Ein Mordsspaß

Für Satiriker, Karikaturisten und Kabarettisten bieten die Weltläufte eigentlich Stoff genug. Problematisch wird es jedoch immer, wenn die Realität ihre Parodie überholt: Verfremdungen und Überzeichnungen wirken dann oft substanzlos, weil sie gar keine mehr sind. Dementsprechend schwer haben es daher beispielsweise Künstler, die sich der Hamas annehmen, denn die tut wirklich eine Menge, um die Humorbranche lahm zu legen – nicht obwohl, sondern gerade weil alles, was sie unternimmt, ihr im Wortsinne heiliger Ernst ist. Hinzu kommen die deutschen und europäischen Reaktionen auf dieses Terrorracket, die das Drehbuch des Kuriositätenkabinetts erst zur Vollendung bringen, weil sie längst dessen Teil sind. Wenn etwa die Israel-Korrespondentin des Spiegel schreibt, der Gazastreifen habe sich nach der Machtübernahme durch die Hamas in ein wahres Naherholungsgebiet verwandelt, oder die Süddeutsche Zeitung zu dem Schluss kommt, die Gotteskrieger wollten sich für die „Befreiung“ eines Israelis „einsetzen“, den sie selbst in Geiselhaft genommen haben, dann sind das bereits nahezu unübertreffliche Pointen. Es spricht Bände, dass derlei Komik nicht mehr das Metier der qua Profession dafür Zuständigen ist, sondern als seriöse Handlungsmaxime daherkommt.

Also geht das Sommertheater der Hamas weiter, und es hielt in den letzten Tagen erneut zahlreiche Höhepunkte bereit. Eine kleine Auswahl aus dem Spielplan:

„Eine vor zwei Jahren aus dem Zoo in Gaza entführte Löwin ist unversehrt wieder aufgefunden worden. Die Polizei der den Gazastreifen kontrollierenden Hamas befreite das Tier namens Sabrina nach eigenen Angaben am Montag aus den Händen eines einflussreichen Familien-Clans. Die Löwin war kurz nach ihrer Ankunft aus Ägypten im Alter von zarten drei Monaten entführt worden. Nun wurden die Entführer nach Hamas-Angaben mit Waffengewalt gezwungen, das Tier wieder herauszugeben.“

Nach Alan nun also Sabrina. Und da heißt es immer, es gebe keine Geschlechtergerechtigkeit im Islam. Eine israelische Löwin hingegen würde man vermutlich entweder als zionistische Okkupantin terminieren oder als Faustpfand handeln, das man nur im Tausch gegen die Freilassung von 250 palästinensischen Raubtieren aus israelischen Zoos herausrückt. Doch die Hamas hat noch mehr in petto:

„Das Finanzministerium der Hamas verhinderte am Montag die Einfuhr von israelischem Obst und Gemüse in den Gazastreifen. […] Die Entscheidung der Hamas wird es Palästinensern erschweren, Obst und Gemüse auf dem Speiseplan zu behalten, vor allem solches, das nicht in Gaza wächst.“

Hört man nicht immer, im Gazastreifen drohten die Menschen Hungers zu sterben, weil der Landstrich allenthalben boykottiert werde? Scheint so arg dann doch nicht zu sein; vielleicht ist der Vorrat an Konserven ähnlich groß wie der an Waffen und Munition. Aber selbst wenn nicht – auch mit leerem Magen kann man eine Menge Fez haben, vor allem in jungen Jahren:

„Die Terrororganisation Hamas hat für die Kinder Gazas eine besondere Beschäftigung für den Sommer vorbereitet – Terror-Sommerlager. ‚Kommt zu den Sommerlagern für Islam, Religion und Spaß’, lädt die Organisation die Kinder und Jugendlichen ein – und sie kommen in Massen. Neben einem Besuch im Zoo beinhaltet der versprochene Spaß auch Schießübungen, Auseinanderlegen und Zusammenbauen von Waffen und Grundkenntnisse im Umgang mit Sprengkörpern. Das Sommerprojekt der Hamas, das unter dem Namen ‚Freiheit für die Gefangenen’ läuft, hat vor etwa zehn Tagen begonnen. Dutzende Sommerlager sind über den gesamten Gaza-Streifen verteilt, für jedes wurden wiederum einige Dutzend Kinder, ‚rekrutiert’. Insgesamt beteiligen sich Hunderte, wenn nicht Tausende von palästinensischen Kinder an den Wehrlagern. Die Sommerlager der Hamas finden in Moscheen und religiösen Schulen statt, abseits des Blickfelds der Medien, denen verboten ist, über das, was drinnen vor sich geht, zu berichten. Überhaupt wird streng darauf geachtet, dass über die genauen Inhalte der Schulungen nichts nach draußen dringt.“

Früh übt sich, weiß der Volksmund, und manchmal hat er sogar Recht. Jetzt muss die Hamas nur noch darauf achten, dass die Kurzen die Parole „Freiheit für die Gefangenen“ nicht gar zu wörtlich nehmen und Sabrina im Übereifer ihren neuen Käfig zerdengeln oder beim Herumexperimentieren mit Hochexplosivem die Wehrlager versehentlich um ihre Minarette erleichtern. Vitaminmangel macht bekanntlich unkonzentriert. Aber Humor ist nun mal, wenn man trotzdem lacht.

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