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Hochzeit des Hasses

23. Dezember 2006 von Lizas Welt

Warum trachtet nahezu die gesamte arabisch-islamische Welt nach der Auslöschung Israels? Wieso erhalten die Djihadisten beständigen Zulauf? Woraus speist sich der arabische Antisemitismus, dessen eliminatorische Konsequenz sich an der Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten orientiert? Das sind Fragen, deren Beantwortung nicht unmaßgeblich darüber entscheidet, welche Maßnahmen sinnvoll und möglich sind, um eine Tilgung des jüdischen Staates von der Landkarte nachhaltig zu verhindern. Doch die existenzielle Gefahr für Israel wird im Westen von vielen nicht nur gar nicht erst wahrgenommen; vielmehr halten nicht wenige das 1948 per UN-Beschluss gegründete Land der Shoa-Überlebenden für den eigentlich Schuldigen an der Misere im Nahen Osten und vor allem die Palästinenser für deren wirkliche Opfer. Daran schließen zwangsläufig weitere Fragen an: Wie kommt es beispielsweise, dass der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter ein Buch schreibt, das den Titel „Palästina: Frieden ,nicht Apartheid“ trägt und eine einzige Anklageschrift gegen Israel ist? Was reitet die Nahostkorrespondentin eines deutschen Nachrichtenmagazins, die Hamas allen Ernstes für einen selbstlosen Wohltätigkeitsverein zu halten und nicht für eine antisemitische Terrororganisation, der die Vernichtung Israels Zweck und Ziel ist? Woher kommt das Appeasement gegenüber dem Islamismus? Und weshalb ist die UNO mit Verurteilungen Israels stets rasch bei der Hand, während noch die größten Verbrechen islamischer Staaten und Vereinigungen mit Schweigen bedacht werden?

Bruce Thornton (Foto), Buchautor, Journalist und Hochschullehrer an der California State University in Fresno, geht in einem Beitrag für die Website von Victor Davis Hanson vor allem dem letztgenannten Fragenkomplex nach und konstatiert zunächst eine westliche Selbstverachtung, deren Protagonisten vor allem bei den Linken zu finden seien. Die Islamisten hätten sich dabei „die marxistisch inspirierte Verteufelung des Imperialismus und des Kolonialismus, die sentimentale Drittweltlerei, die das nicht-westliche ‚Andere’ idealisiert, und die jugendliche Romanze mit revolutionärer Gewalt“ zunutze gemacht und von einem „moralischen Relativismus“ profitiert, der in der Konsequenz tödlich sei. In einer vollständigen und aberwitzigen Täter-Opfer-Verdrehung und der Konstruktion einer „Gewaltspirale“ werde Israel immer wieder an den Pranger gestellt; dies sei vor allem eine Folge des modernen Antisemitismus, der „wenig zu tun hat mit mittelalterlichem Hass auf Christusmörder und Brunnenvergifter, aber alles mit den Ängsten und Verwerfungen des modernen Kapitalismus, der Industrialisierung und der Urbanität“, als deren Urheber und Nutznießer Juden im Allgemeinen und Israel im Besonderen gesehen würden. Dieser Weltsicht, in der sich die Judenhasser aller Couleur vereinigten, könne man nur mit Abscheu begegnen. Lizas Welt hat Thorntons Beitrag ins Deutsche übersetzt.

Bruce Thornton

Die große Angst

Wie die Moderne den arabischen Antisemitismus nährt

Es gibt eine Textzeile in einem Lied von Elvis Costello, die da lautet: „Ich war Ekel gewöhnt; nun versuche ich, vergnügt zu sein.“ Vor 9/11 war das so ziemlich meine Philosophie. Ich, der ich an einer Universität arbeitete, war täglich dem postmodernen Hokuspokus ausgesetzt, den multikulturellen Fantasien vom edlen Wilden und den Wahnvorstellungen der übrig gebliebenen Linken, die alle dermaßen erkennbar unzusammenhängend und fernab der Realität waren, dass es eine Verschwendung von Energien zu sein schien, sich zu ekeln. Das abgehobene Vergnügen engstirniger Forscher beim Studieren bizarrer chiliastischer Bewegungen schien angemessener und war weniger anstrengend.

