• Home
  • Über Liza

Feeds:
Artikel
« Niederlage für die Judäophobie
One hit Integrationswunder »

Alpen-Absurdistan

13. November 2007 von Lizas Welt

Neues aus dem Land, in dem immer noch der Mythos gepflegt wird, man sei „das erste Opfer der Nazis“ gewesen: Das staatlich geförderte, rechtsradikale österreichische Wochenblatt Zur Zeit feiert seinen zehnten Geburtstag und erhält dabei herzliche Glückwünsche auch von der Sozialdemokratie, die ihrerseits das neueste Buch über die „Israel-Lobby“ vorstellen lässt, welches wiederum in einem Werbeprospekt von Zur Zeit neben anderen antisemitischen Schinken angepriesen wird. Der Bundesparteiobmann der FPÖ bekommt derweil von einem SPÖ-Politiker den Ritterschlag zum „aufrechten Deutschnationalen“.

Es war eine rauschende Party, die Zur Zeit kürzlich anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens feierte. Im österreichischen Fernsehen sah man Männer mit seltsamen Kopfbedeckungen und Schmissen im Gesicht, die in germanomanen Kreisen den Akademiker schmücken. Herbert Schaller, Rechtsbeistand von Neonazis und Redner bei der Teheraner Konferenz der Holocaustleugner im Dezember vergangenen Jahres, hielt eine Rede, und von seinem gleichgesinnten Kollegen David Irving wurde erst eine Videobotschaft an die Kameraden in Wien übermittelt, bevor man ihn auch schriftlich zu Wort kommen ließ (1). In der Jubiläumsausgabe der Zeitschrift zog Chefredakteur und Herausgeber Andreas Mölzer, der außerdem für die FPÖ im Europaparlament sitzt, kräftig vom Leder; er feierte sich und sein Propagandaorgan als Bastion der Pressefreiheit und attackierte die Gegner des Blattes. Der Journalist Karl Pfeifer beispielsweise wurde von ihm in bekannter antisemitischer Manier als „blinder Uralt-Schreiber aus dem Umfeld der israelitischen Kultusgemeinde“ diffamiert. (2)

Dennoch – oder gerade deshalb – ließen es sich zahlreiche Gratulanten nicht nehmen, dem Periodikum, das zunächst zwei Jahre lang die Österreich-Ausgabe der ultrarechten deutschen Zeitschrift Junge Freiheit war (3), herzlichste Glückwünsche auszurichten. Darunter war mit dem SPÖ-Mann Herbert Tumpel auch der Präsident der österreichischen Bundesarbeitskammer, an die jeder abhängig Beschäftigte seinen Pflichtbeitrag entrichten muss. „Ich schätze es, dass die ‚Zur Zeit’ auch darüber berichtet, was wir aus Sicht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sagen“, ließ Tumpel ausrichten. (4) „Aktuell muss weiter alles gegen die nach wie vor zu hohe Arbeitslosigkeit getan werden – und wenn es neue Arbeitsplätze gibt, müssen dafür vor allem die Jungen ausgebildet und Arbeitssuchende geschult werden. Darüber wünsche ich mir eine faire Berichterstattung. Alles Gute zum zehnjährigen Jubiläum!“ So geht er wohl, der nationale Sozialismus.

Auf genau 136.889 Euro und 44 Cent beläuft sich der Zuschuss, den die österreichische Regierung der Zeitschrift zwischen 2004 und 2006 im Rahmen der Presseförderung zukommen ließ, und auch in diesem Jahr wird die Faschopostille weiterhin staatlich subventioniert. Dieses Geld kann sie dabei nicht zuletzt in die Werbung und den Vertrieb ihres Buchdienstes stecken, den sie gemeinsam mit der ebenfalls rechtsradikalen Zeitschrift Aula betreibt. Im neuen Katalog (5) findet sich dabei so ziemlich alles, was der moderne Deutschnationale braucht, von antiamerikanischen Verschwörungstheorien zum 11. September und David Irvings Erlebnissen und Gedanken in österreichischen Kerkern über Eva Hermans Buch Das Eva-Prinzip bis hin zu antisemitischen Pamphleten wie Judenfragen von Claus Nordbruch, Die Holocaust-Industrie von Norman G. Finkelstein oder Blumen aus Galiläa von Israel Shamir alias Jöran Jermas (für das ausdrücklich mit dem Hinweis geworben wird, das Buch sei in Frankreich verboten und der Verleger zu einer Haft- und Geldstrafe verurteilt worden).

