uno-Truppe UNIFIL, zu deren Aufgaben das Aufspüren von solcherlei Equipment eigentlich gehört, ist zu diesem Vorgehen ganz offensichtlich immer noch nicht in der Lage. Dennoch konnte sie gestern ihr ganzes Potenzial ausschöpfen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete:

„Bunte Luftballons mit einem hebräischen Schriftzug, die offenbar Teil einer Werbeveranstaltung der israelischen Zeitung ‚Haaretz’ waren, haben im Südlibanon Panik in der Bevölkerung ausgelöst. Die Bewohner von Nabatijeh und Tyrus baten die libanesische Armee um Hilfe, nachdem fünf Menschen nach Kontakt mit den grünen und orangefarbenen Ballons ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Sie litten unter Übelkeit und Schwindelgefühlen. Der Hizbollah-Fernsehsender ‚El Manar’ warnte, die israelische Luftwaffe habe Ballons mit giftigem Inhalt über libanesischem Gebiet fliegen lassen. Die libanesische Armee und Truppen der UN-Mission UNIFIL zerstörten die Ballons.“

Endlich ein Erfolgserlebnis für die Einheiten der Vereinten Nationen im Libanon: Wenn sie schon keine israelischen Kampfflugzeuge abschießen dürfen, bezwingen sie immerhin als „Teil einer Werbeveranstaltung“ getarnte, in Wahrheit jedoch mordsgefährliche Flugobjekte „mit einem hebräischen Schriftzug“ und verhindern so, dass der jüdische Staat mit besonders perfiden Mitteln Pest und Tod über sein Nachbarland bringt. Mann, wer hätte das gedacht? Vermutlich noch nicht einmal Nena.

Hattips: barbarashm, Rowlf_the_Dog

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