Dann kam der 11. September, und die blutige Wahrheit von Richard Weavers Diktum, dass „Ideen Konsequenzen haben“, machte Vergnügungen verwerflich. Das Desaster war die Frucht von Jahren voller schlechter Ideen, insbesondere der der institutionalisierten Selbstverachtung des Westens, der seine eigenen Ideale, Werte und Kultur dämonisiert, während er die der „Anderen“ idealisiert, unabhängig davon, wie dysfunktional sie sind. Unsere Intellektuellen, Akademiker und Künstler erzählten der Welt Jahrzehnte lang, dass der Westen, besonders Amerika, der Bösewicht der Geschichte ist und dass seine Verbrechen – der Imperialismus, der Kolonialismus, der Kapitalismus, die Vergeudung von Ressourcen und die Umweltverschmutzung – für alle Krankheiten der Welt verantwortlich sind. War es da ein Wunder, dass einer der schärfsten historischen Feinde des Westens, der Islam, unsere Selbstgeißelung ernst nahm und daraus schloss, dass wir es verdienten, für die Verbrechen zu sterben, derer wir uns selbst fortwährend bezichtigen? Und in Anbetracht der Tatsache, dass sogar nach 9/11 die gleichen schlechten Ideen weiterhin unser Denken verderben und unsere Versuche gefährden, unsere Zivilisation gegen einen geschickten, engagierten Feind zu verteidigen, ist Ekel die einzig berechtigte Reaktion auf das Verhalten, das durch solch abgestandene Weisheiten erzeugt wird. Belege für diese kulturelle Krankheit überschwemmen täglich die Medien, aber die Resonanz des Westens auf Israels sechzigjährigen Kampf gegen seine Vernichtung bleibt das Beweisstück Nummer eins.

Israel war und bleibt der Schlüssel zum Verständnis des Krieges gegen den islamischen Djihad. Die Gründung eines modernen westlichen Staates im Herzen des muslimischen Imperiums – noch dazu für ein Volk, dessen Angehörige lange als Dhimmis und als geistig Abtrünnige verachtet wurden, die die endgültige Offenbarung Allahs nicht annahmen und die man daher ihres angestammten Landes beraubte – war bloß die krönende Beleidigung, die den Niedergang des Islam seit seinem Höhepunkt in Wien am 11. September 1683 kennzeichnete. Der Gegenangriff auf den Westen, der Djihad zur Rückgewinnung der Länder, die den Muslimen durch Allah gewidmet waren, begann dann ernsthaft mit dem Kampf gegen Israel. Also lehnten die arabischen Staaten 1948 die UN-Resolution ab, die die Gründung Israels und eines palästinensischen Araberstaates vorsah – die Vereinten Nationen waren als westliche Institution den Werten und Idealen des Islam jedenfalls völlig fremd –, und schickten ihre Armeen, um die „zionistische Entität“ zu entwurzeln und zu zerstören. Dieser Versuch schlug fehl, genau wie zwei weitere. Danach änderten die muslimischen Araber ihren Kampf in Richtung einer Zermürbung der israelischen Entschlossenheit durch Terrorismus; gleichzeitig nutzte ihre Propaganda den geistigen, kulturellen und intellektuellen Verfall des Westens aus.

