Öde Orte

Sollten Sie sich schon einmal gefragt haben, wen oder was die Truppen der Vereinten Nationen im Libanon eigentlich vorrangig bekämpfen, hat ein großes deutsches Wochenmagazin nun die Antwort für Sie herausgefunden. Nein, die Hizbollah ist es nicht, aber das ist auch keine große Überraschung. Israel wäre eine Option – und ist es auch, aber dazu später. Doch der Feind Nummer eins ist in Wahrheit ein ganz anderer: die Langeweile! Nun ließe die sich angemessen vertreiben, würde die UNIFIL das tun, was man im Grunde genommen von ihr erwarten kann: Nasrallahs Truppen daran hindern, zu tun, was sie tun, wenn man sie nicht daran hindert. Für die Freunde des Völkerrechts abzüglich ihrer medialen Rabauken bei der Abteilung Agitation & Propaganda: Ja, das wäre tatsächlich zulässig. Aber nichts da: „Mit der Entwaffnung der Hizbollah habe die zuständige libanesische Armee noch nicht im Ansatz begonnen, ob die Miliz jemals ihre Waffen abgeben werde, sei fraglich. Ob die massive Präsenz der lokalen und internationalen Truppen die Hizbollah daran hindert, sich neu aufzustellen und ihre im Krieg beschädigte Infrastruktur wiederherzustellen, ebenso. Nachts werde aus Sicherheitsgründen keine Patrouille gefahren, gibt Ricardo Ortax, Presseoffizier der spanischen Elite-Einheit zu Protokoll. Was die ortskundige Miliz im Schutz der Dunkelheit so treibt, entziehe sich der Kenntnis der UNIFIL“, berichtet der Spiegel. Wahrscheinlich kann man das von der neuerdings mit indischer Folklore-Malerei verzierten Finnsauna aus, die an einem Außenposten nahe Kfar Kila steht, auch nicht so gut sehen.

Der Sinn der UN-Mission scheint aber auch prinzipiell ein anderer zu sein, wie ein spanischer Marineinfanterist zu Protokoll gab: „Was wir hier machen, können wir genau sagen: Wir sind hier, um hier zu sein.“ Das ist durchaus ungewöhnlich für Soldaten, deren Anwerbung in der Regel unter dem Motto No risk, no fun geschieht. Aber die Realität sieht dann doch ein bisschen anders aus, wie die Jerusalem Post befand: „Jedes Land, das seine Truppen den Risiken in Bint Jbail und Marjayoun aussetzt, bemüht sich um lokale Sicherheiten dafür, dass seine Angehörigen nicht erschossen werden oder unter Selbstmordbombern leiden.“ Und daher war die Aufregung bei der UNIFIL gar groß, als die deutsche Bundeskanzlerin es wagte, Garantien für die Sicherheit des jüdischen Staates einzufordern: „Angela Merkel wurde hier so verstanden, dass die Blauhelme nur hier sind, um Israel zu schützen“, tat der UNIFIL-Sprecher Alexander Ivanko kund. Diese Bemerkung habe die libanesische Bevölkerung gegen die UN-Einheiten aufgebracht: „Wir sind heute, einen Monat nach Merkels Ansprache, immer noch damit beschäftigt, Schadensbegrenzung zu betreiben.“ Der Schutz des jüdischen Staates als Schaden – gut, vielleicht sollte man es positiv sehen und für diese Offenheit dankbar sein. Nur beschwere sich dann niemand, wenn Israel daraus die Konsequenzen zieht.

Hattip: Mona Rieboldt

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