Kaum Promille bei der UNIFIL

Wie hieß es noch gleich bei den Vereinten Nationen, bevor sie im September ihre glanzvolle Mission im Libanon begannen? „Wir werden nicht aktiv nach Waffen der Hizbollah suchen. Wenn wir aber bei einer Patrouille auf ein Versteck stoßen, ist es unsere Aufgabe, diese Raketen zu beschlagnahmen.“ Dass dabei nicht allzu viel herauskommen konnte, war von vornherein klar – doch nun machte diese sensationelle Nachricht die Runde: „UNIFIL zerstört Raketenlager“. Und zwar gleich zwei! Insgesamt siebzehn Katjuschas seien gehoben und unschädlich gemacht worden – wenn man davon ausgeht, dass noch 10.000 Stück aus dem Krieg vorrätig sind und das Arsenal nach Angaben des Hizbollah-Führers Hassan Nasrallah inzwischen auf 33.000 Exemplare aufgestockt worden ist – was den UN-Truppen kaum entgangen sein dürfte –, entspricht das der sagenhaften Quote von 0,05 Prozent. Ein bisschen geschmälert wird der grandiose Erfolg allerdings durch ein Statement des Vize-Generalsekretärs der Hizbollah, Naim Qasim: „Diese Katjuscha-Raketen könnten vom Krieg übrig geblieben sein. Das ist ganz normal. Das ist wie mit den anderen Waffen, die liegen gelassen werden, wenn die Kämpfer sie gebraucht haben. Die UNIFIL spricht offen darüber, was sie gefunden hat. Die Hizbollah hat damit nichts zu tun. Wir waren nicht ihr Ziel.“ Klingt nach einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für gelangweilte Soldaten. Aber Nasrallahs Organisation ist ja auch für ihr soziales Engagement bekannt.

Und das trägt sie seit vergangenem Freitag verstärkt auf die Straße: Auf mehreren Massendemonstrationen in Beirut forderte sie den Sturz der libanesischen Regierung; um dieses Ziel zu erreichen, sollen die Aktivitäten sogar noch intensiviert werden. Nicht nur Walid Jumblatt, drusisches Mitglied des libanesischen Parlaments, sieht darin den Auftakt zu einem Putschversuch. Währenddessen geht die Aufrüstung der Gotteskrieger weiter; vor allem über die syrische Grenze gelangen Raketen und andere Waffen in den Libanon und die Hände der Hizbollah, ohne dass in irgendeiner Weise dagegen vorgegangen würde. Der Nachrichtendienst des israelische Militärs befürchtet, die immer instabiler werdende Lage im Libanon – die durch das tödliche Attentat auf den Industrieminister Pierre Gemayel am 21. November einen neuen Höhepunkt erreichte – könnte Nasrallah veranlassen, neuerliche Angriffe gegen Israel zu starten, wobei weniger ein Beschuss mit Katjuscha-Raketen erwartet wird als vielmehr der Versuch, israelische Aufklärungsflugzeuge abzuschießen, die den Libanon überfliegen.

Und auch im Süden – und damit an Israels Nordgrenze – können die Islamisten nach wie vor weitgehend ungehindert agieren, die unterirdischen Tunnel- und Bunkersysteme verwenden, Waffenverstecke und Raketendepots betreiben und ein Gebiet, das offiziell militärisches Sperrgebiet ist, als Trainingscamp nutzen. Weil zusätzlich auch die Hamas trotz – respektive gerade wegen – der Waffenstillstandsvereinbarung weiterhin Waffen aus Ägypten bezieht, wird in Israel vom kommenden Jahr 2007 bereits als dem „Jahr des Krieges“ gesprochen: gegen die Hizbollah, gegen die Hamas und möglicherweise auch gegen Syrien, das seine Armeen in ständiger Bereitschaft hält, die Hizbollah unterstützt und gegenüber dem jüdischen Staat bereits wieder Ansprüche auf die Golan-Höhen geltend macht. Wie es im und mit dem Iran und seinen Ambitionen einer „World without Zionism“ weitergeht, mag man sich lieber gar nicht vorstellen; beim Briefeschreiben wird der Präsident der Mullahs es jedoch gewiss nicht belassen.

Die UNO und die Europäische Union betreiben derweil ihr zur Gewohnheit gewordenes und daher lieb gewonnenes Appeasement; mehr als Lippenbekenntnisse und freundliche Ermahnungen ist, wie immer, nicht zu beobachten. Dass etwa die UNIFIL in Bezug auf eine Reduzierung des Bestands an Katjuscha-Raketen die Promillegrenze überschreitet, darf daher bezweifelt werden. Lieber hält man stocknüchtern Ausschau nach israelischen Aufklärungsflugzeugen. Denn die könnten ja etwas finden, wonach man selbst noch nicht einmal suchen würde. Schon gar nicht aktiv.

Foto: Die Hizbollah beim Training. Übersetzung des Dry Bones-Cartoons „Ein iranischer Libanon“: (1) „Wenn sie sich den den Libanon geschnappt haben, wird der Iran nicht mehr daran denken, den jüdischen Staat mit Atomraketen zu treffen.“ – (2) „Das ist großartig!“ – „Eigentlich nicht!“ – (3) „Wenn sie sich den Libanon geschnappt haben, wird der Iran keine Raketen mehr brauchen, um uns mit Nuklearwaffen zu treffen.“ – (4) „Sie werden dann in der Lage sein, sie einfach über die Grenze zu rollen.“

Hattips: barbarashm, Bernd Dahlenburg, Sebastian

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