Von den vielen schlechten Ideen, die von den Djihadisten ausgenutzt wurden – die marxistisch inspirierte Verteufelung des Imperialismus und des Kolonialismus; die sentimentale Drittweltlerei, die das nicht-westliche „Andere“ idealisiert; die jugendliche Romanze mit revolutionärer Gewalt –, war der moralische Relativismus die tödlichste. Die Unfähigkeit, den Aggressor vom Opfer zu unterscheiden – also zu differenzieren zwischen dem Töten zwecks Auslöschung eines Volkes und dem Töten zur Selbstverteidigung gegen eine solche existenzielle Bedrohung –, hat den Begriff der „Gewaltspirale“ hervorgebracht, die moralisch schwachsinnige Auffassung, dass die Gewalt der Aggression und die Gewalt zur Verteidigung ununterscheidbar und beide ein Reflex seien, der sinnlos auf den jeweils anderen antworte. Aber die „Moral“ ist nicht so „äquivalent“, wie es auf den ersten Blick scheint, denn in dieser Verdammung einer abstrakten „Spirale“ verbirgt sich ein konkretes, scharfes Urteil über Israels angeblich ursprüngliche Schuld. Obwohl Israel international genauso rechtmäßig ist wie Jordanien, Saudi-Arabien, Syrien, der Libanon und der Irak – andere Staaten, die infolge des Untergangs des Ottomanischen Reiches gegründet wurden –, soll es allein verantwortlich für die vermeintlich illegitime „Besetzung“ des Landes seiner Vorfahren und daher der Erste sein, der Zurückhaltung walten lässt, Zugeständnisse macht und dadurch „die Gewaltspirale durchbricht“.

Das jüngste Beispiel dieser moralischen Inkohärenz findet sich im Titel des Buches des ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter: „Palästina: Frieden, nicht Apartheid“. Es ist obszön, das Wort „Apartheid“ zur Beschreibung der Maßnahmen zu gebrauchen, die Israel zu ergreifen gezwungen ist, um seine Bürger davor zu schützen, von Mördern in die Luft gejagt zu werden. Es erinnert an die UN-Resolution, die Zionismus als Rassismus verurteilte und die nur deshalb aufgehoben wurde, weil die Vereinigten Staaten mit der Zurückhaltung finanzieller Zuwendungen drohten. Dass Carter dieses Wort verwendet, spricht entweder für tiefe Ignoranz oder für einen Hass gegen Israel, über dessen Wurzeln man nur spekulieren kann. Carters Ritt gegen die „Israel-Lobby“ – das neueste Modell der alten Verleumdung namens „Die Weisen von Zion“, bei der ruchlose Juden die Welt regieren – legt nahe, dass er einige unangenehme Vorurteile beherbergt.

Ich weiß nicht, ob Carter und andere derart tollwütige Kritiker Israels Antisemiten sind. Aber wie soll man sonst den unerbittlichen, irrationalen Hass gegen Israel und die anspruchsvollen Standards erklären, an denen nur dieser Staat gemessen wird? Einschätzungen zufolge starben seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 25 Millionen Menschen in verschiedenen Konflikten. Achttausend davon resultierten aus dem Konflikt zwischen Israel und den palästinensischen Arabern, womit Israel auf der Liste der tödlichen Auseinandersetzungen an sechsundvierzigster Stelle geführt wird. (Um diese 8.000 in einen Kontext zu stellen, sei daran erinnert, dass Jordanien erheblich mehr Palästinenser allein während des Krieges des „Schwarzen September“ 1970 ermordete.) Die UNO jedoch hat mehr Resolutionen gegen Israel verabschiedet als gegen die 45 vor ihm rangierenden Staaten zusammen. Und wir sollten nicht vergessen: Welche Gewalt auch immer Israel gebrauchte und welche Fehler es beging, sie resultierten stets aus seinen Versuchen, sich gegen weit größere nationale Armeen und teuflische Terroristen zu verteidigen, die vom hasserfüllten Wunsch geleitet wurden, „Israel von der Landkarte zu radieren“, wie der iranische Präsident es ausdrückte – übrigens ohne dass die Vereinten Nationen je einen Ton von sich gegeben hätten, wie sie auch über die Versammlung der Holocaustleugner schwieg, die kürzlich Gast des Iran waren.