Und der Buchdienst preist noch ein weiteres Werk an, das die Herzen der Antisemiten jeglicher Couleur höher schlagen lässt, nämlich Die Israel-Lobby von John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt. Im dazu gehörigen Werbetext heißt es, die „renommierten Politologen“ zeigten, „dass die US-Außenpolitik zunehmend beeinflusst wird“, und zwar „von einem losen Verbund proisraelischer Organisationen und Personen“. Deren „mächtigste Waffe“ sei „der Vorwurf des Antisemitismus gegenüber denen, die es wagen, sich kritisch zu äußern“. Das sieht man allerdings längst nicht nur bei den Rechtsaußen so: „Die Autoren fordern eine objektive Debatte über die Politik Israels“, befindet auch das sozialdemokratische Renner-Institut, und es kommt zu dem Schluss: „Dass sie dafür wütend angegriffen werden, bekräftigt ihre Thesen.“ Einen guten Grund zur Kritik dieser Schmähschrift mit Tradition kann es nämlich gar nicht geben, denn: „Fundiert und kompetent zeigen sie [Mearsheimer und Walt], wie die Lobby, ein loser Verbund von Individuen und Gruppen, arbeitet und welche Erfolge sie bereits erzielt hat.“

Was Zur Zeit Recht ist, ist einer Einrichtung, die 1972 „von der SPÖ als Träger der politischen Bildungsarbeit nominiert“ wurde, also definitiv billig, weshalb sie just gestern in Wien diese Neuauflage der Protokolle der Weisen von Zion im Rahmen der Veranstaltungsreihe Voices from America vorstellen und diskutieren ließ. Aber vielleicht war das auch nur konsequent. Denn Karl Renner – der Namensgeber des Instituts, der von 1918 bis 1920 österreichischer Staatskanzler und nach dem Krieg Bundespräsident war – hatte 1938 dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zugestimmt und im August 1945 beteuert, die österreichischen Nationalsozialisten hätten doch recht eigentlich keinen Krieg gewollt, sondern „höchstens, dass man den Juden etwas tut“.

Bei so viel Einigkeit zwischen den Antiimps von links bis rechts wollte Caspar Einem nicht nachstehen. Schließlich wusste der Sohn einer geborenen von Bismarck und frühere Verantwortliche für den Geschäftsbereich Gas des österreichischen Mineralölkonzerns ÖMV schon immer, mit wem es die Deutschen und Österreicher eher nicht so gut können. Im Januar 2005 etwa warb der Präsident des Bundes sozialdemokratischer AkademikerInnen (BSA) in einem Interview mit Zur Zeit um Verständnis für die Weigerung der Sozialdemokraten, nach dem Zweiten Weltkrieg die jüdischen Intellektuellen ins Land zurückzuholen: Man habe halt „den Eindruck oder zumindest den Vorwurf vermeiden wollen, man wäre eine Judenpartei“. Und nun, kurz vor seinem Rückzug aus der Politik und seiner Rückkehr in die Wirtschaft, hatte er auch noch ein gutes Wort für den Bundesparteiobmann der FPÖ, Heinz-Christian Strache, übrig. Strache – von dem kürzlich noch ein Foto veröffentlicht wurde, auf dem er den so genannten Kühnen-Gruß entbietet – sei nämlich „ein aufrechter Deutschnationaler“, der anders als Jörg Haider halte, was ausgemacht worden sei. (6) Warum die SPÖ von Straches Partei dennoch die behaupteten „Welten trennen“ sollen, führte Einem nicht aus.

Gewiss: Sozialdemokraten sind keine Nazis. Aber warum das so ist, wissen sie bisweilen selbst nicht so genau. Vor allem nicht im Alpen-Absurdistan.

Anmerkungen:
(1) http://tinyurl.com/29wfjc
(2) Zur Zeit Nr. 43-44/07, S. 38
(3) http://tinyurl.com/29usum
(4) Zur Zeit Nr. 45/07, S. 17
(5) (Noch) nicht online verfügbar, liegt Lizas Welt jedoch vor
(6) Österreich, 13.10.2007

Herzlichen Dank an Karl Pfeifer für wertvollste Recherchen und Hinweise.

