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Wohlstand wider Willen

7. September 2009 von Lizas Welt

Diesem hinterhältigen, verschlagenen, durchtriebenen Judenstaat ist aber auch gar nichts heilig. „Israel droht mit Selbstverteidigung“, enthüllte der Focus bereits im Januar 2006 auf unnachahmliche Weise den Skandal, dass die Israelis den atomaren Vernichtungsplänen des Iran nicht einfach tatenlos zusehen wollen. Und jetzt kommt es sogar noch dicker. Benjamin Netanyahu bringt den Palästinensern nämlich Prosperität, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet:

„Innerhalb eines knappen halben Jahres hat er der palästinensischen Wirtschaft zu einer Blüte verholfen. Zahlreiche Straßensperren der israelischen Armee wurden abgebaut, Einfuhrbeschränkungen aufgehoben, und zur jordanischen Grenze fuhr der Ministerpräsident sogar höchstselbst vor wenigen Wochen, um dort zu verkünden, dass die Öffnungszeiten für die Güterabfertigung stark ausgeweitet würden, um den Warenfluss zu beschleunigen. Selbst der Internationale Währungsfonds zeigt sich beeindruckt und prognostizierte im Juli dem Westjordanland sieben Prozent Wachstum für 2009 – die erste Verbesserung seit Jahren. Der Aufschwung reflektiere die Lockerung der israelischen Restriktionen, so die IWF-Experten. Hinter vorgehaltener Hand räumen hochrangige Palästinenser längst ein, dass der rechtsnationale Netanyahu in fünf Monaten mehr für die Verbesserung der Lebensverhältnisse getan habe als sein friedensbewegter Vorgänger Ehud Olmert in drei Jahren.“

Sieben Prozent Wachstum? Und das mitten in der Krise? Dahinter kann natürlich nur ein besonders abgefeimter Trick stecken – schließlich spielt der ökonomische Aufschwung Abbas & Co. nicht gerade in die Karten:

„Denn er läuft der Strategie der palästinensischen Führung völlig zuwider. Solange Netanyahu den Siedlungsbau im Westjordanland nicht stoppe und sich nicht bedingungslos zur Zwei-Staaten-Lösung bekenne, werde es keine neuen Friedensgespräche geben, lautet das Mantra in Ramallah. Die Palästinensische Autonomiebehörde erwäge sogar, von der EU Sanktionen gegen die Netanyahu-Regierung zu fordern, wenn der Siedlungsausbau nicht zum Stillstand komme, hieß es dazu am Freitag.“

Houston, Verzeihung: Ramallah, wir haben ein Problem: Unsere Feinde sorgen für Wohlstand und lähmen dadurch unseren Widerstand. Wir müssen aufhören, mit ihnen zu reden.

„Dennoch ließ sich Wirtschaftsminister Khoury diese Woche auf ein Treffen mit Israels Vizeregierungschef Silvan Shalom ein – das erste Gespräch auf Ministerebene seit dem Amtsantritt Netanyahus. Auf der Agenda standen weitere Verbesserungen für die palästinensischen Unternehmen. Als ‚rein technisch’ spielte Khoury die dreistündige Zusammenkunft in einem Jerusalemer Hotel anschließend hinunter, ‚ohne politische Bedeutung’. Khoury, der erst im Mai Wirtschaftsminister wurde, hat mit dem Pharmaunternehmen Pharmacare eine der erfolgreichsten Firmen im Westjordanland aufgebaut. Sie ist per EU-Zertifikat sogar berechtigt, für den europäischen Markt zu produzieren.“

Und jetzt? Wie sage ich’s dem Vater? Wie der Mutter? Wie der Geschwister siebenköpf’ger Schar?

„Auf keinen Fall will Khoury den Eindruck entstehen lassen, mit der israelischen Besatzung lasse sich doch ganz gut leben. ‚Palästinensische Unternehmer sind Krisenmanager’, betont Khoury stets. Denn es gebe eine Regierung, aber keinen Staat. Die Unternehmen müssten Vorschriften befolgen, hätten aber keine rechtsstaatlichen Garantien. Ihr Ansprechpartner sei die Autonomiebehörde, doch Israel bestimme am Ende, was ein- und ausgeführt werden dürfe.“

Was nicht eingeführt werden darf: Waffen, Munition und anderes Kriegsspielzeug. Was nicht ausgeführt werden darf: dito. Und das ist auch gut so. Im Kapitalismus zählt die Rendite, und wenn die Palästinenser samt ihrer Führung(en) irgendwann mal einsehen, dass die nicht im Judenmord besteht, werden sie sogar ihren eigenen Staat bekommen. Bis es so weit ist, werden sie sich mit wachsendem Wohlstand begnügen müssen. Ein hartes Schicksal natürlich. Schöne Grüße auch nach Gaza!

Zum Foto: Eine palästinensische Verkäuferin versieht in einem Supermarkt Waren mit einem Schild, auf dem „Unsere Produkte“ geschrieben steht. Ramallah, 2. August 2009.

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