Traum-Tänzer

Wenn man hierzulande einen braucht, den man als Kronzeugen vorschicken kann, um Israel an den Pranger zu stellen, schreit einer meist als Erster „Ich!“: Uri Avnery. Nicht nur das Wochenblatt Freitag lässt ihn daher immer gerne zu Wort kommen:

„Der bemerkenswerteste Vorgang der gegenwärtigen Wahlkampagne in Israel ergibt sich aus einem Wort, das in ihr nicht vorkommt: das Wort ‚Frieden’.“

Erwischt! Mal wieder! Während die Hamas endlich den Judenmord demokratisiert, geben sich andere immer noch bockig und stur:

„Was sagt das über die israelische Öffentlichkeit im Jahr 2006 aus? Es besagt, dass die große Mehrheit der jüdischen Israelis nicht an Frieden glaubt. Frieden wird als Traum wahrgenommen, als etwas, das nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Eine Partei, die über Frieden spricht, gerät in den Verdacht, in einer Phantasiewelt zu leben. Noch schlimmer, man könnte vermuten, sie liebe die Araber. Was könnte entsetzlicher sein?“

Dass zu einem solchen „Frieden“ durchaus zwei gehören, weiß der alte Kämpfer natürlich auch. Da er aber die eine Seite gar nicht verdächtigt, etwas anderes zu wollen als ein harmonisches Zusammenleben mit ihren jüdischen Nachbarn, muss es halt, wie gehabt, die andere sein, die die Verwirklichung des „Traums“ beständig sabotiert:

„Woran aber glauben die Israelis? Sie wollen einen jüdischen Staat mit einer jüdischen Mehrheit, die so groß wie nur irgend möglich sein soll. Darin besteht Übereinkunft zwischen allen jüdischen Parteien. Sie glauben daran, die endgültigen Grenzen Israels unilateral festschreiben zu können, ohne mit den Palästinensern zu reden. Die haben, wie jedermann weiß, soeben die Hamas gewählt und wollen uns ins Meer werfen.“

Was Avnery natürlich nicht ernst nimmt, wo doch die wirklichen Terroristen im israelischen Staatsapparat sitzen, ganz Palästina eine einzige Friedensbewegung ist und höchstens ab und zu mal die Stube ausfegen muss, wie der wackere Völkerverständiger weiß: „Wer seine Kameraden an eine feindliche Besatzung ausliefert, ist ein Verräter und wird umgebracht.“ Da sekundiert der künftige palästinensische Innenminister Sa’aid Siam mit dem größten Vergnügen:

„Wir werden niemals einen Palästinenser wegen seiner politischen Zugehörigkeit oder weil er sich der Besatzung widersetzt festnehmen. Ich bin nicht in die Regierung gegangen, um die sicherheitsrelevante Zusammenarbeit wiederzubeleben oder die Siedler und die Besatzung zu schützen. Ich bin beigetreten, um unsere Leute und unsere Kämpfer zu schützen.“

Die neue Regierung unter Hamas-Führung werde nicht nur von der Verhaftung von Terroristen absehen, sie werde sogar versuchen, die antiisraelischen Aktivitäten der verschiedenen Organisationen zu koordinieren, umriss Siam den Plan:

„Gespräche mit den verschiedenen Splittergruppen werden in der Zukunft in den Apparaten stattfinden, in entschiedener Art und Weise und zur rechten Zeit.“

Auf die Splittergruppe Avnery kann die Hamas dabei zählen. Vielleicht zahlt sie ihm sogar ein Beraterhonorar; mit den Zuwendungen der EU müsste da ja ein bisschen was zu machen sein. Möglicherweise lässt sie ihm aber auch seinen Posten als Korrespondent der antiimperialistischen Kampfpresse, damit er dort weiterhin zuverlässig die antiisraelische Propaganda befeuern kann. Als Botschafter des Friedens, versteht sich. Weil über den in Israel ja niemand reden will. Außer Uri, versteht sich.

Hattip: Doro

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