Teilen Sie dies mit:

  • Facebook
  • Twitter
  • E-Mail

Veröffentlicht in Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

  • neuzugänge

    • Pfaff und der PAOKenschlag
    • Achte Liga, siebenhundert Kilometer
    • Karneval der Empörten
    • An der Ilm, da gibt’s koa Sünd’!
    • Nice try, Verbraucherzentrale!
    • Recht und Gerechtigkeit
    • Warum Newt Gingrich Recht hat
    • Nachsicht mit dem Schläger
  • trainingsgelände

    Lizas Logbuch bei Tumblr

  • RSS gästeblock

    • • Gideon Böss: Antisemiten und edle Antisemiten
    • • Alan Posener: Mit solchen Freunden
    • • Stephan Grigat: Von Deutschland lernen
    • • The Warped Mirror: Same message, different mufti – the rhetoric of the 1940s in 2012
    • • Simone Dinah Hartmann: How sorry is Austria today?
    • • Henryk M. Broder: Wanderer im Nebel
    • • Botschaft des Staates Israel: Studie zur Wassersituation im Westjordanland
    • • Claudio Casula: Die Juden sind ihr Unglück
  • support

    Aktion Libero

  • die kurve

    Lizas Welt bei Facebook

  • stadionzeitung

    Lizas Welt bei SPOX

  • klatsch und tratsch

    Lizas Welt bei Twitter

  • tagesordnung

    • Fußball
    • Gastbeiträge
    • Politik
    • Verschiedenes
  • saisonziel

    Free Iran Now!

  • die stamm-elf

    • Böss in Berlin
    • Instant Coffee
    • Reflexion
    • Spielverlagerung
    • Spirit of Entebbe
    • Tapfer im Nirgendwo
    • Trainer Baade
    • tw_24:blog
    • Verbrochenes
    • WADI-Blog
    • Zum Blonden Engel

  • bandenwerbung

    Der Kleine Samstag

    Edition Critic

    Jungle World

    Achse des Guten

    Darvins Illustrierte

    Tilman Tarach

  • polit-prominenz

    • Antifa 3D Duisburg
    • Bahamas
    • Beatpunk Webzine
    • Berliton
    • Bonjour Tristesse
    • Botschaft des Staates Israel
    • Bündnis gegen Antisemitismus Leipzig
    • Café Critique
    • Caroline Glick
    • CEE IEH
    • Clemens Heni
    • Clemens Wergin
    • Commentary Magazine
    • Contentions
    • Eye on the UN
    • Gedenkstätte Auschwitz
    • Georg-Weerth-Gesellschaft Köln
    • Gerhard Scheit
    • Hamburger Studienbibliothek
    • haOlam
    • Henryk M. Broder
    • Honestly Concerned
    • Initiative Sozialistisches Forum
    • Jerusalem Zentrum
    • Jewish Virtual Library
    • Die Jüdische
    • Kritiknetz
    • Martin Blumentritt
    • Matthias Küntzel
    • Medienbeobachtungsstelle Naher Osten
    • MEMRI
    • Michael Totten
    • Mideast Freedom Forum Berlin
    • NGO Monitor
    • Ölbaum Verlag
    • Palestinian Media Watch
    • Prodomo
    • Prozionistische Linke
    • Richard Herzinger
    • Rote Ruhr Uni
    • Samuel Salzborn
    • Tobias Jaecker
    • UN-Watch
    • Yaacov Lozowick
    • WADI
    • War in Israel

  • fussball-prominenz

    • Bixente Lizarazu
    • Angedacht
    • Arsenal Football Club
    • Ballsportartisten
    • Bayern Report
    • Baziblogger
    • Bristol Rovers
    • Direkter Freistoß
    • Fabulous Sankt Pauli
    • FC Bayern München
    • Fehlpass
    • Freitagsspiel
    • Fritten, Fussball & Bier
    • Indirekter Freistoß
    • Laughing Ball
    • Maccabi Tel Aviv
    • Makkabi Berlin
    • Martin Krauß
    • Probek
    • Spielbeobachter
    • SportsWire
    • The Turbulent World of Middle East Soccer
    • Tottenham Hotspur F.C.
    • Ultras RB Leipzig
    • Unrund
    • Wembley 1966
    • Zonal Marking

  • blogger-prominenz

    • [a:ka] Göttingen
    • Aktionsbündnis gegen Wutbürger
    • Antibürokratieteam
    • Association Antiallemande Berlin
    • Aufmacher
    • Band of Brothers
    • Beer Sheva
    • Bluthilde
    • Bündnis gegen Antisemitismus Duisburg
    • Castollux
    • Clarification of fact
    • Classless
    • Δfoxtrot
    • Die Welt ohne uns
    • Endi
    • EuropeNews
    • Fidelches Cosmos
    • Florisdumal
    • Gay West
    • Gegenkritik
    • Gruppe Georg Elser
    • Gruppe Monaco/Verein freier Menschen (AO)
    • Hector Calvelli
    • Heplev
    • Honest Reporting Deutsch
    • I love Graffiti
    • Iran Baham Blog
    • Jennifer Nathalie Pyka
    • Junesixon
    • Kommentar der Woche
    • Letters from Rungholt
    • Lindwurm
    • Nichtidentisches
    • No Blood For Sauerkraut
    • PatschBella
    • Politplatschquatsch
    • Primaverablog
    • Pro Zion NRW
    • Rebelarmycork’s Blog
    • Rheingold
    • Roncesvalles
    • Schlamassel
    • Sendungsbewusstsein
    • Shutdown Köln
    • Si Vis Pacem, Para Bellum
    • Stadtneurotiker
    • Süddeutsche-Watchblog
    • The Dry Bones
    • The Elder of Ziyon
    • The Strange Case of Andre Bloch
    • Thomas M. Eppinger
    • Torsun
    • UnderTakeThisLaw
    • USA erklärt
    • Zeitung für Schland
    • Zettels Raum

