Die rasenden Reporter

Na, das ist doch mal was, auch wenn es reichlich spät kommt: Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) haben sich gestern in einer gemeinsamen Stellungnahme scharf gegen das Ansinnen gewandt, auf äußeres Drängen oder qua Selbstzensur den Abdruck islamkritischer Berichte und Cartoons in den Medien zu unterlassen. Insbesondere kritisierten die beiden Organisationen die Strafanzeige der Union of European Turkish Democrats (UETD) gegen die Tageszeitung Die Welt, die die Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung Jyllands Posten veröffentlicht und verteidigt hatte. DJV und VDZ forderten die zuständige Staatsanwaltschaft Köln auf, das Verfahren gegen das Blatt unverzüglich einzustellen. In einer Meldung der Presseagentur ddp hieß es dazu:

„Der Zeitschriftenverband VDZ wertete die Strafanzeige der UETD als ‚Einschüchterungsversuch mit dem Ziel, Journalisten und Redaktionen bereits im Vorfeld von einer möglichen Berichterstattung abzuhalten’. Der von Anhängern des Islam verehrte Prophet Mohammed sei letztlich eine Figur des religiösen und somit öffentlichen Lebens, über die im Rahmen der vom Bundesverfassungsgericht gesteckten Grenzen berichtet werden dürfe, erklärte der Verband. Medienanwalt Johannes Weberling riet Verlagen, sich gegen ein absolutes Verbot der Berichterstattung zu wehren. Weberling sagte, die Häuser sollten sich das Vorgehen der UETD und anderer islamischer Vereinigungen nicht bieten lassen und dagegen vorgehen. Eine wahrheitsgetreue Berichterstattung über Ereignisse des öffentlichen Lebens müssten auch gläubige Menschen grundsätzlich hinnehmen. Auch der DJV vertrat die Auffassung, der Abdruck der umstrittenen Karikaturen sei ‚journalistisch sauber’.“

Sie wundern sich ob solch deutlicher Worte? Sie wundern sich zu Recht. Natürlich gibt es eine solche Erklärung nicht. Der DJV hatte vielmehr Anfang Februar den Abdruck der Propheten-Cartoons gerügt: „Veröffentlichungen in Wort und Bild, die das sittliche oder religiöse Empfinden einer Personengruppe nach Form und Inhalt wesentlich verletzen können, sind mit der Verantwortung der Presse nicht zu vereinbaren.“ Die Zeitung Die Welt hätte nach Ansicht der Verbandes darauf achten müssen, „dass sie nicht gegen muslimische Grundsätze verstößt“. Von nennenswerten Protesten gegen diese skandalöse Form zensorischen Wirkens ist nichts bekannt.

Die zitierte Meldung des ddp ist trotzdem echt – zumindest fast. Es wurden lediglich ein paar Wörtchen ausgetauscht: In der Nachricht ging es nicht um Propheten-Cartoons, sondern um die anstehende Hochzeit Günther Jauchs, und nicht um eine türkische Vereinigung, sondern um die Anwälte des Fernsehmoderators, die per Schreiben an die Medien wissen ließen, dass ihr Mandant keine fetten Lettern in der Presse über seine Eheschließung wünsche. Das war es, was der Zeitschriftenverband einen „Einschüchterungsversuch mit dem Ziel, Journalisten und Redaktionen bereits im Vorfeld von einer möglichen Berichterstattung abzuhalten“ nannte.

Vermutlich kann er dabei durchaus auf die Zustimmung des deutschen Publikums zählen. Es sei dahin gestellt, ob das gleich auf die Barrikaden steigt, wenn ihm die Schmonzette um seinen Millionärmacher vorenthalten wird. Aber die Empörung wird absehbar größer sein als darüber, dass sich nur wenige trauten, die Jyllands Posten-Bilder zu bringen, und noch mehr der Meinung waren, dem islamistischen Mob auch noch Verständnis zollen zu sollen.

Dabei ist die Sache so leicht: Auf blasphemische Einlassungen sollte man bestehen. Aber ohne Jauch geht’s auch.

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