Der Hass gegen Israel ergibt sich also nicht aus einem universellen Prinzip, nach dem Staaten, die andere töten oder deren Länder „besetzen“, eine Verurteilung durch die internationale Gemeinschaft verdienen. Selbst wenn Israel das Land anderer „illegal besetzen“ würde, was es nicht tut, wenn man Geschichte richtig versteht; selbst wenn Israel Palästinenser nicht aus Gründen der Selbstverteidigung töten würde, was es in fast jedem Fall tut; kurz: selbst wenn Israel so schuldig wäre, wie seine Gegner behaupten, wäre die Intensität seiner Dämonisierung immer noch irrational angesichts der zahllosen anderen Aggressoren, deren Opferzahlen und brutale Unterdrückung selbst das schlimmste Zerrbild israelischer Verhaltensweisen in den Schatten stellen.

Antisemitismus ist natürlich nicht die einzige Erklärung für den Hass gegen Israel. Antiamerikanismus ist ein weiterer wichtiger Faktor. Und das Appeasement gegenüber Terroristen und Ölerpressern spielt im Verhalten einiger Staaten ebenfalls eine Rolle. Das nationale Eigeninteresse – wie etwa das französische Streben nach einer Steigerung seiner Bedeutung in der Welt durch das Einschmeicheln bei arabischen Regimes – hilft dabei, die Bereitschaft zu erklären, mit der Israel verraten und verkauft wird. Die eingangs erwähnten Idealisierungen dunkelhäutiger „Anderer“, die „Neo-Kolonialismus“ und „Neo-Imperialismus“ bekämpfen, haben terroristische Mörder in schneidige „Freiheitskämpfer“ verwandelt. Wenn man jedoch sorgfältig die Kritik an Israel wie die von Carter analysiert, kommen alte Stereotype, die Juden als Weltverschwörer begreifen, wieder an die Oberfläche.

Das ist die Stelle, an der der institutionalisierte Selbsthass des Westens ins Spiel kommt. Denn moderner Antisemitismus hat wenig zu tun mit mittelalterlichem Hass auf Christusmörder und Brunnenvergifter, aber alles mit den Ängsten und Verwerfungen des modernen Kapitalismus, der Industrialisierung und der Urbanität. Der Jude wird gehasst, weil er sowohl die Verkörperung dieser Zwänge als auch deren Nutznießer und oberster Manipulator sein soll. Auf diese Weise wird er zum konkreten Sinnbild der „kreativen Zerstörung“ der Moderne, deren Kosten für einige nicht hinzunehmen sind – nicht bloß für diejenigen, die auf der Strecke geblieben sind, sondern auch für jene im Westen, die vom umfassenden Wohlstand und der Freiheit profitiert haben, die der moderne Kapitalismus hervorgebracht hat.

Zu den größten Verlierern des Wettlaufs, um modern zu werden, gehören die muslimischen Araber. Daher ist es keine Überraschung, dass heutzutage die traditionelle islamische Verachtung gegenüber den besiegten Dhimmis ihre Hochzeit feiert mit westlichen antisemitischen Fantasien von jüdischen Intrigen, mit denen alle Schalthebel der Moderne vom internationalen Finanzwesen bis zu den Medien bedient werden. Und diese Zerrbilder finden willige Bündnispartner bei Westlern, die ihre eigene Kultur so sehr hassen, wie radikale Muslime es tun, und die sich, unter dem Deckmantel des „Antizionismus“, den gleichen bösartigen Stereotypen hingeben. Diese äußerst schlechte Idee – dass der moderne Westen und seine ihn kennzeichnende kulturelle Fracht des freien Marktes, des Individualismus, des Rationalismus und der liberalen Demokratie die Motoren des globalen Bösen seien und dass die Juden und Israel die gefährlichsten Verkörperungen dieses Bösen darstellten – befeuert die Raserei der Djihadisten weiterhin und schwächt die Entschlossenheit des Westens. Die Einsätze für diese selbstmörderische Auffassung sind zu hoch, um in uns etwas anderes als Abscheu auszulösen.

Hattip: barbarashm, Franklin D. Rosenfeld

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