  • rahmenprogramm

    • Axel Knappmeyer
    • Crocs
    • Deppenleerzeichen
    • Egotronic
    • Endearment Revolutionary Boygroup
    • Gary Brolsma
    • Jewlarious
    • Katz & Goldt
    • Klaus Kauker
    • Moderne21
    • Six Drummers
    • Stoooopid People
    • Sumpfpost
    • The Best Cigarette
    • Urban Soccer
    • Wir lieben Lebensmittel
    • Zuhause während der digitalen Revolution
    • Zwarwald

  • tradition

    Textsammlung zu 60 Jahren Israel

  • trends und themen

    Alfred Grosser Antisemitismus Champions League Deutschland DFB-Pokal Djihadismus Eike Geisel Fatah FC Bayern Free-Gaza-Flotte Gerd Buurmann Hagen Rether Hamas Henryk M. Broder Homophobie Hugo Chávez IHH Islam Islamophobie Israel Karikaturenstreit Klagemauer Köln Leon de Winter Linksjugend Linkspartei Mahmud Ahmadinedjad Manchester United Mavi Marmara Nationalsozialismus Neonazis Nine-Eleven Norman Paech Norwegen Palästinenser Schalke 04 Schiedsrichter Ulrike Putz Uno USA Weltmeisterschaft Wolfgang Benz Zentrum für Antisemitismusforschung Ägypten Österreich
  • auswärtsspiele

    • Lizas Welt: Waarom Newt Gingrich gelijk heeft (E.J. Bron)

  • • Lizas Welt: De Egyptische patiënt (Artikel 7)

    • Lizas Welt: „De meeste Noorse Joden reageren met angst“ (Amsterdam Post)

    • Lizas Welt: Trouw tot in de dood (Artikel 7)

    • Lizas Welt: Deze verdomde Joden! (Artikel 7)

    • Lizas Welt: Europa’s wapenbroederschap (Artikel 7)

    • Lizas Welt: Een Zweed een Zweed noemen (Het Vrije Volk)

    • Lizas Welt: Pallywood revisited (Loor Schrijft)

    • Lizas Welt: No risk, much fun (Het Vrije Volk)

    • Lizas Welt: De tandpasta van de wijzen van Sion (Artikel 7)

    • Lizas Welt: No pasaran! (Amsterdam Post)

    • Lizas Welt: Mijn vriend, de boom (Loor Schrijft)

    • Lizas Welt: A man with a plan (Artikel 7)

    • Lizas Welt: Дилемата на критиката срещу исляма (Либерален Преглед)

    • Lizas Welt: Durban reloaded (EuropeNews)

    • Lizas Welt: Linkse Israëlische sociologe ontmaskert het Israëlische leger (Het Vrije Volk)

    • Lizas Welt: German Rappers Steeped in Anti-Semitism, Jihad (Pajamas Media)

    • Lizas Welt: Tragicomedy in the Bavarian Alps (American Thinker)

  • heute in hochform

    • Über Liza
    • Pfaff und der PAOKenschlag
    • Karneval der Empörten
    • Achte Liga, siebenhundert Kilometer
    • Warum Newt Gingrich Recht hat
    • Kabarette sich, wer kann!
    • An der Ilm, da gibt’s koa Sünd’!
    • Der Jürgen Klopp der deutschen Ideologie
  • saisonrückblick

  • beifall und pfiffe

    E-Mail an Lizas Welt

  • Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, bitte hier die E-Mail-Adresse eingeben:

  • zuschauerzahlen

    Besucherstatistik

    Besucher seit dem 5.8.2010

  • lizenzvergabe

    Creative Commons 3.0

  • Bloggen Sie auf WordPress.com.

    Theme: MistyLook von Sadish.


    Follow

    Get every new post delivered to your Inbox.

    Join 89 other followers

    Powered by WordPress.com
    loading Abbrechen
    Beitrag nicht abgeschickt - E-Mail Adresse kontrollieren!
    Email check failed, please try again
    Ihr Blog kann leider keine Artikel per E-Mail sharen.