Das Narrenschiff

Der Mensch an sich, er ist edel, hilfreich und gut. Ausnahmen bestätigen die Regel und kommen aus Israel. So in etwa lässt sich das Selbstverständnis von Free Gaza zusammenfassen, einer „Menschenrechts“-Organisation mit Sitz in Kalifornien, die wild entschlossen ist, in das Land ihrer Träume vorzudringen: „Wir haben versucht, auf dem Landweg in Palästina einzureisen. Wir haben es auf dem Luftweg versucht. Dieses Mal ist es uns ernst: Wir nehmen ein Schiff.“ Genauer gesagt sogar zwei, denn die Absichten sind so unbescheiden nicht: „Wir wollen den Belagerungszustand von Gaza durchbrechen. Wir wollen das internationale Bewusstsein aufrütteln über die gefängnisartige Absperrung des Gazastreifens, und wir wollen Druck auf die internationale Gemeinschaft ausüben, damit sie ihre Sanktionspolitik überdenkt und den israelischen Besatzern ihre fortlaufende Unterstützung entzieht.“ Zu diesem fürwahr noblen Behufe setzen sich dieser Tage knapp fünfzig Leute in Bewegung, darunter eine Nonne, „Überlebende der palästinensischen Nakba“ und des Holocaust (was ja praktisch dasselbe ist) sowie Tony Blairs Schwägerin. Ihr Ziel: die Anlegestelle von Gaza (Foto).

Eine illustre Runde also, die da plant, „den geschlossenen Hafen zu passieren, mit den Fischern auf Fischfang zu gehen, in den Krankenhäusern zu helfen und in den Schulen zu arbeiten“. Die Hamas dürfte die Ankunft der rührigen Boat People schon sehnsüchtig erwarten. Denn um Fischer, Schulen, Krankenhäuser etc. kann sie sich gerade nicht kümmern, weil sie vollauf mit anderen Dingen beschäftigt ist, vor allem damit, die Konkurrenz von der Fatah fertig zu machen, die sich umgekehrt ebenfalls nicht zweimal bitten lässt. Deshalb wird auch das Geld irgendwann mal knapp. Zwar sind die Palästinenser pro Kopf die größten Empfänger ausländischer Hilfe weltweit, aber die Kohle wird von ihren Führern halt dringend für Munition, Raketen und anderes scharfes Zeug gebraucht. Da kommt so ein bisschen Entlastung gerade recht, natürlich auch in propagandistischer Hinsicht.

Sollte Israel die Kähne stoppen, wird das Geschrei der Schiffsbesatzungen zweifellos groß sein. Dabei müssten die energischen Streiter gegen Hunger, Belagerung & Gefangenschaft nicht einmal unverrichteter Dinge wieder die Rückreise antreten, sondern ihr Engagement bloß in den Westsudan verlegen, wo es wirklich gebraucht würde. (Dass man da mit dem Schiff nicht ohne Weiteres hinkommt, wäre nicht das entscheidende Hindernis.) Warum aus „Free Gaza“ trotzdem niemals „Free Darfur“ werden wird? Weil man für die katastrophale Lage in Darfur nicht Israel verantwortlich machen kann. Der Mensch an sich, er ist eben doch nicht so edel, hilfreich und gut, wie er immer tut. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Hattip: Spirit of Entebbe

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