Prost Mahlzeit!

Es gibt viele Gründe, auswärts zu speisen: Der Kühlschrank ist leer, die Vorräte sind vergammelt, die Lust zu kochen tendiert gegen null (und die zum Abwaschen in den Minusbereich), oder man hat schlicht mal wieder das sinnliche Bedürfnis, es sich in gepflegtem Ambiente gut gehen zu lassen. Dank der Globalisierung steht inzwischen ja eine veritable gastronomische Auswahl zur Verfügung, wobei die Restaurants auf immer außergewöhnlichere Ideen verfallen, um ihren Gästen einen Besuch, sagen wir, schmackhaft zu machen: Die einen werben mit Gutscheinen, die nächsten mit Happy Hours oder All you can eat, und wieder andere versuchen, bereits mit der Namensgebung ihres Etablissements Aufsehen zu erregen. Einem ist genau das jetzt besonders nachhaltig gelungen – nicht in München oder Mailand, sondern im indischen Mumbai, einer der bevölkerungsreichsten Städte der Welt, die bis 1995 Bombay hieß: Hitler’s Cross (Hitlers Kreuz) taufte er seinen Laden (Foto) – Werbeslogan: „Von kleinen Bissen zu Megafreuden“ –, und damit erst gar keine Missverständnisse aufkommen, ziert das „o“ in „Cross“ ein großes Hakenkreuz, und im Eingangsbereich prangt(e) ein großes Führerporträt. Nach heftigen Protesten will das Lokal nun seinen Namen ändern.

Dabei hatte sich Restaurantchef Puneet Sabhlok von den ablehnenden Reaktionen zunächst völlig überrascht gezeigt. Er habe nicht für den schlimmsten Massenmörder der Geschichte werben wollen; seine Gemeinsamkeit mit diesem bestehe lediglich darin, „dass er die Welt mit Gewalt erobern wollte, und ich das mit dem Essen und dem Service, den ich biete, machen will“. Man mag sich lieber nicht vorstellen, wie das im einzelnen vonstatten gehen sollte, und es ist auch nicht überliefert, ob auf der Speisekarte etwa ein Führercocktail oder ein Chicken-Curry Eva angeboten wurden; die Saucen zumindest dürften ziemlich sicher durchweg eine der Gesinnung des Namenspatrons entsprechende Farbe gehabt haben. Ein Anwohner sagte dem Nachrichtensender NDTV, man habe sich über die Werbung vor der Eröffnung der Gaststätte gewundert, in der es geheißen habe: „Hitler kommt“. Die jüdische Gemeinde Mumbais, mit etwa 4.500 Mitgliedern die größte in Indien, beließ es nicht beim Staunen, sondern erwog, juristisch gegen Sabhlok vorzugehen. Und der israelische Generalkonsul in Mumbai, Daniel Zonshine, berichtete der Times of India, er habe Anrufe besorgter Juden aus der ganzen Welt bekommen.

Sabhlok kümmerte das zunächst wenig. Er ließ zwar das Hitler-Bild im Eingang entfernen, kündigte ansonsten jedoch an, den Namen rechtlich schützen lassen und ihn unter keinen Umständen zu ändern. Vielmehr plane er, zwei weitere Restaurants in der Stadt zu eröffnen. Doch die Proteste nahmen zu, auch aus dem Ausland. „Die Nazi-Symbolik entwürdigt die Erinnerung der Opfer und ist ein schlechter Dienst an den Menschen in Bombay, indem sie die Schrecken des Holocaust verharmlost“, kritisierte beispielsweise die US-amerikanische Anti-Defamation League. Schließlich traf sich der Lokalbesitzer mit Vertretern der jüdischen Gemeinde Indiens und beendete anschließend seine Bockigkeit. Er habe nicht gewusst, dass sein Einfall die Menschen derart verstöre, gab sich Sabhlok naiv. „Wir wollten einfach einen anderen Namen und gute Werbung. Das ist der Hauptgrund“, rechtfertigte er sich. „Als sie mir jedoch sagten, wie aufgebracht sie wegen des Namens gewesen seien, habe ich entschieden, ihn zu ändern. Ich wollte nie Streit hervorrufen oder Geschäfte mit dem Verletzen von Menschen machen.“ Die jüdische Gemeinde Mumbais begrüßte die Entscheidung: „Er hat verstanden, dass er einen Fehler gemacht hat, und er hat die Gründe dafür eingesehen. Manche Leute haben falsche Vorstellungen von der Geschichte, und er hat begriffen, dass das nicht angemessen war“, sagte Elijah Jacob, ein Vertreter des Vorstands.

Vielleicht sollte man das auch den Betreibern eines Geschäftes im italienischen Jesolo stecken, in dem ein Camper im Juli dieses Jahres „Hitler-Bier“ entdeckte (Foto rechts), das auf den Namen „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ getauft worden sei. Nicht auszuschließen, dass dieses Gebräu ein echter Exportschlager wird – beispielsweise zur Verköstigung von NPD-Kadern bei Gesprächen mit islamistischen Gesinnungsgenossen über Reinheitsgebote oder während ihrer Parteitage, die demnächst möglicherweise in Delmenhorst stattfinden werden. Dort steht ein großes Hotel leer, das der Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger zu erwerben plant. Um das Vorkaufsrecht der Stadt zu umgehen, erwägen die bisherigen Besitzer eine Schenkung der Immobilie an den rechtsextremen Juristen. Gegen das prospektive Nazi-Schulungszentrum protestiert jedoch nicht nur die Delmenhorster Verwaltung; auch viele Bewohner sind damit nicht einverstanden. Um Rieger den Kauf des Gebäudes streitig zu machen, hat eine lokale Initiative bereits 830.000 Euro gesammelt. Eine Entscheidung über den Besitzerwechsel soll nächste Woche fallen.

Hattips: Nasrin Amirsedghi, Olaf Kistenmacher, Spirit of Entebbe

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