Brot statt Böller!

Gestern war Freitag der Dreizehnte. Es ist nicht bekannt, ob man beim UN-Sicherheitsrat abergläubisch ist. Aber bevor noch ein Unglück passiert, hat man die Verabschiedung einer Resolution gegen Nordkorea vorsorglich auf den heutigen Samstag verschoben. Immerhin scheint ungewohnte Einstimmigkeit zu herrschen, was die Frage des Strafmaßes gegen Pjöngjang betrifft: Nachdem Russland und China die ursprünglich vorgelegten Entwürfe der USA zu scharf waren, ist jetzt nicht mehr von militärischen Maßnahmen und einem allgemeinen Waffenembargo die Rede. Stattdessen sind ökonomische Sanktionen geplant; zudem soll der Handel mit schwerem Rüstungsgerät wie Panzern und Kampfflugzeugen untersagt werden. Japan hat derweil schon eigene Schritte unternommen: Schlag Mitternacht wurden für das nächste halbe Jahr alle Häfen für nordkoreanische Schiffe gesperrt und Importe nordkoreanischer Waren gestoppt.

Von der Friedensbewegung ist jedoch noch nichts zu sehen, denn die feiert gerade das 25-jährige Jubiläum ihrer Demonstration gegen amerikanische Pershing II-Raketen und Cruise Missiles. Gegen nordkoreanisches Gerät hat sie aber vermutlich wenig bis nichts. Außerdem braucht sie auch gar nicht auf die Straße zu gehen, denn ihre islamische Dépendance hat diesbezüglich bereits Klartext gesprochen: „Der Iran ist gegen den Einsatz und die Herstellung von Atomwaffen“, tat Regierungssprecher Gholamhossein Elham schon am vergangenen Dienstag kund. Denn: „Kein Land ist befugt, Atomwaffen einzusetzen.“ Und: „Jeder Schritt, der den Weltfrieden und die Sicherheit gefährdet, ist für den Iran inakzeptabel.“ Chapeau! Und da dachte man immer, die islamische Republik wollte selbst welche haben. Aber nichts da: „Die iranischen Atomarbeiten liegen offen. Sie sollten nicht als eine Bedrohung betrachtet werden.“ Stattdessen erging die freundliche Anweisung an die Atommächte, ihr Arsenal abzurüsten. Schließlich sei Washington für den nordkoreanischen Atomtest verantwortlich. Darauf einen Malvetee! Oder ein Glas Mekka Cola!

Dabei meinte man in Israel doch glatt, Nordkorea könnte Material und Technologie zur Entwicklung von Atomwaffen an die Mullahs weitergeben. Die entsprechende Bereitschaft dazu ließ Kim Jong-Il jedenfalls verlautbaren; schließlich hat sein Land enge militärische Beziehungen zum Iran und zu Syrien und liefert beiden Boden-Boden-Geschosse sowie das Knowhow über ballistische Raketen. Aber da hat wohl einer die Rechnung ohne Ahmadinedjad gemacht. Vielleicht ist der aber auch nur eifersüchtig, weil er den Friedensnobelpreis frühestens nächstes Jahr bekommt. Jedenfalls muss der jüdische Staat sich jetzt keine Sorgen mehr machen. Dabei hatte Kabinettsminister Benjamin Ben-Eliezer noch befürchtet, der nordkoreanische Atomtest gefährde sein Land noch stärker als bisher: „Iran wartet jetzt, wie die Welt darauf reagiert. Wenn die Welt nicht stark reagiert, kann das zum Beschleuniger für den Anreicherungsprozess des iranischen Atomprogramms werden.“ Weit gefehlt: Die Mullahs reichern inzwischen nur noch das Futter für ihre Friedenstauben an. Brot statt Böller!

„Wer wirklich zündelt“, liegt daher auf der Hand: „Nach Nordkoreas Atomtest verstärken Israel und US-Neocons [ihre] Polemik gegen Iran.“ Warum? Darum: „Israelische Politiker sind zuversichtlich, dass sie den koreanischen Atomtest für ihre Kampagne gegen Iran ausschlachten können.“ Potztausend und alle Wetter! Wer spricht solches? Die gewöhnlich gut informierten Kreise bei den Nationalbolschewiken der jungen Welt, hier vertreten durch ihren Knut Mellenthin, der Dan Gillerman, dem Botschafter Israels bei den Vereinten Nationen, ganz genau auf die Lippen geschaut hat, als dieser sagte: „Ich habe das Gefühl, dass dieser Test und das internationale Meinungsklima uns zur Hoffnung berechtigen, dass wir auch gegenüber Iran mit entschiedeneren Aktivitäten des Sicherheitsrats rechnen können. Die Welt versteht weitgehend, was jetzt in Nordkorea passiert. Was Iran zu tun im Begriff ist, könnte noch weitaus schlimmer, sehr viel furchterregender und sehr viel gefährlicher sein.“ Das findet auch Dan Blumenthal vom American Enterprise Institute (AEI): Der koreanische Atomtest zeige die Vergeblichkeit von Verhandlungen mit Schurkenregimen, zitiert ihn Mellenthin und wartet danach mit Michael Rubin – ebenfalls vom AEI – auf, der der (wohl alles andere als abwegigen) Ansicht ist, der Atomversuch habe „allen Argumenten, man könne sich mit Diktatoren arrangieren, den Boden entzogen“.

Ja, dem Herrn „Journalist, Autor, Redakteur“, wie Mellenthin sich auf seiner Homepage vorstellt, macht man so leicht nichts vor, denn er hat es in punkto Akribie bereits annähernd zur Perfektion gebracht: Er tüftelt an einem „Neocon-Lexikon“, das immerhin schon bis zum Buchstaben F steht und detailliert ausführt, wer hinter der „Pro-Israel-Lobby“ in den USA steckt, welche „Rechtszionisten“ am Werk sind und wer sich sonst noch mit dem jüdischen Staat verschworen hat. Antisemitisch kann das aber nicht sein; schließlich hat Mellenthin zuvor eine umfangreiche „Holocaust-Chronologie“ erarbeitet und damit seine Solidarität mit den Juden hinreichend bezeigt. Zumindest mit den toten. Die (noch) lebenden konfrontiert er deshalb erfreut und besten Gewissens beispielsweise mit der Erkenntnis, dass Nasrallahs Truppen als „die neuen Helden der arabischen Welt“ gelten können und die „Spaltung der libanesischen Bevölkerung“ überwinden halfen: „Neue Umfrageergebnisse zeigen, dass Hizbollah mit ihrem Widerstand gegen Israels Angriffe den Respekt aller Teile der libanesischen Bevölkerung gewonnen hat. 87 Prozent der Libanesen unterstützten bei einer Umfrage Ende Juli Hizbollahs Kampf gegen Israel. Im Februar waren es 30 Prozent weniger gewesen. 80 Prozent der Christen und sogar 89 Prozent der Sunniten erklärten sich mit Hizbollah solidarisch.“

Da tut man als echter deutscher Kommunist natürlich, was man kann. Auch und gerade, wenn Freitag der Dreizehnte ist. Bevor noch ein Unglück passiert.

Hattip: barbarashm

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