Ein Käfig voller Narren

Man hat sich in Bezug auf Äußerungen und Nachrichten über Israel mit der Zeit ja schon an einiges gewöhnt, doch es gibt Momente, in denen der Eindruck besonders stark ist, dass die Welt zu nicht eben geringen Teilen aus monströsen Narrenställen besteht, die sich untereinander dezentral organisieren. Eines dieser föderalen Gehege steht in Großbritannien, wo einmal mehr Polit-Clowns vom Schlage George Galloways den Al-Quds-Tag Seit’ an Seit’ mit militanten Judenhassern feierten. Doch was soll’s – sind wir nicht alle gerne mal ein bisschen (hiz)ballaballa und freuen uns, wenn der Karnevalspräsident ein paar tausend Kilometer weiter eine Büttenrede hält, in der er palästinensische Ozeane anschwellen lässt, die in Europa für eine Flutkatastrophe sorgen sollen? Ob dagegen Sandsäcke genügen? Man weiß es nicht und lauscht daher umso aufmerksamer dem Leiter des Internationalen Versöhnungszentrums der Kathedrale von Coventry, Paul Oestreicher, der sich im Deutschlandfunk als „Paul Oesterreicher“ Israels schämt, vor Philosemitismus Angst hat und anständige Deutsche sucht, die mit ihm die Verbrechen des jüdischen Staates kritisieren wollen. Tusch!

Auch in Frankreich mag man Israel nicht besonders, weshalb Journalisten, die nicht in den populären Faschingsschlager „Kindermörder!“ einstimmen wollen, von Spaßvögeln in Robenkostümen schon mal wegen Verleumdung zur Kasse gebeten werden, während die ebenfalls aus diesem Land stammenden Jecken Jean-Marie Guéhenno, Leiter der Friedenseinsätze bei der UNO, und Alain Pellegrini, Kommandant der UNO-Truppe im Libanon (UNIFIL), im Verbund mit Italien über andere Waffen als Konfettikanonen nachdenken, sollte Israel weiterhin die Hizbollah beaufsichtigen und auf die Entwaffnung von Hassan Nasrallahs Komödienstadl drängen. Unterdessen will auch Hugo Chávez nicht die Spaßbremse geben, bloß werden die Eintrittskarten in seinen Fastnachtsklub bis auf Weiteres nicht mehr an Israelis verkauft: Bürger des jüdischen Staates erhalten vorerst kein Visum für einen Aufenthalt in Venezuela; schließlich hat Israel im Libanon kürzlich einen „neuen Holocaust“ angezettelt. Narhallamarsch!

Doch auch in entlegeneren Winkeln dieses Planeten hat man es nicht gerne, wenn einer die Session stört oder gar den Aschermittwoch vorziehen will: In Bangladesch sprach sich der Journalist Salah Uddin Schoaib Chudhury für freundschaftliche Beziehungen zwischen seinem Land und Israel sowie zwischen Juden und Moslems aus, woraufhin ein 40-köpfiges Festkomitee unter der Leitung des Ministers für internationale Beziehungen, Helal Khan, das Büro des Mitarbeiters der englischsprachigen Wochenzeitung Blitz stürmte, ihn als „Agenten der Juden“ bezeichnete und sein Fußgelenk brach. Eine Anzeige gegen die Angreifer wurde nicht zugelassen; vielmehr droht Chudhury nun eine Anklage wegen Blasphemie, Unruhestiftung, Hochverrats und Spionage – und im Falle einer Verurteilung der Tod.

Um wie viel angenehmer sind da doch Menschen, die zu derlei närrischem Treiben auf Distanz gehen: Der kanadische Premierminister Stephen Harper (Foto) bezeichnete in Toronto unlängst die Unterstützung Israels als „grundlegend für die Werte dieser Nation“. Er verteidigte die Unterstützung des jüdischen Staates im Kampf gegen die Hizbollah: „Wenn wir uns mit einem Krieg zwischen Israel und einer terroristischen Organisation zu beschäftigen haben, können und werden dieses Land und diese Regierung niemals neutral sein“, sagte Harper, und er ergänzte: „Diejenigen, die Israel angriffen, und diejenigen, die diese Angriffe finanzierten, suchen, was sie und ihresgleichen schon immer suchten: die Zerstörung Israels und die Vernichtung des jüdischen Volkes.“ Solche Angriffe gälten „uns allen“, weshalb man mit entsprechender Schnelligkeit und Klarheit Position bezogen habe.

An manchen Tagen lohnen sich die Nachrichten dann doch: Nicht überall regiert ein Elferrat. Wie beruhigend.

Hattips: barbarashm, Clemens Heni

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