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4. August 2006 von Lizas Welt

Angesichts der Vernichtungspläne der Hizbollah, des Iran, der Hamas und des Islamischen Djihad gegen den jüdischen Staat, in Anbetracht von Katjuscha-Raketen auf und Suicide Attacks in ihm ist der Alltag in Israel eine Gefahrenquelle, sind Diskobesuche, Kneipengänge oder das Busfahren ein ständiges Risiko. Nicht zuletzt um daran nicht zu verzweifeln, ist es wichtig, dass es dort Möglichkeiten der Zerstreuung gibt, dass man Hobbys oder Beschäftigungen nachgehen kann, die die Bedrohung durch den Terror nicht ungeschehen machen, aber vielleicht eine Lähmung verhindern helfen. Fußball zum Beispiel ist in Israel eine ausgesprochen populäre Sportart, und internationale Begegnungen haben dort – wie überall – eine besondere Anziehungskraft. Vor zwölf Jahren nahm der europäische Fußballverband UEFA den jüdischen Staat auf; für diesen war es das Ende einer langen Odyssee durch die Asien-, Ozeanien- und Europagruppen infolge ständiger Boykotte gegnerischer Mannschaften. Dennoch blieben neuerliche Einschränkungen nicht aus: Als die so genannte Zweite Intifada ihren brutalen antisemitischen Terror ausagierte, mussten israelische Teams auf Geheiß des europäischen Verbandes ihre „Heimspiele“ in den internationalen Wettbewerben auf Zypern austragen, weil es den anreisenden Klubs „nicht zuzumuten“ sei, in Israel zu kicken. Erst nach dem Bau des Sicherheitszauns und dem Rückgang der Selbstmordattentate genehmigte die UEFA im April 2004 wieder die Austragung von Partien im Land.

Nun wird der jüdische Staat erneut vom islamistischen Terror heimgesucht, und wieder werden israelische Vereine dafür bestraft: Den Klubs Hapoel Tel Aviv, Bnei Yehuda Tel Aviv und Beitar Jeruasalem wird bei ihren Qualifikationsspielen für den UEFA-Cup diesen Monat das Heimrecht verweigert; die Begegnungen müssen auf neutralem Boden stattfinden. „Durch den Krieg mit der Hizbollah im Süden des Libanon ist die Sicherheit der Sportler in Israel nicht ausreichend gewährleistet“, behauptete die UEFA. Iche Menachem, Präsident des Israelischen Fußballbundes, war fassungslos: „Wir werden diese Entscheidung nicht unwidersprochen akzeptieren. Ich fordere die UEFA-Offiziellen auf, ihre Entscheidung hier im Land zu treffen und nicht in ihren Büros in der Schweiz.“ Man erwäge eine Klage vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS.

Ob wenigstens Maccabi Haifa sein Champions League-Ausscheidungsspiel gegen den FC Liverpool am 22. oder 23. August zu Hause bestreiten darf, entscheidet sich am kommenden Montag. Der englische Rekordmeister hat jedoch bereits nach der Auslosung dieser Partie angekündigt, die UEFA um die Verlegung des Matches an einen Ort außerhalb Israels zu bitten. „Maccabi will offensichtlich in Israel spielen. Das ist verständlich. Aber wir müssen uns des Risikos für Spieler und Fans bewusst sein“, meinte Geschäftsführer Rick Parry. Liverpools Trainer Rafa Benitez fand sogar: „Es ist ausgeschlossen, dass wir in diesen Zeiten nach Israel fahren, um dort ein Fußballspiel auszutragen. Es ist verrückt, überhaupt nur daran zu denken. Ich fühle im Moment zwar mit den Menschen dort, denn es ist eine schreckliche Zeit für sie. Aber die Sicherheit aller Beteiligten muss an erster Stelle stehen, und das bedeutet, dass wir nicht dorthin fahren können. Es wäre unmöglich, sich auf das Spiel zu konzentrieren.“ Und Les Lawson, Sprecher der Fanklubs des Vereins, riet: „Liverpool sollte nicht mal erwägen, dort zu spielen. Nirgendwo in Israel gibt es eine hundertprozentige Sicherheit, erst recht nicht jetzt.“ Der israelische Verbandspräsident Menachem hielt diesen Statements entgegen, dass schließlich auch die Popgruppe Depeche Mode dieser Tage für ein Konzert nach Israel reisen werde: „Es gibt keinen Grund, warum Liverpool nicht auch hierher kommen sollte.“

Zwar kann im Stadion Kiryat Eliezer in Haifa nicht gespielt werden, weil in der Nähe mehrmals am Tag Raketen der Hizbollah einschlagen, wie auch beim Zweitligisten Hapoel Kiryat Shmona, wo kürzlich vor dem Beginn des Trainings ein Einschlagskrater zugeschüttet werden musste. Doch eine problemlos mögliche Verlegung der Begegnung in den israelischen Süden statt außerhalb der Landesgrenzen ist für die UEFA augenscheinlich undenkbar. „Es sollte nicht ‚total inakzeptabel’ sein, derzeit nach Israel zu reisen, sondern ‚total wichtig’“, kommentierte das Weblog Ten German Bombers die Äußerungen der englischen Funktionäre:

„Die fußballverrückte israelische Zivilgesellschaft steht durch Raketen unter Beschuss, die willkürlich in Wohngebiete des Nordens abgefeuert werden. Das Spiel in Israel auszutragen, wäre ein wichtiges Zeichen der Solidarität. Der FC Liverpool, dem in der Vergangenheit selbst faire Solidarität zuteil wurde, teilt diese Ansicht offenbar nicht. Die Partie nach Zypern zu verlegen, wäre ein Schlag ins Gesicht für die israelischen Klubs, den israelischen Fußball, die israelischen Fans und die Zivilgesellschaft – es wäre ein Sieg für die Terroristen. [...] Natürlich hat der FC Liverpool eine Verantwortung für seine Fans und seine Mannschaft. Natürlich will er das Match gewinnen und in Sicherheit spielen – er ist eine Fußballmannschaft, ein Unternehmen und nicht eine politische Körperschaft. Seine Versuche, die Partie aus Israel zu verlegen, sind jedoch unakzeptabel [...] Die UEFA hat die Verantwortung dafür, Fußball in Israel zu fördern – es wird Zeit, dass sie das ernst nimmt, statt die Opfer zu bestrafen.“

Ein Appell, der gleichwohl kaum Gehör beim europäischen Fußballverband finden dürfte; „Hizbollah-Terror 1 – Israel 0 infolge einer schlechten Schiedsrichterentscheidung ist das wahrscheinlichste Ergebnis dieser UEFA-Ermittlungen“, vermutet auch Ten German Bombers. Ein Appell jedoch auch an die Spieler, Verantwortlichen und Anhänger der Reds, ihre Hymne „You’ll never walk alone“ nicht bloß ein nettes Lied sein zu lassen, das bei bester Laune im Stadion geschmettert wird.

Update 16. August 2006: Eine ausführliche und aktualisierte Fassung dieses Beitrags ist in der Wochenzeitung Jungle World (Nr. 33/2006) erschienen: „Heimspiele auswärts“

Das Foto entstammt der Demonstration für Israel am vergangenen Sonntag in Köln.
Übersetzungen: Liza, Hattips: Fritz, Clemens & Planet Hop

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