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Zweckbündnis? Liebesheirat!

15. September 2007 von Lizas Welt

Am vergangenen Mittwoch nahmen die österreichischen Behörden in Wien drei Männer unter dem Verdacht fest, als Mitglieder des deutschsprachigen Teils der Globalen Islamischen Medienfront (GIMF) – die im Internet den Terror propagandistisch flankiert und verbreitet – per Video mit Anschlägen gedroht zu haben. Zu den Verhafteten gehörte auch der 22-jährige Mohamed M. (Foto, im Kreis), einer der Anführer der Islamischen Jugend Österreich (IJÖ). Für ihre Ziele (1) – wie etwa „die Erlangung von Allahs Zufriedenheit“, „die Hingabe zum Islam“ und „das Erlernen und das Leben nach dem Islam“ – unternimmt diese Organisation allerlei Aktivitäten, zu denen vor allem „antiimperialistische Arbeit“ und die „Solidarität gegenüber muslimischen Völkern“ gehören, „speziell jenen, die unter gewaltsamer Besatzung leben“. Gegen andere islamische Vereinigungen in der Alpenrepublik, wie die Islamische Glaubensgemeinschaft oder die Muslimische Jugend Österreich, verteilt die IJÖ auch schon mal Flugblätter – mit der vollkommen ernst gemeinten Begründung, die Positionen dieser Gruppierungen stünden im Widerspruch zum Koran.

Einen treuen Verbündeten hat sie hingegen bei den Juden- und Amerikahassern der Antiimperialistischen Koordination (AIK). Deren Mitgliedern ist der Islam schon immer eine echte Herzensangelegenheit gewesen; nicht zuletzt deshalb kümmern sie sich auch rührend um den organisierten muslimischen Nachwuchs. Im Februar letzten Jahres beispielsweise demonstrierten AIK und IJÖ einträchtig gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen, bei der Anti-Bush-Demo vier Monate später schritt man ebenfalls Seit’ an Seit’, und im Zuge der Amtshilfe veröffentlichen die Antiimps zudem gerne Positionspapiere der Islamischen Jugend auf ihrer Website (2). Das Band ist so stark, dass eine Pressemitteilung der AIK anlässlich ihrer Kundgebung „gegen die antiislamische Kampagne“ am vergangenen Donnerstag in der österreichischen Hauptstadt (3) unversehens zu einer ausführlichen Legitimation des Videos geriet, das die Globale Islamische Medienfront im März dieses Jahres produziert und in dem sie Anschläge in Österreich und Deutschland für den Fall angekündigt hatte, dass die beiden Länder ihre Soldaten nicht aus Afghanistan abziehen.

„Die symbolische Beteiligung Österreichs an der Besatzung Afghanistans macht die Soldaten nicht nur zum Ziel des Widerstands, sondern provoziert geradezu Attacken auf Österreich“, heißt es in dem AIK-Pamphlet. „Schuld daran ist einzig und allein die Liebesdienerei der Regierung gegenüber den USA und der NATO.“ Daher müsse „die sofortige Konsequenz sein, die Truppen zurückzuziehen, die Unterstützung des amerikanischen Krieges einzustellen und die verfassungsmäßig vorgeschriebene Neutralität wiederherzustellen“. Eine Kapitulationsforderung also, und das Kollaborationsangebot an die Islamisten folgt sogleich: Bei den Verhaftungen der drei Medienfrontler seien „weder Umstände noch Vorwürfe in schlüssiger Form mitgeteilt“ worden, behauptet die AIK. „Die Forderung nach dem Abzug der Besatzungstruppen zu erheben“ – so lautet die Terrorbotschaft des GIMF-Videos auf Antiimperialistisch –, sei „jedoch keine Straftat“, genauso wenig, „wie den Widerstand gegen imperialistischen Krieg und Besatzung ganz in antifaschistischer Tradition gutzuheißen“. Der Djihad also als nahtlose Fortsetzung des Kampfes gegen die Nazis – fürwahr ein Geschichtsrelativismus der besonders bemerkenswerten Art.

Wilhelm Langthaler, Sprecher des AIK, untermauerte in einem Interview mit der Presse die ambitionierten Absichten seiner Gruppe sogar noch einmal: „Oberstes Ziel ist es, die Vorherrschaft des westlichen Imperialismus zu brechen.“ Gewalt gegen Zivilisten lehne er zwar ab, die gegen Besatzungstruppen sei aber „legitim“. Wer für ihn zu den Zivilisten gehört, sagte Langthaler nicht; seine offenen Sympathien für islamische Terrorvereinigungen – und damit auch für deren Umgang mit der Zivilbevölkerung – geben diesbezüglich jedoch recht eindeutig Aufschluss: „Es lassen sich zahlreiche Beispiele finden, wo der Islamismus nicht nur eine antiimperialistische, sondern auch sozial fortschrittliche Rolle spielt, wie bei der libanesischen Hizbollah oder beim palästinensischen Islamischen Djihad“, lobte der AIK-Guru in einem Beitrag mit dem bedeutungsschwangeren Titel „Islamische Befreiungstheologie?“ (4) zwei explizit antisemitische Organisationen, deren Ziel die Vernichtung Israels ist und die diesem Ansinnen bereits mit ungezählten mörderischen Aktivitäten Nachdruck verliehen haben. Doch sie sind nicht die einzigen, die er für präsentabel hält: „In jedem Land findet man kleinere krypto-linke islamische und islamistische Gruppierungen, die auch historisch auf die eine oder andere Art und Weise Schnittpunkte mit der Linken aufweisen.“ Sogar in Afghanistan hat er welche aufgetan, die sich dem „Volkswiderstand“ verschrieben haben (5). Und in Österreich eben die Islamische Jugend.

Bei den „Schnittpunkten“, die Langthaler meint – und die bekanntlich auch Oskar Lafontaine reklamiert –, handelt es sich, bei Lichte betrachtet, eher um große Flächen. Die Kongruenzen sind nicht bloß taktischer und vorübergehender Natur, und sie resultieren nicht nur aus einem einigenden Hass auf die gemeinsamen Feinde namens USA und Israel. Vielmehr ist, nachdem die Antiimperialisten den Islamisten ihr Jawort gegeben haben, aus dem Zweckbündnis längst eine Liebesheirat geworden. „Alles Lob gebührt Allah“, heißt der Trauungsspruch. Er steht auf der Website der AIK – unter einer Erklärung der IJÖ (6). Auch dies zum Thema „Globale Islamische Medienfront“.

Anmerkungen:
(1) http://www.ijoe.at/
(2) http://tinyurl.com/2b3yyc und http://tinyurl.com/27wtvp
(3) http://tinyurl.com/22xvha
(4) http://tinyurl.com/23d2wa
(5) http://tinyurl.com/2zfnjh
(6) http://tinyurl.com/2b3yyc

Das Foto entstand im Juni 2006 auf einer Demonstration gegen den Besuch George W. Bushs in Wien. An ihr nahm sowohl die AIK als auch die IJÖ teil. Im roten Kreis erkennt man den am Mittwoch festgenommenen Mohamed M. von der IJÖ.

Hattips: Philipp Heimberger, Thomas von der Osten-Sacken

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