Game over, Pulheimer Krauts?

In Pulheim-Stommeln herrscht tiefe Betroffenheit. Nicht, weil man dort eingesehen hätte, was für eine widerwärtige, obszöne Angelegenheit die lokale Synagogengaskammer ist. Sondern weil die Enttäuschung tief sitzt, dass man sie bis auf Weiteres nicht mehr betreten können wird: Das, was nicht nur der Kölner Stadt-Anzeiger in völliger Verkennung ihres degoutanten Charakters eine „umstrittene Kunstaktion“ nennt, wurde von der Pulheimer Stadtverwaltung erst einmal dicht gemacht. Warum? Darum: „Man habe sich dazu auf Anregung der Kölner Synagogengemeinde entschlossen. Sie hatte ihrerseits von großen Protesten in Israel und den USA gegen die Installation des spanischen Künstlers Santiago Sierra berichtet.“ Auch Ralph Giordano hatte diese Niederträchtigkeit scharf kritisiert.

Es ist wie immer: Während der Mob sich kaum halten kann, sind es eine jüdische Einrichtung, ein Shoa-Überlebender und Menschen aus den beiden Ländern, in denen die Vernunft noch ein festes Zuhause hat, die ihre Stimme erheben müssen, bevor hier auch nur irgendjemanden der Anflug einer Ahnung streift, was für ein antisemitischer Dreck sich wieder zugetragen hat. Jede Wette: Genau diese Tatsache wird – ebenfalls as always – dazu führen, dass sich der Pöbel ums Vergnügen des Shoa-Business geprellt fühlt und dafür die üblichen finsteren Mächte – Juden, Amis und die ganze andere Mischpoke – verantwortlich macht, unter deren Knute er sich glaubt.

Ausgestanden ist die Angelegenheit aber noch nicht: Sierra droht mit seinem Kommen und geht, wie ein Sprecher des Provinznestes nahe Köln verlautbaren lässt, „davon aus, dass er die Kritiker von seinem Projekt überzeugen kann“. Auch Bürgermeister Karl August Morisse kann die Aufregung überhaupt nicht verstehen, wie der Stadt-Anzeiger vermeldet: „Eher wäre man auf Proteste aus ‚Täterkreisen’ eingestellt gewesen. Er und die übrigen Kulturverantwortlichen der Stadt begriffen nicht, dass dies eine Beleidigung der Opfer sein solle.“ Recht hat hingegen eine städtische Kultur-Mitarbeiterin, allerdings ungewollt: „Die Kammer provoziert die Reaktion, die jeder in sich hat!“ Das kann man wohl sagen.

Hattip: Doro

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