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Des Wahnsinns fette Beute

3. April 2006 von Lizas Welt

Dass er ein veritabler Antisemit ist, hat der syrische Präsident Bashar Assad schon diverse Male hinreichend deutlich gemacht. Im Mai 2001 etwa nutzte er den Besuch des Papstes in seinem Land, um ein paar Dinge klar zu stellen, von denen die Journalistin Beate Klarsfeld berichtete:

„Assad hetzte gegen die ‚Israelis’, die sich als auserwähltes Volk betrachteten – sie hätten ‚das Gebot der Gleichheit massakriert, als sie behaupteten, dass Gott ein Volk geschaffen hat, das über anderen Völkern steht’; sie hätten ‚Jesus verraten’ und versucht, ‚den Propheten Mohammed zu töten’. Auf dem Gipfel der arabischen Staaten im März verglich er Juden und Nazis: ‚Es ist die israelische Öffentlichkeit, nicht nur die Führer, die selbst wie Nazis sind’, so Assad, und: ‚Die israelische Gesellschaft ist eine rassistischere Gesellschaft als der Nationalsozialismus.’ Dieser Mann will den Staat Israel von der Landkarte tilgen.“

Nun setzte Assad noch einen drauf. In der Charlie Rose Show des US-amerikanischen Fernsehsenders PBS offenbarte er weitere markante Lücken in seinem Gedächtnis: „Es gab ein Massaker an den Juden im Zweiten Weltkrieg, doch ich weiß nicht, wie viele getötet wurden, und ich weiß nicht, ob durch Erschießen oder Vergasen.“ Ein kleiner, eher harmloser Zwischenfall also, eine Laune der Geschichte sozusagen, diese Shoa; auf Nachfrage bezweifelte Assad dementsprechend auch füglich, dass es sechs Millionen ermordeter Juden gewesen waren. Und darüber hinaus sei diese Angelegenheit auch gar nicht so wichtig: „Die Frage ist nicht, wie viele getötet wurden, sondern warum die Palästinenser jene sind, die den Preis für den Holocaust zahlen müssen.“ Und darüber hinaus entspreche das, was „in Palästina passiert“, der Massenvernichtung im Nationalsozialismus.

Da macht also wieder einer den Ahmadinedjad, wobei es immer wieder bemerkenswert ist, wie bei solchen Brandreden Israel erst mit dem NS-Regime verglichen wird, bevor anschließend – mal offen, mal durch die Blume – Zweifel geäußert werden, dass es die Shoa tatsächlich gegeben hat, und sich schließlich die Juden der Anklage gegenübersehen, aus ihrer Vernichtung auch noch Kapital zu schlagen. Letztlich gerät der ganze Wahnapparat also ordentlich durcheinander und steht die Holocaustleugnung neben der Täter-Opfer-Verdrehung – aber logische Stringenz muss man von der Irrationalität ja auch nicht erwarten. Letztlich drücken solche Statements bei aller offensichtlichen Widersprüchlichkeit die Sehnsucht aus, das zu vollenden, was andere nicht ganz geschafft haben, und diesen anderen bringt man in vielerlei Hinsicht große Bewunderung entgegen. Der Israel-NS-Vergleich ist dabei bloße Taktik, weil er das Bild der Inkarnation des absolut Bösen benötigt, um den Todfeind zu brandmarken, und die Leugnung der Shoa ist sowohl ein Versuch der Ehrenrettung des Nationalsozialismus als auch der gezielte Anwurf an die Juden, sich völlig zu Unrecht als Verfolgte zu fühlen, wo sie doch recht eigentlich Verfolger seien.

Öffentliche Proteste gegen Assads Auftritt blieben bisher weitgehend aus, obwohl sich die Äußerungen des syrischen Staatsoberhauptes substanziell nicht von denen seines iranischen Kollegen unterscheiden. Als eine der wenigen übte die Anti-Defamation League (ADL) Kritik, indem sie Assad mit einiger Zurückhaltung vorwarf, Holocaustleugnern Nahrung zu geben. In einer Presseerklärung der Organisation hieß es außerdem:

„Die ADL wies darauf hin, dass Syrien als Mitglied der Vereinten Nationen verpflichtet ist, sich an die Richtlinien zu halten, wie sie im Januar 2005 in einer Resolution der Generalversammlung festgesetzt wurden, die ‚jede Leugnung des Holocaust als historisches Ereignis, sei es in Gänze, sei es in Teilen, zurückweist’.“

Konsequenzen muss Assad aber nicht befürchten. Die UN ist eine propalästinensische Veranstaltung, die an ihrem Antirassismustag Dänemark ermahnt, doch bitte nicht das Allerheiligste der Moslems ins Bild zu setzen, schon gar nicht kritisch. Doch Syrien wegen der dreisten Invektiven ihres Präsidenten an einen Beschluss zu erinnern, kommt ziemlich sicher nicht in Frage. Seit Durban schon gleich gar nicht.

Zeichnung: Cox & Forkum

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