Volltreffer der „Gunners“

Der Arsenal Football Club ist einer der allerersten Adressen des englischen Fußballs. 1886 gegründet, spielt der Klub aus dem nördlich des Zentrums gelegenen Londoner Stadtteil Islington seit 1919 in der höchsten englischen Liga – eine Bilanz, die kein anderer Verein auch nur annähernd erreicht. 13 Mal wurde Arsenal englischer Meister – zuletzt vor knapp zwei Jahren –, und Nick Hornby ließ die Gunners als Fan in seinem grandiosen Buch Fever Pitch zu feinster Prosa werden.

Nun hat Arsenal den zahlreichen Volltreffern in seiner Geschichte einen weiteren folgen lassen und in Zeiten, in denen der Boykott Israels – auch in Großbritannien – zur schlechten Normalität gehört, ein ausgesprochen erfreuliches Signal gegeben. Am vergangenen Wochenende hat seine Klubführung nämlich einen zunächst zwei Jahre laufenden und mit umgerechnet 515.000 Euro dotierten Sponsorenvertrag mit dem israelischen Tourismusministerium geschlossen. Ab der kommenden Spielzeit werden bei Übertragungen von Spielen des Traditionsvereins im Fernsehen jeweils fünfminütige Spots gezeigt, mit denen Israel beworben wird; weitere Einblendungen soll es auf den 450 Bildschirmen im nagelneuen Stadion geben, das im August dieses Jahres eröffnet wird. Außerdem wird das Ministerium auf Arsenals Homepage Anzeigen schalten.

Eine gute Verbreitung dieser Werbung ist Israel dabei gewiss. Der Managing Director des Klubs Keith Edelman sagte, die Commercials erreichten Menschen in 198 Ländern. „Es gab 700 Millionen Zuschauer weltweit, als wir gegen Manchester United gespielt haben“, bilanzierte er weiter und ergänzte: „Fußball ist ein großartiges Produkt und wird Israel helfen, ein beliebteres Reiseziel zu werden.“ Zufrieden war auch Tourismusminister Avraham Hirchsohn: „Wir suchen einen neueren Marketing-Typ und haben England als Ziel gewählt.“ So werde einer der führenden Fußballvereine der Welt dabei behilflich sein, Israel „als bevorzugtes Reiseziel unter Millionen von Menschen in Großbritannien, Europa und der Welt bekannt zu machen“.

Die Selbstverständlichkeit, mit der die Gunners die Liaison mit dem jüdischen Staat suchten, ist bemerkenswert und überaus erfreulich. Denn bei der Vertragsanbahnung musste Arsenal erst noch eine Hürde nehmen: Sein neuer Hauptsponsor ist ab der Saison 2006/07 – wie bereits jetzt beim Lokalkonkurrenten Chelsea – die auch vom Weltfußballverband FIFA hofierte nationale Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, und dieser Staat unterhält bekanntlich aus den in der arabisch-islamischen Welt üblichen Gründen keine diplomatischen Beziehungen zu Israel. Nach der Fluglinie Emirates wird unter anderem jedoch die neue Arena des Klubs benannt sein, und der Slogan Fly Emirates wirbt dann auf den Trikots der Spieler für eine Inanspruchnahme dieses staatlichen Unternehmens. Arsenals Manager Edelman musste also erst das Plazet seiner arabischen Geschäftspartner einholen, doch die stimmten dem Deal zu. Andere werden die Abmachung zweifellos ohne jedes Bedenken begrüßen. Arsenal ist der von zahlreichen Londoner Juden bevorzugte Verein, mehr noch als die Tottenham Hotspurs.

Man mag in der Vereinbarung eine reine Geschäftsbeziehung zum Nutzen beider Seiten sehen, doch sie ist darüber hinaus noch in anderer Hinsicht wertvoll. Denn auch wenn die Antisemiten aller Länder sich wohl kaum davon beeindrucken lassen werden, wie schön das Land Israel ist, der Wahn also nicht durch Werbung niedergerungen werden kann: Von solchen Kontrakten geht immer auch ein politisches Signal aus, das vor allem deshalb eines wird, weil die (Nicht-) Beziehungen arabischer Staaten zu Israel in der Regel von ganz anderen Zielen geprägt sind als von der gewöhnlichen Profitmaximierung. Die erhoffte Rendite besteht in der Vernichtung. Und daher ist das, was als einfacher bürokratischer Akt erscheint, darüber hinaus ein schönes Zeichen.

Hattip: Spirit of Entebbe, Grafik: Liza

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