Humanitärer Makel

Es war abzusehen, dass die Hamas nach dem glorreichen Tausch zweier Särge gegen fünf quicklebendige Terroristen, den ihre Kameraden von der Hizbollah am Mittwoch ausgiebig gefeiert haben, Blut geleckt hat. Schließlich besitzt sie mit dem israelischen Soldaten Gilad Shalit ein echtes Faustpfand. Doch die bislang mit dessen Einlösung betrauten ägyptischen Gesandten spuren offenbar nicht so, wie die Gotteskrieger es gerne hätten:

„Die Ägypter haben gezeigt, dass sie unfähig sind, genügend Druck auf Israel auszuüben, um unsere Forderungen durchzusetzen“, sagte ein Vertreter der Hamas. Ein anderer äußerte, die Hamas habe den Eindruck, dass die Ägypter „eher auf der Seite Israels stehen als auf unserer. Wir erwarten von unseren ägyptischen Brüdern, dass sie in den Gesprächen über Shalit die Interessen aller Araber vertreten. Aber wir scheinen ihnen egal zu sein.“

Derlei Gleichgültigkeit kann man den Deutschen weiß Allah nicht nachsagen, und deshalb bekommt der Bundesnachrichtendienst nicht nur den verdienten Beifall von der richtigen Seite, sondern auch gleich den Auftrag, die erwähnten „Interessen aller Araber“ wahrzunehmen:

Am Donnerstag sagten einige Hamas-Vertreter, sie glaubten, dass deutsche Vermittler effektiver darin seien, einen Gefangenenaustausch mit Israel einzufädeln. Osama Hamdan, der Repräsentant der Hamas im Libanon, bestätigte, dass der Wunsch in seiner Bewegung wachse, die guten Dienste der Deutschen zu beanspruchen. Bislang habe es jedoch noch keine offiziellen Bemühungen gegeben, die Ägypter durch Deutsche zu ersetzen. Die Hamas habe allerdings auch keine Eile mit dem Fall Shalit, sagte Hamdan. „Wir wollen einen gerechten und fairen Deal, um das zu erreichen, was wir wollen.“

Nämlich die Freilassung von 1.000 Gefangenen im Austausch gegen Shalit. Nicht mehr und nicht weniger. Ein klarer Fall also für den selbst ernannten „ehrlichen Makler“ und einen von ihm zu beauftragenden „Mr. Hamas“, findet auch die Terrorbande, denn sie weiß, auf wen mehr Verlass ist als auf die Verräter aus Ägypten:

„Der Hauptgrund, warum der Handel mit der Hizbollah erfolgreich war, liegt darin, dass der deutsche Vermittler objektiv und fair war“, hieß es auf einer Website der Hamas. „Die ägyptischen Vermittler, die die indirekten Gespräche zwischen der Hamas und Israel abwickeln, sind nicht ehrlich. Sie versuchen, die israelischen Forderungen zu erfüllen, indem sie Druck auf die Palästinenser ausüben und deren schlechten Lebensumstände ausnutzen, die aus der Besatzung resultieren.“

„Israelische Forderungen zu erfüllen“ oder „Druck auf die Palästinenser auszuüben“, das fiele den Deutschen ganz sicher nicht ein. Hinterher wird die Bundesregierung zweifellos wieder zufrieden verkünden, Deutschland habe „Brücken zu beiden Seiten bauen können“ und werde auch weiterhin „auf humanitäre Lösungen dringen“. So humanitär, wie der Tausch von tausend Terroristen gegen einen Soldaten eben ist.

Übersetzung: Lizas Welt

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