Ronaldinhissimo!

Es gibt ja tatsächlich noch erfreuliche Nachrichten. Und die haben sogar mit Fußball zu tun: Während die FIFA über Sanktionen gegen ihr Mitglied Israel nachdenkt – nachdem die Israel Defense Forces es gewagt hatten, einen Angriff des Islamischen Djihad mit Kassam-Raketen auf einen Sportplatz im Kibbuz Karmiya durch die Absenkung des Mittelkreises im Hauptstadion des Gazastreifens zu beantworten –, zeigt ein nicht ganz unbekannter Profi seine Solidarität mit dem jüdischen Staat:

„Ronaldinho, der vermutlich beste Fußballer der Welt, wird Kindern in Israel, die ein Familienmitglied durch Terroranschläge verloren haben, Fußbälle und Trikots mit seinem Autogramm spenden. Die Spende ist das Ergebnis der Bemühungen des ‚One Family Fund’, den Betroffenen des Terrors zu helfen.“

Bei dem Fonds handelt es sich um eine Wohltätigkeitsorganisation, die Opfern des Terrorismus in Israel Hilfe leistet und ihnen emotionale, finanzielle und staatliche Unterstützung gewährt respektive verschafft. Doch das war nicht der erste Kontakt des brasilianischen Superstars, der beim FC Barcelona spielt und mit vollem bürgerlichen Namen Ronaldo de Assis Moreira heißt, zu der Stiftung:

„Die Romanze des Fonds mit der Fußballwelt begann letztes Jahr, nachdem ‚One Family’ an Ronaldinho mit der Bitte herangetreten war, mit seiner Unterschrift versehene Fußbälle für die Kinder zu spenden. Die Fußballlegende sagte sofort ihre Kooperation zu, und kurz darauf wurden die Fußbälle unter den aufgeregten Kids verteilt.“

Hat man solches schon mal von einem Bundesligaspieler vernommen? Nicht, dass es bekannt geworden wäre, und auch wenig wahrscheinlich. Der Mann jedoch, dessen Künstlername übersetzt so viel bedeutet wie „kleiner Ronaldo“, kündigte außerdem an, Israel bereisen zu wollen, womit er seinem bei Real Madrid spielenden Landsmann folgen würde, der auf das gleiche Pseudonym abzüglich des Diminutivs hört und bereits im vergangenen Jahr in Israel war.

Ronaldinhos Geste ist umso bemerkenswerter, als der Weltfußballverband gleichzeitig ganz andere Prioritäten setzt:

„Die FIFA wird die Instandsetzung eines Fußballplatzes im Gazastreifen bezahlen, der bei einer Bombardierung Anfang dieses Monats beschädigt wurde. Der Verband sagte, er sei noch nicht sicher, wie teuer die Reparaturen würden; er werde aber mit der Hilfe des palästinensischen Fußballverbands in den nächsten Tagen das Ausmaß des Schadens am Stadion und seinen Tribünen taxieren. Viel hänge davon ab, ob die Drainage schwer beschädigt wurde.“

Den vorangegangenen Beschuss eines Kibbuz-Sportplatzes durch palästinensische Raketen weigert sich die FIFA bekanntlich zu verurteilen, weshalb finanzielle Unterstützung gar nicht erst in Erwägung gezogen wird. Stattdessen hilft sie beim Wiederaufbau einer Sporteinrichtung, die durchaus auch anderen Zwecken dient – nämlich als Trainingslager für den Islamischen Djihad und die Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden sowie als Raketenabschussrampe. Da freut sich die Hamas, vor allem jetzt, wo andere ihre den Geldhahn zudrehen. Aber so ist sie, die Fußball-Uno, die sich, wie man weiß, aus der Politik heraushalten und deswegen nichts gegen die Teilnahme des Iran an der Fußball-Weltmeisterschaft unternehmen will, wie sie schon Chile 1974 und Argentinien 1978 hat gewähren lassen, und die sich ebenfalls heraushielt, als

  • Saddam Husseins Sohn Uday 1997 irakische Fußballer foltern ließ, weil die sich nicht für die WM in Frankreich qualifiziert hatten, und drei Jahre später noch einmal, als das Team bei den Asienmeisterschaften nicht über das Viertelfinale hinausgekommen war;
  • die Taliban UN-finanzierte Fußballplätze zur Folter und Ermordung hunderter Unschuldiger missbrauchten – teilweise in den Pausen von Fußballspielen –, während sie von den Tribünen mit dem Ruf „Gott ist groß!“ angefeuert wurden;
  • der Bruder eines suicide bombers ein Jahr später bei diesem Turnier ehrenhalber die Pokale an die Mannschaften übergeben durfte;
  • im Oktober 2003 im Restaurant Maxim in Haifa drei Funktionäre des lokalen Fußballklubs Maccabi bei einem Selbstmordattentat verletzt wurden.

Und die schweigt, wenn

  • die Fußballmannschaften arabischer Länder sich weigern, gegen israelische Teams zu spielen – weshalb Israel seine Qualifikationspartien auf Vereins- wie auf Länderebene gegen europäische Mannschaften bestreitet und seine Heimspiele lange Zeit außerhalb des Landes austragen musste, weil man bei der FIFA und dem europäischen Fußballverband UEFA um die Sicherheit der Gästeklubs fürchtete, während arabische Teams stets in ihren jeweiligen Ländern spielen durften;
  • die englischen Vereine Bolton Wanderers und West Ham United ihre israelischen Spieler nicht mit zu Trainingsspielen nach Dubai nehmen.

Wie schön, dass inmitten dieses Meers von Unsinn eine Oase schwimmt, auf der auch der weltbeste Kicker zu wohnen scheint. Das finden Sie zu pathetisch formuliert? Mag sein. Aber manchmal wird die Leidensfähigkeit ja auch arg strapaziert. Da ist man froh um jeden, der wenigstens im Rahmen seiner Möglichkeiten Vernunft walten lässt.

Übersetzungen: Liza, Hattips: The Editrix und Si Vis Pacem, Para Bellum

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